Nachtmacher: Christopher Hackl von der Maria Bar und Hackls Zapfbar

Franziska Lorenz

Er ist gebürtiger Freiburger, war lange im Ausland – doch es hat ihn immer wieder in die Heimat gezogen. Christopher Hackl erzählt, wie er auf die Idee zur Zapfbar kam, und was er an seinem Job besonders mag.

Zu seiner Jeans trägt Christopher Hackl Hemd und Sakko, schon nach dem ersten Satz besteht er sofort auf das "Du". Als sich der 31-Jährige in die Lounge der Maria Bar setzt, zündet er eine Zigarette an, schlägt die Beine übereinander und legt seinen Arm auf der schwarzen Rückenlehne ab. Er wirkt sympathisch und lässig, eher der entspannte Typ Chef. Man merkt ihm die jahrelange Gastro-Erfahrung an: Getränke holt er sich, sein Geschirr räumt er fast wie nebenbei ab, als er aufsteht.


Mit 17 fing Christopher Hackl eine Ausbildung im Colombi Hotel an und arbeitete dort fünf Jahre lang. Dann zog es ihn für ein Jahr nach Australien, jedoch nicht, um Urlaub zu machen: Christopher arbeitete auch dort in der Gastro. Im Radisson Blu in Basel blieb er für zweieinhalb Jahre, für weitere zweieinhalb Jahre lebte der Gastronom in Frankfurt. Doch Freiburg hat er nie vergessen: "Mich hat es immer wieder hierher zurückgezogen. Es ist meine Heimat", sagt er.

Die Idee zur Zapfbar entstand in der Lounge der Maria Bar

"Genau in dieser Lounge kam mir die Idee zur Zapfbar", sagt Christopher und drückt seine Zigarette im Aschenbecher aus. Mit seinem Ex-Partner saß er vor dem Umbau der Maria Bar 2013 in der Lounge. Nach Feierabend und mit dem ein oder anderen Feierabendgetränk intus stellten sie Überlegungen an, was sie damit anfangen könnten.

"Wir dachten uns, wir bauen eine Stange ein, vielleicht tanzt dann mal jemand", erzählt Christopher. "Dann hat jemand im Suff gesagt: Und aus der Stange kommt Alkohol raus". Die Idee war geboren und lies ihn nicht mehr los, er entwickelte sie immer weiter und suchte nach Objekten. Nach einer Weile fand er das passende im Franziskanerkeller in der Merianstraße und setzte seine Idee in die Tat um.

Sehr williges Partyvolk

Die Zapfbar hat laut Christopher Hackl ein sehr gemischtes Publikum: "Von 18 bis 55, egal ob Studenten, Zünfte, Vereine oder Junggesellenabschiede". Eins hätten sie aber alle gemeinsam: "Sie sind ein sehr partywilliges Volk".

Privat hört er am liebsten die Musik von Guns ’n’ Roses, aber zum Feiern geht auch die Schlagermusik in der Zapfbar. "Ich sitze aber auch nicht im Wohnzimmer zu Hause und höre Helene Fischer oder Mickie Krause", stellt er klar. Die Musik, die in der Maria Bar läuft, nehme er gar nicht mehr wahr: Sie gehöre zu seinem Arbeitsumfeld und werde nur zum Hintergrundrauschen.

"Ich muss nicht mehr drei Mal die Woche feiern gehen."

Obwohl er durch seinen Job oft nur von Feiernden umgeben ist, hat es ihn nie gestört, dann auch noch privat wegzugehen. "Ein Koch muss ja auch Essen", lacht der Gastronom. Für ihn war es eher ein Anreiz, um die Häuser zu ziehen, weil er direkt an der Quelle sitzt und leicht mitgerissen wird.

Zu seinen Anfangszeiten als Selbstständiger in der Nachtgastronomie war Christopher Hackl viel im Freiburger Nachtleben unterwegs. "Ich bin jetzt ja nicht alt, aber auch nicht mehr Anfang 20. Ich muss nicht mehr drei Mal die Woche feiern gehen", erzählt er.


Der 31-Jährige hat Spaß an seinem Job. "Ich habe einen großen Kreis an Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, meine Mitarbeiter, Lieferanten und natürlich die Gäste. Man ist einfach nicht in einem 08/15-Job eingepfercht, ohne die Welt zu sehen. Es ist immer was los, es gibt immer was zu erledigen, und das ist es, was mich am meisten motiviert", schwärmt er.

Die Füße nach Feierabend blutig

Als die Anfangszeit sehr hart war, hatte er hin und wieder Zweifel am Schritt in die Selbstständigkeit. In einigen schlaflosen Nächten grübelte er, ob es das Richtige war, den Job und somit das sichere Einkommen in der Schweiz aufzugeben. "Jeder hat irgendwann mal den Punkt, an dem man alles bereut, aber das vergeht auch. Sonst wär es ja auch langweilig", so Christopher.

Besonders im Kopf geblieben sind ihm die Tage, an denen so viel los war, dass die Füße nach Feierabend blutig waren. Aber auch an die Mitarbeiter-Feiern bis morgens um 9 Uhr erinnert sich Hackl gerne. "Zwischen Stress und Party ist alles dabei gewesen", fasst er die vergangenen Jahre zusammen.

In seinen ersten drei Jahren arbeitete er 18 Stunden täglich und das sieben Tage die Woche. "Die ersten Monate habe ich im Büro auf dem Boden geschlafen, weil ich noch keine Wohnung hatte", erzählt er. Dass er ein richtiges Arbeitstier ist, wird auch beim Thema Urlaub deutlich. "2013 war ich mal im Urlaub", sagt Hackl locker. "Einmal im Jahr gehe ich eine Woche Ski fahren." Sein Sommerurlaub für dieses Jahr war die Sea You vor ein paar Wochen. Mit Freunden war er von Freitag bis Montag auf dem Campingplatz einquartiert.

Aus der Zapfbar könnte ein Franchise-Unternehmen werden

Und? Wird es bald noch mehr Hackls Zapfbars geben? "Das wäre wünschenswert, ich hätte große Lust, das als Franchise-Unternehmen aufzubauen. Warum nicht? Es ist hier erfolgreich, und Freiburg ist nicht die größte Stadt."

Für Hackl könnte es ewig so weiter gehen. "Irgendwann ist es vielleicht komisch, wenn hier ein 65-Jähriger mit Bierbauch und grauen Haaren durchmarschiert, und die Mitarbeiter und Gäste sind alle Anfang 20", lacht er. Christopher weiß, dass er wahrscheinlich nicht bis ins hohe Alter ständig hinter der Theke stehen wird, aber bis dahin hat er ja noch Zeit.

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