Neue Hinweise im Fall des getöteten Jungen in Freiburg - Trauermarsch am Samstag geplant

Simone Höhl

Im Fall des getöteten Freiburger Jungen geht die Sonderkommission inzwischen über 80 Hinweisen nach. Ein Hinweis interessiert die Ermittler dabei besonders: Eine Zeugin hat in der Beurbarung, wo der Achtjährige verschwand, Schreie gehört.


Der acht Jahre alte Junge war am Sonntag zwischen 18 und 18.30 Uhr zuletzt mit seinem Fußball auf einem Spielplatz hinter der Konradskirche am Rennweg im Freiburger Stadtteil Brühl-Beurbarung gesehen worden. Seine Eltern meldeten ihn als vermisst, die Polizei startete eine Suchaktion. Am Montagmorgen fand ein Spaziergänger den Jungen tot im Mühlbach in Freiburg-Betzenhausen. Er wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Eine Soko der Kriminalpolizei mit 50 Beamten ermittelt, befragt Nachbarn und sucht Zeugen. Vom Täter gibt es bislang keine Spur.


Schreie und Reifenquietschen

Bis Mittwoch sind mehr als 80 Hinweise bei der Soko eingegangen, die die Ermittler nun auswerten und überprüfen. Einer davon könnte besonders relevant sein: Der Polizei zufolge hat eine Anwohnerin im Bereich des Rennwegs am Sonntag gegen 18.30 Uhr drei laute Schreie gehört. Sie konnte nicht sagen, ob es ein Kind oder ein Erwachsener war, sagte Polizeisprecherin Laura Riske.

Aber die Zeugin erinnert sich, dass daraufhin ein Roller hochtourig in den Rennweg gefahren ist und Reifen eines Autos quietschten – möglicherweise weil der Autofahrer eine Kollision vermeiden wollte. "Es kann alles heißen, muss es aber nicht", erklärte Laura Riske. "Dieser Hinweis ist auf jeden Fall zeitlich und räumlich so passend, dass wir noch mal nachhaken wollen."

Die Polizei sucht Zeugen – die Fahrer des Autos und des Rollers, oder Leute, die Hinweise auf sie geben können. Überhaupt sucht sie weitere Zeugen, die den Jungen nach Sonntag, 18 Uhr, oder etwas Ungewöhnliches gesehen haben. Und den Fußball des Jungen. "Den suchen wir auch", sagte Laura Riske. Denn auch der Ball oder die Stelle, an der ihn möglicherweise schon jemand gefunden hat, könnte den Ermittlern einen wichtigen Hinweis liefern. Um ein Foto von dem Fußball zeigen zu können, kaufte die Soko das selbe Modell nach. Der Junge hatte einen weißen Ball mit schwarz-rot-goldener Applikation und blauem O2-Symbol (siehe Bild unten).



Wie der Junge getötet wurde, behält die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen weiter für sich. Konkrete Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch gibt es nach Angaben der Soko nicht, sie kann es aber auch nicht ausschließen. Die Ermittler haben noch nicht herausgefunden, wann und wo der Junge getötet wurde.

Trauermarsch geplant

Derweil wächst in der Stadt das Bedürfnis der Menschen, ihre Anteilnahme zu zeigen. Ein Trauermarsch für den toten Jungen ist für Samstag, 26. Juli, im Seepark angemeldet. Der Zug mit Kerzen ist als ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und gegen Gewalt gedacht. Er startet um 16 Uhr am Betzenhauser Torplatz und führt zur Liegewiese am Bürgerhaus Seepark. Die Veranstaltung ist bis 18 Uhr geplant. Auf einen Facebook-Aufruf hin gab es am Mittwochmittag bereits 1000 Zusagen.  

Die Polizei bittet um Mithilfe

Bürger, die Beobachtungen gemacht haben, sind dazu aufgerufen, sich zu melden. Die Polizei sucht Menschen, die den Jungen am Sonntagnachmittag oder später gesehen haben, oder die am Spielplatz oder im Bereich der Kleingärten in der Nähe der Bissierstraße etwas Verdächtiges beobachtet haben. Wer regelmäßig den Spielplatz besucht, soll sich auf jeden Fall bei der Polizei melden.

Zum Zeitpunkt seines Verschwindens trug der schlanke, 1,40 Meter große Junge mit kurzen, dunklen Haaren ein graues Kapuzenshirt mit Affenaufdruck und Innenfutter in Neongrün, dunkle Jeans und schwarze Fila-Turnschuhe mit grünem Neonstreifen. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0761/ 882-2480 rund um die Uhr entgegen.

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[Bilder: Polizei Freiburg]