Nas beim ZMF: Ein großer Rap-Gottesdienst

Manuel Lorenz & Florian Forsbach

Irgendwie unwirklich kam es fudder-Redakteur Manuel Lorenz vor, als er gestern Abend im ZMF-Zirkuszelt zum ersten Mal jener New Yorker Rap-Legende gegenüber stand, die er seit fast 20 Jahren kennt. Wie's war:



Je weiter ich in meinem Notizblock nach hinten blättere, desto schwerer fällt es mir, meine Handschrift zu entziffern. Das liegt nicht nur daran, dass ich mittlerweile fünf Bier auf nüchternen Magen intus habe, sondern auch daran, dass ich mich im Konzert verloren und keine Lust mehr habe, akkurat Rapport zu erstatten. Ich mach's lieber wie alle anderen um mich herum: Ich schwelge in Erinnerungen, rappe die Lines mit, die ich noch weiß, hebe meine Hand in die Luft, bounce - wie man so sagt - und bin noch mal 15.

Damals, Mitte der 90er, war Jan der erste von uns, der zwei Plattenspieler hatte. Er konnte damit nicht wirklich umgehen, da half auch nicht, dass er Hosen von Dickies trug und sein Phoenix-Suns-Cap schief aufsetzte. Jan, stand immer mehr so auf den Ami-Shit, während Jacob und ich immer mehr so den deutschen Scheiß hochhielten.

Die Wände von Jans Jugendzimmer in Berlin-Steglitz waren mit Charles-Barkley-Postern tapeziert, in einer Kiste auf dem Boden standen seinen Hiphop-Platten: "The Chronic" von Dr. Dre, "Doggystyle" von Snoop Doggy Dogg - und "Illmatic" von Nas. Auf unserer Klassenfahrt nach Wusterwitz spielten wir tagsüber Basketball und machten abends im Keller des Landschulheims Party. Mit dabei: "I Got 5 On It" von Luniz, "Regulate" von Warren G - und "If I Ruled the World" von Nas und Lauryn Hill.

Ganz Hiphop-Freiburg ist gekommen

Danach habe ich Nas aus den Augen verloren, und ihn jetzt, nach fast 20 Jahren, wiederzusehen - und dann auch noch leibhaftig -, fühlt sich irgendwie unwirklich an. Der Typ, der auf der Bühne des ZMF-Zirkuszelts steht, könnte auch ein Nas-Double sein - ein Impersonator, wie es ihn von Elvis zuhauf gibt. Vielleicht würde er die Songs nicht ganz so lupenrein performen wie das Orginal. Vielleicht würde er nicht ganz so lässig in den Knien hängen, die schwarze Hose, das schwarze T-Shirt, das schwarze Basecap, die schwarze Sonnenbrille, das goldene Bling-Bling nicht ganz so selbstverständlich tragen, wie es "der Nas" - wie Festivalmacher Alexander Heisler ihn angekündigt hat - tut.

Ganz Hiphop-Freiburg ist gekommen, um ihm zu huldigen: Sprayer wie Beat und Zoolo, Rapper wie Prisma und Waldo The Funk. Ein großer Rap-Gottesdienst steht bevor - dazu passt die Kanzel, die auf der Bühne aufgebaut ist und die in großen, leuchtenden Lettern den altbekannten Nas-Schriftzug trägt: großes N, kleines a, aus dem wiederum ein großes S ersteht.



Sarah sagt: Ich habe die vergangenen zwei Wochen von morgens bis abends auschließlich ihn gehört.

Daniel sagt: Als ich ihn vergangenes Jahr auf dem Openair Frauenfeld gesehen habe, hat er einen Bassisten mit Dreadlocks dabei gehabt, der die ganze Zeit auf der Bühne herumgesprungen ist.

Clemens sagt: Eigentlich müsste es ja "Nasty NSA" heißen, zur Zeit.

David sagt: Er spielt eigentlich immer Dasselbe, und die Setlist findet man online.

Phil sagt: Im April in Berlin hat er das halbe "Illmatic"-Album performt.

Extrem viel Energie

Und surprise, surprise: Er, also Nas, spielt tatsächlich das, was er sonst auch immer spielt. Er stellt sein neues Album "Life Is Good" vor, rekapituliert das halbe "Illmatic"-Album, das halbe "It Was Written" und so weiter und so fort. Und auch wenn er sein Programm ziemlich routiniert abspult, manche Klassiker allzu schnell abfrühstückt, legt er sich mächtig ins Zeug, pumpt extrem viel Energie ins Publikum, ruft "Germany" - wie er Freiburg nennt - dazu auf, seine Hände in die Luft zu werfen, verkündet Durchhalteparolen wie "Keep on doin' your thing" und wünscht allen Anwesenden "Peace and Love".

Am Ende scheine ich mir doch noch ein paar Notizen gemacht zu haben. Auf der letzten beschriebenen Seite meines Blocks stehen in Krakelschrift acht Wörter: Keine Zugabe Alle buhen Neben mir dritter Spliff.



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