Eishockey in Freiburg

Neue Gesichter, neue Infrastruktur: Beim EHC wird angepackt

Benjamin Resetz

Ein neuer VIP-Raum, eine neue Videoleinwand und neue Gesichter im Vermarktungsteam: Der EHC Freiburg rüstet auf – sportlich, medial und wirtschaftlich.

Beim EHC Freiburg bewegt sich was – und das nicht nur auf dem Eis, das die Wölfe inzwischen wieder bevölkern. Auch im Hintergrund stehen die Weichen auf Veränderung, denn im Sommer hat sich an der Ensisheimer Straße einiges getan, um professionellere und gefestigte Strukturen zu schaffen. Ein neuer VIP-Raum und eine Videoleinwand in der Halle sind für Außenstehende die offensichtlichsten Neuerungen. Die größten Veränderungen gibt es jedoch hinter den Kulissen.


Michael Müller ist Geschäftsmann und weiß, wie man einen Betrieb wirtschaftlich solide führt. Seine Firma, ein Freiburger Elektro- und Immobilienunternehmen, könnte da als Vorbild für den mit viel Eigeninitiative und ehrenamtlicher Arbeit geführten Eishockey-Zweitligisten aus dem Breisgau dienen. Denn nicht immer wurden die Strukturen des Aufsteigers von 2015 dem gerecht, was in der zweithöchsten deutschen Spielklasse Usus ist, gerade im finanziellen Bereich.

"Wir sind Unternehmer – und so soll künftig auch der Verein geführt werden" Michael Müller
Nach dem Ende der zurückliegenden Saison, als die Wölfe mit Müh und Not den Verbleib in der DEL 2 schafften, machte sich das neue Team, gemeinsam mit Vereinsvorstand Werner Karlin, an die Arbeit, den EHC Freiburg auch wirtschaftlich auf Zweitliga-Niveau zu hieven. Die neue Schatzmeisterin Martina Müller, von Beruf Steuerberaterin, übernahm das finanzielle Ruder bei den Wölfen und machte sich sofort ans Werk. Mit im Boot: Ehemann Michael und der ehemalige Eishockeyprofi David Bartholomä, die sich künftig um Vermarktung und Sponsoring beim EHC kümmern.

Gemeinsam betreibt das Trio, in enger Absprache mit Vorstand und Abteilungsleitern, eine "Grundsanierung des Vereins", wie Müller betont. "Wir sind Unternehmer – und so soll künftig auch der Verein geführt werden", gibt er die Marschroute vor. "Wir wollen uns so aufstellen, dass wir später einmal mit gutem Gefühl in die zweite Reihe treten könnten und die Struktur sich selbst weiterträgt."

Neue Sponsoren gefunden

Innerhalb nur weniger Wochen habe es die neue Schatzmeisterin geschafft, "eine grundsolide Finanzplanung für die kommende Saison zu erarbeiten, die von der Ligengesellschaft im Rahmen der Lizenzierung auf Anhieb bestätigt wurde", stellt Müller zufrieden fest. Kurzum: Die Lizenzvergabe erfolgte ohne Beanstandungen seitens der Liga. "Wir mussten nicht einmal, wie früher, Nachbesserungen vornehmen."

Um die DEL-2-Lizenz zu erhalten, müssen Vereine ausreichende finanzielle Mittel vorweisen und eine Bürgschaft hinterlegen. Neue Sponsoren wurden gefunden, bisherige Verträge weitergeführt und alte Unterstützer reaktiviert. Das Volumen der finanziellen Zuwendungen wurde erhöht, bestätigen Müller und Bartholomä. Genaue Zahlen wolle man, wie schon in der Vergangenheit, nicht nennen. Auch in dieser Spielzeit befinde man sich im unteren Tabellendrittel der DEL 2, sei aber deutlich besser aufgestellt, als in den zurückliegenden Jahren.

"Wir wollen ein Zeichen am Markt setzten, dass der EHC noch lebt und vielleicht sogar dort hinkommt, wo er einmal war" Michael Müller
Und auch abseits der Finanzen: Seit März bleibt kaum ein Stein auf dem anderen an der Ensisheimer Straße. Zahlreiche bauliche und organisatorische Maßnahmen sind in vollem Gange. "Wir wollen ein Zeichen am Markt setzten, dass der EHC noch lebt und vielleicht sogar dort hinkommt, wo er einmal war," so Müller. "Man kann nur respektiert werden, wenn man sich selber respektiert. Demut ist angebracht, aber mit gesenktem Haupt brauchen wir uns nicht präsentieren."

Die Besucher werden jedenfalls manche Neuerung feststellen. Die offensichtlichste: eine riesige LED-Videoleinwand, die an der Südwand der Franz-Siegel-Halle installiert wurde. Die 100 000 Euro teure Bildwand wurde komplett von Sponsoren bezahlt. Das Budget des EHC blieb unangetastet. "Wir erhoffen uns davon einen großen Mehrwert für alle Fans und Stadionbesucher", sagt Michael Müller. Dabei arbeite man eng mit dem Team des Livestream-Anbieters Sprade TV zusammen, der jedes Heimspiel des EHC im Netz überträgt. Während des Spiels und der Spielunterbrechungen werde es auf der Leinwand Zeitlupen zu sehen geben.



Die Geschäftsstelle und der VIP-Raum der Franz-Siegel-Halle werden darüber hinaus komplett umgebaut, neu möbliert und mit moderner Technik ausgestattet. Im Stadion wurden unter anderem die Kabinen erneuert. Müller und Bartholomä ist ferner wichtig, dass sich die Investitionen nicht nur auf die Profimannschaft des EHC beschränken. 500 Paar neue Schlittschuhe wurden für den Publikumslauf angeschafft, ebenso für die Laufschule des Vereins, dem Erstkontakt von Kindern mit dem Eislaufen – wieder wurde das Budget dabei nicht angerührt, sondern Sponsoren kamen für die Investition auf. Tatsächlich werde die Eishalle nur zu 15 Prozent von der ersten Mannschaft genutzt, erklärt Bartholomä. 85 Prozent der Eiszeit seien dem Breitensport und dem Nachwuchs vorbehalten. Rund 150.000 Menschen besuchen pro Jahr die Eishalle – davon 80.000 beim Publikumslauf.

"Es ist die Eishalle der Stadt, nicht nur die des EHC", sagt David Bartholomä. Müller ergänzt: "Die Eisfläche wird sieben Tage in der Woche von 8 bis 22.30 Uhr voll genutzt. Wir platzten aus allen Nähten. Leider wurde uns eine zweite Eisfläche erst jüngst verwehrt." Es bedürfe nun der Hilfe von Politik und Stadt, den Bau einer neuen Eishalle voranzutreiben. Verein, Verantwortliche, Mitglieder und Fans seien bereit, zu unterstützen, wo es gehe. "Denn das Eisstadion ist ein gesellschaftlicher Mehrwert für die Menschen", findet Müller. Ein neues Stadion wird vor 2024 allerdings nicht diskutiert, heißt es aus dem Rathaus. So werde derzeit in die Infrastruktur des bestehenden Stadions investiert. Sportlich peile man einen einstelligen Tabellenplatz an, so David Bartholomä. "Das ist unser Ziel, dafür geben alle im Verein alles – von den Eismeistern bis zur ersten Mannschaft."