JVA Offenburg

Mordfall Haid: Tatverdächtiger Anwalt tot in Zelle aufgefunden

Joachim Röderer

Nach dem Tod eines 39-jährigen Freiburgers im Offenburger Gefängnis gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Suizid aus. Der Anwalt stand unter einem schweren Verdacht.

Die Ermittlungen zur Todesursache dauern an. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei deutet alles auf einen Suizid hin. Der Anwalt stand unter dringendem Verdacht, in Freiburg einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. In der Nacht zum 18. Juli war im Gewerbegebiet Haid ein 24-jähriger Freiburger erschossen worden. Als mutmaßlicher Auftragsmörder sitzt seit August ein 33-jähriger Koch in U-Haft.


Die Ermittlungen zu den Todesumständen des Anwalts laufen

Polizei und Staatsanwaltschaft haben am späten Montagnachmittag den Tod des Anwalts mitgeteilt. Die näheren Umstände des Todes seien Gegenstand weiterer Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft Offenburg, heißt es. Nähere Einzelheiten zum mysteriösen Mordfall Haid und zur Rolle des Anwalts wollten die Ermittler noch nicht bekanntgeben – auch um aktuelle noch laufende Ermittlungsmaßnahmen nicht zu gefährden, so Polizeisprecher Jerry Clark gegenüber der Badischen Zeitung. Für den kommenden Freitag ist eine Pressekonferenz zu dem Fall angekündigt.
Bereits im Jahr 2012 hat sich ein festgenommener Tatverdächtiger in einem südbadischen Mordfall in seiner Zelle das Leben genommen. Damals handelte es sich um den Verdächtigen im Mordfall Simon Neipp: Der 24-Jährige aus dem Bonndorfer Ortsteil Gündelwangen war Ende Mai 2012 vermutlich nach einem massiven Streit in seiner Wohnung getötet worden, wohl vom eigenen Nachbarn. Als dringend tatverdächtig wurde der 25-jährige Gündelwanger damals in der JVA Waldshut-Tiengen in U-Haft untergebracht. Überführt worden war er anhand eines T-Shirts und der Abdrücke seiner Schuhsohlen.

Rückblick: Leiche in Gündelwangen: Vermisster Simon Neipp wurde getötet

Der Fall spielt im Drogenmilieu. Der 24-jährige Freiburger Niklas E. war in der Nacht am Rande des Gewerbegebiets Haid durch zwei Kopfschüsse de facto hingerichtet worden. Niklas E. ist nach BZ-Informationen allein zu einem Treffen ins Gewerbegebiet erschienen, um dort ein Waffengeschäft zu tätigen – was aber offenbar eine Falle war. Der später verhaftete 33-jährige Koch soll die Todesschüsse abgegeben habe – im Auftrag des Rechtsanwaltes, der vom mutmaßlichen Schützen durch Aussagen gegenüber der Polizei schwer belastet worden ist. Die Ermittler halten die Aussagen auch für glaubwürdig. Die Ermittler waren sich sicher, dass es sich um einen Auftragsmord gehandelt hat. Der Koch, der vorher nicht einschlägig strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, arbeitete bis zu seiner Festnahme in einem Freiburger Innenstadtlokal, das nicht weit von der Kanzlei des Anwalts entfernt liegt.

Dem 39-Jährigen hätte eine Verurteilung wegen Mordes gedroht

Der Anwalt war bereits am 6. August, zweieinhalb Wochen nach der Tat, verhaftet worden. Die Ermittler warfen ihm Beteiligung an einem Tötungsdelikt, Geldwäsche und Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Der Anwalt soll eine höhere sechsstellige Geldsumme für Niklas E. aufbewahrt haben, die aus Drogengeschäften stammte – unter anderem im Geheimfach eines Schrankes. Der jetzt Verstorbene hatte bei der Polizei eisern geschwiegen und sich zu den erhobenen Vorwürfen nicht geäußert. Wenn sich die im Raum stehenden Anschuldigungen vor Gericht hätten belegen lassen, hätte ihm eine Verurteilung wegen Mordes und damit eine lebenslange Freiheitsstrafe gedroht. In dem Fall gibt es nach wie vor viele Gerüchte – auch um mögliche weitere Drahtzieher oder Hintermänner.

Mehr zum Thema: