Neue Gema-Gebührenordnung: "Viele Diskos würden nicht überleben"

Joachim Röderer

Die Angst geht um in Freiburgs Nachtgastronomie: Die Gema, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, will ihre Tarifstruktur verändern, was Diskotheken jährliche Gebührenerhöhungen von 500 bis 1000 Prozent brächte.

"Wenn das so kommt, werden es viele Betriebe nicht mehr schaffen", sagt Alexander Hangleiter, Justiziar beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Freiburg. Sollte die Gema an ihren Plänen festhalten, will der Dehoga klagen.


Die elf bisherigen Gebührenstufen will die Gema künftig in zwei Stufen zusammenfassen. Vieles soll einfacher und billiger werden, etwa kleine Feste und kleine Tanzveranstaltungen, argumentiert die Gema.

Doch bei den Diskotheken ergäben sich Gebühren. "Bei denen ist jedes Augenmaß verloren gegangen", empört sich Dehoga-Jurist Hangleiter. Er rechnet vor: Eine mittelgroße Disco mit zwei je 410 und 310 Quadratmetern großen Tanzflächen und 8 Euro Eintritt müsste statt heute 21 553 Euro künftig 147 916 Euro zahlen. "Eine Steigerung von 686 Prozent, unglaublich", so Hangleiter. Diese Summe könnten die Betreiber nicht verdienen, schon gar nicht in Freiburg, wo die Mieten und Nebenkosten besonders hoch seien.

Peter Bitsch, Geschäftsführer des "Kagan" im Bahnhofsturm, ist ebenfalls fassungslos: Für seinen Club würde sich künftig wohl eine drei Mal so hohe Gema-Gebühr ergeben, hat er ausgerechnet. Bitsch hofft, dass die Gema-Idee wieder kassiert wird, zumal die Rechnung überhaupt nicht nachvollziehbar sei. Kämen die Gebühren aber doch, müsste man sich Gegenmaßnahmen überlegen, etwa Bereiche abzusperren, um Fläche wegzunehmen. Und die Getränkepreise würden steigen. Daran denken will der "Kagan"-Chef noch nicht, zu absurd erscheint ihm die Forderung der Gema. "Alle kalkulieren doch heute schon knapp, niemand verdient sich mehr eine goldene Nase."

Frank Joos, Geschäftsführer des "Agar" in der Löwenstraße, hat noch gar nicht nachgerechnet, was ihn zukommen könnte. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Politik so etwas zulassen würde", meint er zum Gema-Plan.

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[Foto: Carolin Buchheim]