Getötete Medizinstudentin

Mordfall Maria L.: Spürhunde führen Polizei zu Biochemie-Hörsaal

Frank Zimmermann & aktualisiert um 20.11 Uhr

Erstmals verfolgt die Polizei bei ihren Mordermittlungen im Fall der getöteten Maria L. eine heiße Spur: Spürhunde haben eine Geruchsspur vom Tatort an der Dreisam beim Schwarzwaldstadion bis in einen Uni-Hörsaal der Biochemie in der Hermann-Herder-Straße 7 verfolgt.

Die Strecke vom Tatort bis zum Institutsviertel beträgt rund 5,5 Kilometer. Im Institutsviertel hat die getötete Maria L. seit einem Jahr Medizin studiert, dort war sie in der Tatnacht vom 15. auf den 16. Oktober auch in der Mensa auf einer Party.


In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrfach solche Mantrailer-Einsätze gegeben, sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Sie sprechen zum Beispiel auf Blut oder Sperma an. Was genau die Hunde in diesem Fall zum Riechen bekommen haben – einen Gegenstand, Körperflüssigkeit oder eine andere Geruchsspur des mutmaßlichen Täters – will die Polizei nicht preisgeben. Nur so viel: "Es ist eine Geruchsspur vom Tatort", sagt Polizeisprecherin Laura Riske.

War der Gesuchte vor Ort? Die Polizei schweigt dazu

In jedem Fall folgte der Hund am Freitagvormittag der Geruchsspur bis an den Hörsaal der Biochemie im Institutsviertel. Ob sich der Gesuchte in der Tatnacht oder heute oder an einem anderen Tag dort aufgehalten haben muss, wollte die Polizei ebenfalls nicht mitteilen. Biochemie ist auch Teil des Medizinstudiums. In dem betreffenden Hörsaal fand gerade eine Vorlesung statt, die nach BZ-Informationen rund 200 Studentinnen und Studenten, etwa zur Hälfte Männer und Frauen, besuchten.

Studenten werden aus der Vorlesung gerufen

Da an der Leiche der am 16. Oktober getöteten Maria L. männliche DNA sichergestellt worden war, wurden alle Männer in der Vorlesung aufgerufen, eine freiwillige Speichelprobe abzugeben. Jeder Student wurde von den Beamten dafür einzeln nach draußen gebeten.

Eine anwesende Studentin schreibt der BZ zu dem Polizeieinsatz im Hörsaal: "Es kam kurz vor Ende der Vorlesung ein Mann an die Tür und sagt zum Professor, er solle mal rauskommen. Kurze Zeit später sagte jemand, er sei von der Kripo und es würden die Personalien von allen aufgenommen und von den Männern auf freiwilliger Basis Speichelproben genommen." Die Stimmung im Hörsaal sei ruhig und verständnisvoll gewesen. Die Beamten seien in Zivil gewesen, es habe lange gedauert, bis alle Studenten ihre Speichelprobe abgegeben hatten. Im Hörsaal waren Medizinstudierende sowie einige Zahnmedizinstudierende und Studierende der Molekularen Medizin. Es handelte sich bei den Studierenden im Hörsaal um das Semester der getöteten Maria L.

Bei Tatverdacht kann die Probe erzwungen werden

Weitestgehend seien die Studenten der Aufforderung nachgekommen, sagt Polizeisprecherin Riske. Wer nicht freiwillig eine Probe abgeben will, gegen den darf die Polizei dies nicht negativ auslegen. Für eine richterliche Anordnung der Speichelentnahme auf Antrag der Staatsanwaltschaft braucht die Polizei einen Tatverdacht. "Es muss bei der Person einen Beschuldigtenstatus geben", sagt Oberstaatsanwalt Michael Mächtel und verweist auf Paragraf 81g der Strafprozessordnung.

Solche Geruchshunde setzt die Polizei häufig ein. Es gibt Drogen-, Leichen- und Geruchsspürhunde, erklärte Riske. Zur Erfolgs- und Fehlerquote der Spürhunde will sie nichts sagen, auch nicht dazu, wie lange so eine Geruchsspur für Hunde erkennbar ist.
Wie Spürhunde als Mantrailer ausgebildet werden, wie lange sie menschliche Spuren verfolgen können und wie ihre Erfolgsquote ist, erklärt Ausbilder Albert Küng im Interview.

Unter dem Internet-Link http://www.bkms-system.net/bw-soko-dreisam können Zeugen ohne die Angabe ihrer Personalien oder ihrer Telefonnummer Hinweise komplett anonym an die Soko schicken. Seit Montag erreichten die Soko auf diesem Weg bereits 40 Hinweise aus der Bevölkerung. Die Sonderkommission Dreisam ist auch zu erreichen unter Tel. 0761/882-5930.

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