Neue private Studentenwohnheime locken mit Luxusfaktor

Carolin Buchheim

Parkett, ein schickes Designer-Bad und nur so viel Gemeinschaft, wie man will – damit locken zwei neue private Studentenwohnheime. Ortstermin bei "The Fizz" in der Zähringer Straße und "Campo Novo" auf dem Güterbahngelände.



Nachdem Matthias Schäpers (Bild oben rechts) mit der neuen Mieterin alle Punkte des Wohnungsübergabeprotokoll abgehakt hat, kommt er zum Wichtigsten. „Unter der Spüle sind die verschiedenen Mülleimer montiert“, sagt er und lacht. „Freiburg ist die Green City, wir nehmen das sehr wichtig mit der Mülltrennung.“

Schäpers Berufsbezeichnung ist „House Coordinator“ im privaten Studentenwohnheim The Fizz in der Zähringer Straße 300, Ecke Tullastraße. 149 Wohnungen gibt es hier, die allermeisten hat Schäpers in den vergangenen Tagen schon an ihre neuen Bewohner übergeben. Frei ist nur noch eine, Penthouse, 36 Quadratmeter, 700 Euro warm. „Die geht heute noch weg.“

Im The Fizz gibt’s All-Inclusive-Service

Gutgelaunt und routiniert wie eine Stewardess beim Erklären der notwendigen Maßnahmen im Fall einer Notlandung zeigt Schäpers am Dienstagmittag Malina Kloeckner und ihrer Mutter Susanne Malinas Studentenwohnung.

30 Quadratmeter, zweiter Stock, hinten raus, Blick auf Garten, Rückgebäude und die Hochhäuser an der Alban-Stolz-Straße.  „Schön!“, sagt die angehende Biologie-Studentin aus der Nähe von Worms, als sie zum ersten Mal in ihrer Wohnung steht.  Alle The-Fizz-Wohnungen sind möbliert, die Pantryküche hat Ceranfelder. Der Internetanschluss und eine Vielzahl von TV-Kanälen sind inklusive, auf jeder Etage gibt es Gruppen-Lernräume mit Flachbildschirmen für Präsentationen, nachts ist ein Wachdienst im Haus. House Coordinator Schäpers kommuniziert mit den Bewohnern über eine Facebook-Gruppe und verleiht gegen Pfand nicht nur Bügeleisen sondern auch eine Wii-Spielekonsole.

Mit diesem Angebot will der Betreiber, die  International Campus AG aus München, eine klar definierte Zielgruppe ansprechen: „Studierende, die ein erfolgreiches Studium mit einer hohen Lebens- und Wohnqualität in kosmopolitischer Atmosphäre verbinden.“ Das Rundum-Sorglos-Paket ist besonders für ausländische Studierende attraktiv:  Rund 60 Prozent der Bewohner stammen nicht aus Deutschland.  

Ausstattung und Service haben ihre Preis. 643 Euro bezahlt die 19-Jährige. „Wir dachten nicht, dass es so teuer werden würde,“ sagt Susanne Kloeckner. „Aber dafür ist ja alles schön.“  Die EEntscheidung für das private Wohnheim war eine rein praktische. „Ich habe mich ganz kurzfristig für ein Studium in Freiburg entschlossen“, sagt Malina. „The Fizz habe ich als erstes im Internet gefunden.“



Parkett und Münsterblick

Im Netz hat auch Hanna Siemund ihre Wohnung im Campo Novo auf dem Güterbahngelände entdeckt. „Ich kannte niemanden, der auch in Freiburg anfängt zu studieren“, sagt die 18-Jährige aus Radolfzell, die bald ein Mathematik-Studium beginnt. „Und mit Fremden wollte ich nicht in eine WG ziehen. Hier kann man für sich sein, aber auch in Gesellschaft.“ Im Campo Novo ist am Mittwoch Schlüsselübergabe-Tag, vor dem Haus stehen Umzugswagen, irgendwer blockiert den Aufzug. Hannas Wohnung ist im fünften Stock, 26 Quadratmeter, 550 Euro warm, Ausblick auf Münster, Schlossberg, Schönberg.

Den Schlüssel hat ihr der Chef persönlich ausgehändigt: Alfred Hildebrandt ist Immobilienmann aus Stuttgart und hat Campo Novo konzipiert. Er betreibt jetzt vier private  Studentenwohnheime im Land. „Die 326 Wohnungen für 376 Bewohner waren innerhalb von vier Wochen vermietet“, sagt er. „In Freiburg ist der Bedarf einfach groß.“ Möbliert sind nur 30 der Appartements. „Ein Testlauf“, sagt er. Einen Concierge gibt es hier nicht. „Mit solchen Service-Leistungen treibt man nur die Nebenkosten in die Höhe.“ Hannas Vater Thorsten gefällt die erste Wohnung seiner Tochter. „Meine Studentenbude sah nicht so aus“, sagt er. „Was die Studenten hier kriegen, ist schon ein Luxus.“

Das findet auch Renate Heyberger vom Studierendenwerk, das insgesamt zehn Wohnheime in Freiburg betreibt. Die Nachfrage nach Wohnraum ist - das dürfte niemanden verwundenr - riesengroß. 2.400 Anfragen bekam das Studierendenwerk für das kommende Wintersemester - 600 Zimmer und Appartements, waren jedoch nur zu vergeben. Die Durchschnittspreis für ein Studierendenwerk-Appartement: 295 bis 355 Euro. „Die privaten Träger bedienen eine andere Zielgruppe wie wir“, sagt Heyberger. „Ihre Wohnheime sind sicher geeignet für Studierende, die mehr für die Miete ausgeben können. Sie ersetzen aber nicht den dringend gesuchten und knappen günstigen Wohnraum.“

[Fotos: Michael Bamberger]

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