Neueröffnung: Der Bettelstudent heißt jetzt Borso

Daniel Weber

Rund drei Wochen lang war der Bettelstudent wie verbarrikadiert. Irgendwann war dann auch das Namensschild verschwunden. Nun ist die Tür der Kneipe im Sedanviertel wieder geöffnet, und darüber prangt ein neues Schild: Borso – Institut für Straßenkunst und Trinkkultur. Und drin sieht alles anders aus.



„Der Laden ist jetzt so, wie ich ihn schon immer haben wollte“, erzählt Pächter Leonid Fliegauf (Bild unten), den alle nur Leo nennen. Borso ist der zweite Vorname des 25 Jahre jungen Gastronomen. „Ich mache das jetzt seit drei Jahren, habe viel gelernt und lerne noch immer. Jetzt bin ich aber an dem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann, dass ich hier auf festen Füßen stehe und dem Laden ein neues Gesicht geben will“, erzählt der gebürtige Freiburger weiter.

Und es ist gelungen. Die weißen Wände sind Vergangenheit, sie sind jetzt rot und grün und nicht mehr kahl. Streetart ist das Stichwort. Die drei Freiburger Künstler Nest Dafoe, Paprikum und SMY haben in dreiwöchiger Arbeit gemalt, gesprayt, geklebt, gebastelt und gewerkelt. Pieces und Paste-Ups an den Wänden und Installationen hinter der Theke schaffen jetzt eine neue Atmosphäre, wie sie so in keiner anderen Freiburger Kneipe zu finden ist. Zu Stande kam der Kontakt zu den Künstlern auf eigenwillige Weise, sie saßen vor rund einem Jahr bei einer nächtlichen Kneipentour in Bierlaune auch an der Theke des Bettelstudenten und philosophierten darüber, was man mit dem Raum alles anstellen könnte.



Hinter der Theke stand Leo Fliegauf. Man kam ins Gespräch und etwa ein Jahr später hatte Nest Dafoe eine Mail in seinem Posteingang. Ob sie noch Lust hätten, was im Bettelstudent zu machen? Absender Leo. In der vergangenen Woche bei einer kleinen Eröffnungsfeier standen sie Arm in Arm da. „Leo hat uns komplette Freiheit gelassen und uns vertraut. Das ist schon etwas Besonderes“, sagte Dafoe. „Die Jungs haben tolle Arbeit geleistet, ich bin richtig glücklich“, sagte Fliegauf, der schon immer ein Faible für Streetart hatte. Beide schüttelten dann ungläubig den Kopf.

In der neuen gastronomisch unorthodoxen, aber angenehmen Atmosphäre sollen laut Fliegauf von nun an vor allem Studierende, Mittzwanziger, aber auch ältere Semester den Weg ins Borso finden. „Ich bin direkt hier im Viertel aufgewachsen und hoffe, dass alle möglichen Leute aus der Umgebung mal vorbeischauen und sich hier treffen.“ Den Ruf einer Kneipe, in der sich Jugendliche warmtrinken, will das Borso loswerden.

Geplant ist auch, in regelmäßigen Abständen kleinere Veranstaltungen wie etwa DJ- oder Singer/Songwriter-Abende zu installieren. „Ich will hier etwas aufbauen“, sagt Fliegauf. Weiterhin werden Fußballspiele auf einem Beamer übertragen werden. Auch die Karte bleibt sich erst einmal treu. Neben der reichhaltigen Getränkekarte (siehe Eingangsschild: Trinkkultur) gibt es auch eine kleine Essenskarte mit Burgern, Schnitzel oder Flammenkuchen. „Deftig, aber gut“, kommentiert Leo Fliegauf. Und meint damit wohl das ganze Borso.

Mehr dazu:

Borso
Moltkestraße 30
79098 Freiburg
0761.29083583 Öffnungszeiten
Montag bis Freitag ab 18 Uhr
Samstag und Sonntag ab 14:30 Uhr  

Foto-Galerie: David Cibis

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