Musikarena: Betreiber erhebt Vorwürfe gegen Salomon

David Weigend

Klaus-Dieter Hen, Chef der zur Zeit geschlossenen Musikarena A5 in Freiburg, fühlt sich von der Stadt ungerechnet behandelt, da ihm das Ordnungsamt keine Sperrzeitverkürzung gewährt. "Ich werde das nicht dulden", sagte Hen heute in einer Pressekonferenz und kündigt eventuelle strafrechtliche Schritte gegen die Stadt an. Spätestens am 24. Oktober will er die Disco wieder eröffnen.



Am 5. September hatte Hen „Südbadens Feiertempel No. 1“ wieder eröffnen wollen, nachdem ihm das Regierungspräsidium (RP) angeblich signalisiert habe, dass die Stadt ihm möglicherweise eine Sperrzeitverkürzung von 3 Uhr bis 5 Uhr am Wochenende gewähren könnte. Diese Sperrzeitverkürzung sieht Hen als überlebenswichtig an: „Die meisten Gäste kommen erst zwischen 12 Uhr und 1Uhr und sie bleiben aus, wenn sie wissen, dass sie um 3 Uhr schon wieder gehen müssen.“


Kurzum: Die Stadt hat Hen die Sperrzeitverkürzung nicht gewährt und der Gastronom behauptet, dies sei auf Anweisung des Oberbürgermeisters persönlich geschehen: „Ich habe dem Getränkelieferanten Rolf Umhauer von der positiven Reaktion des Regierungspräsidiums erzählt. Umhauer wiederum ist ein Parteifreund Salomons. Als er sagte, er treffe Salomon am Mittwoch, sagte ich, er solle ihn schön grüßen. Ich sagte, der OB solle doch mal vorbeikommen in der Musikarena, ich würde ihm zeigen, dass wir den Laden wieder ordentlich führen werden, wie im ersten Jahr.“

Als Hen dann die Sperrzeitverkürzung doch nicht bekam, habe er Umhauer angerufen. Der wiederum habe Hen erzählt: „Das hätte ich dir schon vor einer Woche sagen können. Der OB hat mir bei unserem Treffen neulich gesagt: ,Der Hen soll sich mal nicht so aus dem Fenster lehnen. Wenn das RP der Stadt in die Suppe spuckt, wird der Laden innerhalb von vier Wochen geschlossen.“



So erzählt es jedenfalls der Discochef in seiner kunterbunten Lokalität und die Lichtmaschine surrt leise dazu. Die Ausführungen Hens sind mit Vorsicht zu genießen: Die Pressestelle des Regierungspräsidiums dementiert ausdrücklich, Herrn Hen in irgendeiner Form eine Zusage für die Sperrzeitverkürzung in Aussicht gestellt zu haben.

Edith Lamersdorf, Pressesprecherin der Stadt, sagt zu den Vorwürfen Hens: "Der Oberbürgermeister hat mit der ganzen Sache bislang noch überhaupt nichts zu tun gehabt. Die Nicht-Gewährung der Sperrzeitverkürzung ist eine Entscheidung des Amts für öffentliche Ordnung gewesen. Diese Entscheidung wurde so auch für andere Betriebe getroffen und sie wurde vom Verwaltungsgericht zwei Mal bestätigt - nicht nur in der Entscheidung selbst, sondern auch in der inhaltlichen Begründung."

So liegt die Vermutung nahe, dass Hen in seinem Zorn gegen die Stadt nun mit allen Mitteln versucht, deren Position zu schwächen: er wirft Salomon vor, dass dieser von vorneherein einen Grund finden wolle, um der Musikarena die Existenzgrundlage zu entziehen. Doch Hen will „den Schwanz nicht einziehen“, sondern die Parteifreunde Umhauer und Salomon beide „als Zeugen vors Verwaltungsgericht schleppen“, um die Sache aufzuklären.

Gleichzeitig lässt er von seinen Anwälten prüfen, strafrechtlich gegen die Stadt vorzugehen, da er die „Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Sonderpreise für alkoholische Getränke“ als existenzvernichtend und Eingriff in die Gewerbefreiheit ansieht. Laut Hen habe das Amt für öffentliche Ordnung damit gedroht, bei Nicht-Unterzeichnung dieses Papiers keine Sperrzeitverkürzung mehr zu erteilen. Hen hat nicht unterschrieben und vielleicht auch deswegen jetzt ein Problem.



Wie geht es jetzt weiter? Günstig sind die Voraussetzungen für den Fortbestand der Musikarena nicht gerade: Hens Antrag beim Verwaltungsgericht Freiburg auf Sperrzeitverkürzung wurde abgelehnt („Streitwert: 80.000 Euro“), der Discobetreiber bezahlt seit sechs Monaten 18.000 Euro monatlich für die leere Disco. Die Kosten fallen an für Strom, Pacht und Gema-Lizenzgebühren. Nun hat Hen auch noch einen neuen Teilhaber verpflichtet, Walter Simöl, einen Bayern, der in Rosenheim und Neumarkt in der Oberpfalz zwei Discotheken („Nachtschicht“) betreibt.

Simöl soll in Zukunft als Geschäftsführer fungieren, sofern sich der Betrieb im Industriegebiet Nord normalisieren wird.



Spätestens am 24. Oktober will Hen die Türen des Ex-Funparks wieder öffnen, ob mit oder ohne Sperrzeitverkürzung. Wenn er nur bis um 3 Uhr öffnen darf, müsse er „leider eine sehr aggressive Preispolitik fahren, um geschäftsfähig zu bleiben.“ Das bedeutet im Klartext: 99 Cent für ein Bier und weitere Billigangebote. Hen spekuliert darauf, dass die Landesregierung die Sperrzeit bis Ende des Jahres abschaffen wird.

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