Neue Hochschule: Jazz und Rockschule und Hochschule für Grafik fusionieren

Frank Zimmermann

Freiburg bekommt eine weitere private Hochschule: Die 1984 gegründeten Jazz- und Rockschulen (JRS) und die Freie Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg (FHF), die 1986 aus der Taufe gehoben wurde, gründen gemeinsam die neue Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik. Was man dort bald studieren kann:



Seit langem kooperieren die JRS und die FHF bereits bei künstlerischen Projekten. Mitte September soll der Lehrbetrieb der KDM – so der abgekürzte Name – mit dem Studiengang Rock/Pop und Jazz losgehen, im Oktober folgen Bildende Kunst und Integrierte Gestaltung. Zurzeit sind fünf Professuren ausgeschrieben.


Der Aufbau der neuen Hochschule ist bereits weit fortgeschritten: Im Januar war zwei Wochen lang eine Gutachterkommission des Wissenschaftsrats in beiden Einrichtungen, um die neuen Partner und ihr neues Konzept unter die Lupe zu nehmen. Im Juni wird der Wissenschaftsrat dann über den Akkreditierungsantrag beraten.

Sollte die Empfehlung des unabhängigen Gremiums – was Voraussetzung für den Hochschulstatus und wovon derzeit auszugehen ist – positiv ausfallen, wird die neue KDM im September vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium die staatliche Anerkennung erhaltens. Das Verfahren laufe, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums. Starten will die KDM, die den Status einer Fachhochschule haben wird, mit 80 Studenten in den drei achtsemestrigen Bachelor-Studiengängen Bildende Kunst/Freie Malerei/Grafik, Integrierte Gestaltung und Rock/Pop und Jazz. Ein interdisziplinärer Bereich soll entwickelt werden. Voraussetzung für ein Studium ist die allgemeine oder die Fachhochschulreife, zudem müssen Interessenten eine Aufnahmeprüfung ablegen. Geplant ist bis 2015 ein Ausbau auf 315 Studenten pro Jahr.    

Internationale Zusammenarbeit

Mit der Fusion sind die beiden Partner in der Lage, international anerkannte Hochschulabschlüsse anbieten zu können, zunächst den Bachelor, in einigen Jahren ist auch der Master geplant. Bislang ist am International Music College Freiburg (IMCF) der Jazz- und Rockschulen eine staatlich anerkannte Ausbildung (was kein Studium ist) zum Berufsmusiker möglich, daran anschließen kann man einen Bachelor an einem der beiden JRS-Partnereinrichtungen, dem renommierten Berklee College of Music in Boston oder dem Newpark Music Centre in Dublin. Allerdings, sagt Geschäftsführer Reinhard Stephan, hätten bislang nur sehr wenige der 100 Freiburger IMCF-Schüler dieses Angebot genutzt.

Die Freie Hochschule (derzeit 200 Studenten) mit den Studiengängen Screen- und Webdesign, Grafik-Design und Bildende Kunst war bislang nur vom Namen her eine Hochschule, ist staatlich nicht anerkannt und kann keinen Diplomabschluss anbieten. "Ein internationaler Abschluss ist für viele Studenten heute jedoch ein Entscheidungskriterium bei der Hochschulwahl", räumt Johannes Gröger, Vorsitzender des FHF-Trägervereins, ein. Und Reinhard Stephan ergänzt: "Je mehr sich der Bachelor international als Standard durchsetzt, desto mehr geraten wir in einen Wettbewerbsnachteil." Und: Neben einem international anerkannten Abschluss spiele auch die staatliche Anerkennung für Studierende bei der Auswahl der Hochschule eine wichtige Rolle.



Höhere Studiengebühren

Finanzieren wird sich die neue Hochschule überwiegend aus Studiengebühren; monatlich zwischen 450 und 500 Euro muss jeder Student zahlen, alle drei Studiengänge werden Bafög-gefördert. Die neuen Gebühren sind im Schnitt etwas höher als die derzeitigen an der Freien Hochschule (385 Euro) und dem International Music College (zwischen 425 und 535 Euro), wo es die dreijährige Ausbildung zum Berufsmusiker ebenso weiter geben wird wie das Unterrichtsangebot für Hobbymusiker, da die Jazz- und Rockschulen als eigene Einrichtung weiter bestehen werden.

Die Freie Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst hingegen wird in der KDM aufgehen, die jetzigen Ausbildungsangebote laufen nach einer dreijährigen Übergangszeit aus. Außer durch Gebühren finanziert sich die neue Hochschule über eine Landesförderung, die jährlich bei 1400 Euro pro Bachelorstudent liegt.

Räumlich wird alles beim Alten bleiben: Die KDM wird auf die bestehenden Standorte in der Haslacher Straße 15 (FHF), der Haslacher Straße 43 und dem E-Werk (beides JRS) verteilt. Allerdings bestehe die Möglichkeit, bei Bedarf das Gebäude der Freien Hochschule zu erweitern, sagt Gröger. Entlassungen wird es durch die Fusion keine geben, vielmehr soll das Personal wachsen. An der neuen Hochschule sollen zunächst 40 bis 50 Lehrkräfte arbeiten, inklusive der Verwaltung rund 70 Angestellte. Wer Rektor wird, dazu wollen sich Stephan und Gröger noch nicht äußern.  

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  [Bilder: Michael Bamberger]