Nacktfotos für den Chef

Gina Kutkat

Es war eine Überraschung für den Vertriebsleiter eines Discount-Supermarkts: In seinem Briefkasten fand er Nacktfotos seiner Angestellten Annika S. (alle Namen geändert). Deren erboster Ex-Partner, der 32-jährige Felix P. hatte sie dort hineingeworfen. Wegen dieser und acht weiterer Straftaten, die Felix P. am Ende der Beziehung verübt haben soll, war gegen ihn ein Strafbefehl ergangen, gegen den er Einspruch eingelegt hatte. Gestern Mittag wurde vor dem Amtsgericht Freiburg verhandelt.



Der Tathergang

Felix P. und Annika S. leben zum Zeitpunkt der Taten, im Frühjahr und Sommer 2006, in einer Wohnung in Freiburg.
Ihre Beziehung ist turbulent: Nach einer verbalen Auseinandersetzung verriegelt Felix die Wohnung von Innen, nimmt die Schlüssel an sich und stößt seine damalige Lebensgefährtin durch die Wohnung, zerrt sie an den Haaren und würgt sie am Hals. Annika S. versucht, ins Badezimmer zu flüchten und die Tür hinter sich zu schließen, wird jedoch von dem Angeklagten eingeholt, der sie in die Badewanne schubst. Dabei schlägt sie mit dem Kopf auf den Badewannenrand und zieht sich eine Platzwunde zu.

Die Polizei wird alarmiert und kann das streitende Paar zur Ruhe bringen. Am nächsten Morgen verlässt Annika zusammen mit ihrem Hund die Wohnung, um ihre Verletzungen bei einem Arzt behandeln zu lassen. Der Angeklagte verfolgt sie, zerrt an der Hundeleine und gibt ihr mehrere Ohrfeigen. Eine Passantin droht die Polizei zu verständigen - Felix P. geht zurück in die Wohnung, Annika S. geht zu ihrem Arzt.

In der Wohnung angekommen verschafft sich der Angeklagte Zugriff auf die Verbindungsdaten des E-Mail-Programms von Annika S. und gibt eine Bestellung in ihrem Namen auf. Am selben Tag packt er Kleidungsstücke seiner Lebensgefährtin in gelbe Säcke, um sie aus der Wohnung zu schmeißen. Dabei zerschneidet er aus Wut einige ihrer Kleidungsstücke.

Er wirft private Aktfotos, die Annika S. in pornografischer Pose zeigen, in den Hauptbriefkasten ihres Arbeitgebers, einem Discount-Supermarkt. In dem Foto-Paket befindet sich ein Brief, in dem Felix P. seine Ex-Freundin vorwirft, sie nehme sexuellen Kontakt zu Firmenkunden auf und würde auch ihn sexuell belästigen. Einige Tage später steckt er dem Vertriebsleiter des Supermarkts weitere intime Bilder, auf denen Annika S. nackt zu sehen ist, zu.

Es folgen mehrere Faxe an den Arbeitgeber von Annika, in denen der Angeklagte seine Anschuldigungen wiederholt und sie zusätzlich des Mobbings bezichtigt. Außerdem hat der Angeklagte Annika S. noch mehrfach beleidigt.



Das Urteil

Der Richter weist den Angeklagten daraufhin, dass die Tat, welche die Aktfotos betrifft, bewiesen werden kann. Er rät Felix P. seinen Einspruch gegen den Strafbefehl abzulegen. "Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie hier den ganzen Mittag verhandeln wollen, nich, gell? Ob die anderen Anklagepunkte nun stimmen oder nicht, die Sache mit den Aktfotos kann für sie böse ausgehen, nich, gell? Entweder gehen Sie hier als strahlender Sieger hinaus, oder Sie werden ganz traurig sein."

Körperverletzung und Sachbeschädigung fallen, in den Augen des Richters, unter den Punkt "Häusliche Gewalt" und sind schwer zu beweisen. Der Angeklagte verlässt mit seinem Anwalt und seiner neuen Partnerin, mit der er verlobt ist, den Gerichtssaal, um sich mit ihnen zu besprechen. Kurze Zeit später kehrt er zurück: Felix P. zieht seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Er wird die geforderten Tagessätze zahlen.

Kurioses

Der Richter fordert den Angeklagten auf, seinen Lebenslauf in Kurzform wiederzugeben. Felix P. erzählt von einer angefangenen Lehre, die er nach anderthalb Jahren aufgab. Der Grund:

"Es gibt diesen Beruf in der Bundesrepublik Deutschland nicht".
Der Richter hakt nach: "Um welchen Beruf handelte es sich denn dabei?"
"Es hatte was mit Schlosserei zu tun."