NDW-Show: Nur was für die Fans von damals

Sarah Kärcher

Gestern Abend gab es im Konzerthaus eine Revue mit Hits der Neuen Deutschen Welle, die Anfang der 1980er Jahre aufschwappte. Für die Fans von damals sicherlich eine gelungene Gedächtnisparty. Aber kann man mit sowas auch 17-Jährige begeistern? Sarah berichtet.



Obwohl ich im Jahr 1991 geboren bin, kann ich mit dem Begriff "Neue Deutsche Welle" etwas anfangen. Gegen Ende jeder Durchschnittsparty werden Hits wie „99 Luftballons“ von Nena oder Goldener Reiter von Joachim Witt gespielt, um Stimmung zu machen. Was auch meistens klappt. Die Texte sind einfach und man kann sie sich gut merken. Die Melodie lädt zum Tanzen ein und wenn man dabei rhythmisch in die Hände klatscht, ist das nicht weiter verkehrt.


Trotzdem –oder gerade deshalb- habe ich noch nie daran gedacht, einen ganzen Abend lang nur diese Art von Musik hören. Aber gestern wollte ich dieses Angebot dann doch einmal wahrnehmen. Ohne klar umrissene Erwartungen ging ich ins Konzerthaus, um die ultimative NDW-Show: Ich will Spaß anzusehen.



Die anderen Besucher: meistenteils schrill angezogen, irgendwie bunt und schimmernd, laut, in Partystimmung und um die 40 Jahre alt. Also die Leute, die zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle jung waren. Aber auch normal angezogene Leute, die im Eingangsbereich herumstehen und warten. Doch verblüffend, schließlich habe ich mit Menschen gerechnet, die hier nochmal ihre Jugend feiern wollen.



Die Show beginnt mit ihrem Motto „Ich will Spaß“. Es soll wohl jeder gleich wissen, um was es hier geht. Sollte das Lied nicht besser irgendwann in der Mitte kommen, als kleiner Höhepunkt, wenn schon genug Stimmung da ist? So fühlt man sich etwas überrumpelt und schaut stumm aufs spaßige Geschehen.

Vier junge Frauen erscheinen knapp bekleidet auf der Bühne auf und tanzen als Polizistinnen um den Sänger Markus herum. Beeindruckend ist das nicht gerade und auch, als die Tänzerinnen sich im Laufe der Veranstaltung mehrmals umziehen, ändert das nichts an ihrer Überflüssigkeit.



Nach dem fünften Lied etwa kommt dann doch Stimmung auf und alle klatschen begeistert mit. Ich lasse mich mitreißen und fange an, das alles irgendwie lustig zu finden. Die Leute, die Lieder, das alles erinnerte an Fasnacht und Fasnetspartys. Allerdings sitzt man da nicht rum und hört einfach nur der Musik zu! Insofern ist es eine angenehme Abwechslung, als ein Fan plötzlich die Bühne betritt und stolz sein selbstgemachtes T-Shirt herzeigt, bedruckt mit Originalbildern von 1983.

Begeistertes Pausenfazit: „Das ist ja wirklich supergeil!“, zwei verkleidete Besucher sagen: „Wir sind für die neue deutsche Welle!“



Auch der Fan mit dem selbstgemachten T-Shirt hält sich im Foyer auf. Er weist hin auf die Hinterseite des Hemds mit einem Aufdruck der Original-Eintrittskarte von Levi's-Rockfestival 1983. Der Träger und sein Freund Marc schwärmen von damals: „Das war einfach eine tolle Zeit! Alles war Deutsch und dadurch hat es jeder verstanden. Die Texte waren einfach und man konnte sie mitgrölen, nachdem man sie einmal gehört hatte. Es war auch egal, dass die meisten Texte keinen Sinn ergaben, dann musste man nicht darüber nachdenken!“ Doch auch Matze und Marc hatten sich mehr Stimmung unter den Besuchern erhofft. „Wir dachten nicht, dass es hier so steif ist.“



Nach der Pause geht die Show mit vielen Requisiten und häufigem Kostümwechsel weiter. Ich, der ich die NDW-Zeit nicht aktiv miterlebt habe, werde müde. Während die anderen Besucher erfreut aufstehen und klatschen, hoffe ich darauf, dass die Sänger zum Ende kommen. Leider dauert das bis 23 Uhr.



Es ist bestimmt einfacher, sich für diese Musik zu begeistern, wenn man sie mit seiner Jugend in Verbindung bringt und damit auch bestimmte Erlebnisse assoziiert. Beim Rausgehen höre ich nur positive Kommentare: „Das war ja echt super!“, „Wirklich gut!“ und so weiter. Doch für Leute wie mich, die diese Lieder höchstens mal auf einer Feier hören und ansonsten nicht viel damit anfangen können, ist ein ganzer Abend mit der Neuen Deutschen Welle eine echte Zumutung.