Nackte Tatsachen: 5 Antworten von Oliver Rath

Anna-Lena Zehendner

Vor rund einem Jahr ist Oliver Rath nach Berlin gezogen. Er hatte keine Lust mehr als DJ Al Kapone jedes Wochenende "den selben Scheiß" aufzulegen. Stattdessen wollte er fotografieren. Mittlerweile ist er ein gefragter Fotograf. Seine Bilder sind provokant; sie zeigen Sex, Drogen und jede Menge nackte Haut. Am Samstag wird er einige seiner Bilder in Freiburg, in der Galerie Springmann, ausstellen

 

Oli, was hast du bisher in Berlin erlebt?

Oliver Rath: "Ich bin mit 2000 Euro nach Berlin gezogen - das sind also etwa Hartz IV Bedingungen, da wird man erstmal wach. Als die 2000 Euro weg waren, hatte ich bald genau so viel Schulden. Ich musste mich daher in Berlin anfangs richtig durchkämpfen. Arbeiten zu gehen hatte ich allerdings gar keinen Bock. Ich wollte einfach nur Fotos machen. Die erste Zeit habe ich alles über mein Blog gemacht und in Internetcafés gebloggt wie ein Schwein.

Irgendwann sind die Zahlen so hoch gegangen, dass die ersten Firmen von alleine auf mich zukamen und ich die ersten fetten Aufträge bekommen habe. Jetzt ist es okay und ich kann davon leben. Aber es war natürlich die Landung vom Süden, in eine derbe Hartz VI Region, wo man als Fotograf erstmal nur 'n Appel und 'n Ei verdient.

Der Anspruch ist in Berlin einfach fucking hoch, da die Leute hier kaum mehr etwas umhaut. Du musst extrem pumpen, damit die Berliner endlich mal sagen: "Ja, is' ganz nett". Du musst also verdammt gut sein, damit du ein positives Feedback bekommst. Das finde ich klasse."

Hast du im Bezug auf das Fotografieren Vorbilder?

"Ich habe damals in Freiburg ein ganz dickes Helmut Newton Buch gesehen. Ab dem Zeitpunkt habe ich, glaube ich, Fotografie erst verstanden. Ich habe monatelang in diesem Buch gelesen und in Videos gesehen, wie er gearbeitet hat. Natürlich habe ich auch andere Fotografen verfolgt, aber selbst ein Peter Lindbergh ist für mich ein Newton - allerdings ein schlechter.

Helmut Newton ist wie die Bibel und man findet seine kalte und für damals auch arrogante und krasse Interpretation in ganz vielen Bildern wieder. Ich kenne aktuell nichts Vergleichbares. Für mich ist dieses Buch die Bibel der Fotografie."

Jetzt kommst du mit deiner Fotografie wieder nach Freiburg. Suchst du damit auch die Bestätigung in der Hometown?

"Bestätigung gar nicht. Ich habe auch gar keine hohen Erwartungen und auf Komplimente steh' ich sowie so nicht. Nach Freiburg wäre ich gerne schon viel öfter gekommen, aber ich habe es leider überhaupt nicht geschafft. Berlin frisst einen regelrecht auf.

Die Ausstellung am Samstag sehe ich als Event. Ich will den freiburgern aber nicht zeigen "Schaut mal her". Das ist einfach eine tolle Galerie und eine tolle Stadt. Freiburg ist Hometown, da freue ich mich, wenn ich komme. Es ist ein bisschen wie Urlaub."



Auf deinen Fotos gibt es vor allem viele nackte Frauen. Was hast du für ein Verhältnis zur Nacktheit?

"Ich finde Nacktsein gut. Wir machen auch bald ein Nackt-Casting, bei dem ich wahrscheinlich die Leute selber nackt empfangen werde. Wir sind alle nackt geboren und ich finde das total geil. Beim Shooting geht mir dabei keiner ab, ich nehme das schon gar nicht mehr wahr. Ich brauche bei meinen Fotos einfach irgend einen Menschen und wenn keiner da ist, dann nehme ich eben mich. Das war neulich erst wieder der Fall.

Menschen immer mit Klamotten zu fotografieren fände ich langweilig, da fehlt mir der Kick. Wenn ich eine Frau nackt fotografiere, dann zeigt sie in meinen Augen Eier und sagt: "Hier bin ich, ich bin eine starke Frau." Das finde ich gut, denn es zeigt etwas Unverklemmtes. Ich finde Nacktheit aber auch bei Männern gut und mache gerade immer mehr Männer-Schwanz-Bilder für eine Ausstellung in Hamburg. Die wird ziemlich hart."

Wirst du auch in Freiburg fotografieren?

"Ich werde zwar noch ein Shoot machen und auch am Samstagabend in der Galerie fotografieren, worauf ich mich sehr freue. Ich muss aber auch sagen, die Models in Freiburg oder generell aus Dörfern - und in dem Fall ist Freiburg ein Dorf - mit denen kann ich nicht mehr viel anfangen. Man ist hier in Berlin einfach verwöhnt von den Models, die so freizügig sind und auf alles scheißen. Da merkt man doch ziemlich schnell, wenn man Freiburger Models hat, dass die erst auftauen müssen und sich viel zu viele Gedanken machen."



Rath jagt...im Wald

Quelle: Vimeo

[Alle Bilder: Oliver Rath]

Mehr dazu:

    Was: Oliver Rath Berlin Germany - Fotografie und Live Art
Wann: Samstag, 23. Juli 2011, 18-1 Uhr
Wo: Galerie Springmann, Schusterstrasse 25
Eintritt: frei
Danach:
ab 23 Uhr Aftershow Party mit Dimitri Dilanoi und Eisklates Händchen im Klub Kamikaze

Foto-Galerie: Oliver Rath

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.