Fahndungserfolg

Mutter aus dem Raum Freiburg ließ ihr Kind vergewaltigen

Joachim Röderer, BZ-Redaktion & dpa

Nach einem anonymen Hinweis haben Ermittler einen Pädophilenring zerschlagen. Im Zentrum steht eine Mutter aus dem Raum Freiburg.

Die 47-Jährige soll ihren neunjährigen Jungen von ihrem Lebensgefährten und anderen Männer gegen Geld vergewaltigen haben lassen. Acht Beschuldigte wurden in diesem Zusammenhang festgenommen.


Die Tat schockt selbst erfahrene Ermittler: Eine Frau soll ihren neunjährigen Sohn mehreren Männer im Internet angeboten haben, die ihn dann gegen Bezahlung vergewaltigten – in einigen Fällen zusammen mit der 47 Jahre alten Mutter und deren Lebensgefährten. Die beiden sollen den Ermittlern zufolge den Jungen auch selbst mehrfach missbraucht haben.

Gegen die Frau, den 37-Jährigen und sechs weitere Tatverdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Sie sind in Untersuchungshaft. Das Kind befindet sich in der Obhut des Jugendamtes. Dessen Martyrium hatte den Ermittlern zufolge zwei Jahre gedauert, ehe ein anonymer Hinweis an das Bundeskriminalamt die Polizei auf die Spur des Pädophilenrings brachte.

Polizeisprecherin Laura Riske zum Fall


In einer gemeinsamen Presseerklärung haben die Staatsanwaltschaft Freiburg, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Polizeipräsidium Freiburg den Fall am Donnerstag öffentlich gemacht: Demnach hatte sich am 10. September 2017 ein anonymer Hinweisgeber gemeldet und die Ermittler auf die Spur der Pädophilenbande gebracht.

Das Landeskriminalamt und die Zentralstelle für Internetermittlungen der Generalbundesanwaltschaft Frankfurt am Main nahmen sofort ihre Ermittlungen wegen des Verdachts des anhaltenden schweren sexuellen Missbrauchs auf. Schnell kamen sie auf die Spur der Mutter und ihres Lebensgefährten. Bereits fünf Tage, nachdem der erste Hinweis eingegangen war, konnte demnach der Junge befreit werden.
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Die Mutter und ihr laut Staatsanwaltschaft einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte sitzen seit Mitte September in U-Haft. Sie stammen ebenso wie ein weiterer 40 Jahre alter Tatverdächtiger aus dem Raum Freiburg. Die Ermittlungen erstreckten sich auch auf das Ausland: Seit Oktober sitzt auch ein 49-jähriger Deutscher in Haft, der als Soldat beim 291-Jägerbataillon der Deutsch-Französischen Brigade am Standort Illkirch-Grafenstaden im Elsass seinen Dienst tat. Ein 32 Jahre alter Spanier wurde in seinem Heimatland festgenommen. Bei einem 37-jährigen Schweizer klickten in Österreich die Handschellen. Die beiden ausländischen Tatverdächtigen wurden mittlerweile nach Deutschland überstellt.
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Ein Sprecher des Landeskriminalamts gab bekannt, dass es sich um den schwerwiegendsten Fall von sexuellem Missbrauch von Kindern handelt, den die Behörde jemals bearbeitet hat. Das Vorgehen der mutmaßlichen Täter war offenbar sehr heftig. "Die Arbeit war für die Ermittler sehr belastend", sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel der Badischen Zeitung. Ihm zufolge gibt es mehrere Tatorte im Großraum Freiburg zwischen der südlichen Ortenau und dem südlichen Breisgau.

Noch zwei weitere Festnahmen

Der Fall zog weite Kreise. So wurde am 3. Oktober ein Mann nach vorangegangenen verdeckten Ermittlungen des Landeskriminalamtes in Karlsruhe von Spezialkräften festgenommen. Der 43-Jährige aus Schleswig-Holstein war eigens nach Karlsruhe gereist, wo er den Neunjährigen aus dem Raum Freiburg sexuell missbrauchen wollte. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Verdächtige zuvor Tötungsfantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäußert haben. Bei seiner Festnahme hatte der Mann einen Rucksack mit Fesselutensilien dabei.


Bei den weiteren Ermittlungen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg wurde auch Filmmaterial entdeckt, das den sexuellen Missbrauch eines Mädchens zeigt. Als mutmaßlicher Täter wurde sein Vater identifiziert. Es handelt sich um einen 32 Jahre alten Mann ebenfalls aus Schleswig-Holstein. Auch dieser Verdächtige sitzt seit 3. November in Untersuchungshaft. Er wurde an seinem Wohnort festgenommen. Die weiteren Ermittlungen in diesem Fall werden durch die Staatsanwaltschaft Kiel in Zusammenarbeit mit der dortigen Kriminalpolizei geführt. Insgesamt befinden sich damit in diesem Ermittlungskomplex acht Verdächtige in Untersuchungshaft.

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