Neue Fälle: Pferdeschänder hat sogar schon 14 Mal zugeschlagen

Joachim Röderer

Die Serie von Pferdeschändungen in der Region Freiburg hat größere Ausmaße als bislang bekannt. Die Polizei hat jetzt Informationen der Badischen Zeitung bestätigt, wonach in 14 Fällen ermittelt wird – und nicht nur in acht. Derweil ist klar: Der zuletzt gestellte verdächtige Mann kommt als Täter für die Ermittler definitiv nicht in Frage.



Die Polizei hielt aus taktischen Gründen Informationen zu mehreren Übergriffen des Täters zurück. Die ohnehin brisante Serie gewinnt durch die jetzt bekannt gewordenen weiteren sechs sadistischen Attacken auf Pferdestuten zusätzliche Dramatik. Unter den Pferdebesitzern in der Region herrschen ohnehin schon längst Angst und größte Unruhe. Viele Reitställe halten nachts Stallwache oder engagieren Sicherheitsdienste. Doch mit den neuen Fällen wird klar: Der Täter hat auch schon drei Mal am helllichten Tag zugeschlagen – oder es zumindest versucht. Die Polizei geht weiter davon aus, dass es sich um einen einzigen Täter handelt, "Aber wir können auch nicht mehr ausschließen, dass es Trittbrettfahrer gibt", sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Spuren gibt es nur wenige. Der Täter müsse aber ein Pferdekenner sein, glauben die Ermittler.


Anfang der vergangenen Woche sah alles danach aus, als hätte die Polizei die richtige Spur gefunden. Ein verdächtiger Mann konnte von Stallwachen und vier Polizeistreifen am frühen Morgen gestellt werden, beim Baldenwegerhof im Wittental bei Stegen, wo 20 Pferde stehen. Der Mann hatte ein Tapeziermesser, eine Salatgurke und Nivea-Creme im Auto. Auf den ersten Blick schien alles zu passen. Die Polizei untersuchte die Utensilien, das Ergebnis liegt mittlerweile vor: keine Auffälligkeiten. Der Verdächtige konnte laut Polizei auch ein wasserdichtes Alibi für die Pferdeschänder-Fälle vorlegen. Der 49-Jährige ist damit entlastet.

Karte: Hier schlug der unbekannte Täter bisher zu


Größere Karte: Fälle von Pferdeschändung

Die Suche geht also weiter. Die Polizei spürt den Druck: "Der Fall steht ganz oben auf unserer Agenda", sagt Polizeisprecher Schmid. Die Ermittlungsgruppe arbeite akribisch, suche auch den Kontakt zu anderen Polizeidirektionen in Gegenden, in denen es ähnliche Fälle registriert worden sind. Vor drei Jahren hat es solche Fälle auch schon im Raum Freiburg gegeben. Der Täter, ein Elsässer, wurde damals ermittelt und gefasst. Er komme für die aktuelle Serie nicht in Frage, erklärt die Polizei.

Die Serie der Angriffe auf Pferde hat schon knapp zwei Wochen früher begonnen als bislang bekannt war. Die Polizei bestätigte, dass ein Unbekannter bereits am 2. August einem Pferd auf einer Koppel bei Vörstetten die Hinterhand zusammengebunden hatte. Der Täter wurde aber durch einen vorbeikommenden Radfahrer gestört, dem Pferd passierte nichts. Die Besitzer verlegten die Stute daraufhin auf einen Hof bei Hugstetten in der March. Dort ist dann – und das kann kaum Zufall sein – dasselbe Tier Anfang Oktober von dem Unbekannten attackiert und verletzt worden. Die Besitzer hatten zunächst Blut auf der Koppel entdeckt und dann das gequälte Pferd. In Hugstetten schlug der Täter seit jenem 9. Oktober gleich drei Mal zu. Die Polizei bestätigte zudem einen Fall von Pferdeschändung am 26.September auf einem Hof bei Opfingen.

Die längste Pause zwischen zwei Attacken dauerte 13 Tage

Mit den jetzt bekannt gewordenen neuen Taten erfährt nun auch die Öffentlichkeit, in welch kurzen Zeitabständen der Unbekannte Ställe und Koppeln aufsucht. Die längste Pause zwischen zwei Attacken währte 13 Tage. Zwischen dem 12. und 16. Oktober wiederum zählten die Ermittler drei Fälle – zweimal in Hugstetten, dazwischen lag der Fall in Staufen. Dort hatte der Täter ein reinrassiges Portbread Shetlandpony schwer verletzt.

Und am 9. Oktober war der Täter zweimal unterwegs: zunächst in Hugstetten, später am Abend dann beim Pferdestall des Abenteuerspielplatzes in Weingarten. Der Täter hat mit dem Pferd gesprochen und ihm – man hörte eine Tüte rascheln – wohl auch Futter gegeben. Wächter, die sich verstreckt hatten, alarmierten die Polizei, die rückte mit einem Großaufgebot inklusive Hundestaffel an. Die Fahndung brachte keinen Erfolg. Das Phantom war wie vom Erdboden verschwunden.

Betroffene Pferde sind traumatisiert

Der Serie zerrt an den Nerven vieler Pferdebesitzer. Stallgemeinschaften haben sich sogar Nachtsichtgeräte besorgt. "Ich hatte bei meiner Schicht keine Angst, nur Wut. Ich habe mir gesagt: Er soll jetzt kommen", erzählt eine Pferdebesitzerin. Sie kennt auch die Eigentümerin eines der vom Täter schwer verletzten Tiere. Das Pferd sei traumatisiert, genauso gedemütigt wie ein Mensch: "Das Pony will nicht mehr in seinen Stall gehen, den Ort des Geschehens", berichtet sie.

Der Täter habe, so die Frau, offenbar gute Ortskenntnisse und wisse genau, wo Pferde stehen. Es seien sehr abgelegene Ställe dabei gewesen, zu denen man nicht ohne Weiteres finde, sagt die Pferdebesitzerin. Und: Noch steht um viele Koppeln der Mais hoch auf den Feldern. Ein ideales Versteck.

Die Polizei sucht Zeugen

Hinweise an die Kriminalpolizei, 0761.882-4884 (rund um die Uhr), die Ermittlungsgruppe "Koppel" 0761.882-4705 oder das anonyme Telefon 0761.41262.

§17 TierSchG

Sollte der Pferdequäler gefasst werden, droht ihm einer Verurteilung nach Paragraph 17, Tierschutzgesetz. Dort steht:

"Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet, oder
2. einem Wirbeltier
a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden, oder
b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt."

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  [Bild: Michael Bamberger]