Moonwalk in Malaysia (8)

Müslüm Erikci

Müslüm meldet sich aus Malaysia: Er hat eine neue Lieblingssport gefunden: Silat, eine malaiische Kampfsportart. "Faszinierend, atemberaubend aber leider nicht sehr bekannt", findet Müslüm. Und Gelegenheit zum Moonwalk hat man dabei auch.



Silat ist wohl eine der ältesten Sportarten, die in Malaysia besteht. Es ist keine einfach Kampfsportart und bringt komplizierte Rituale mit sich. Für jeden Malaiien ist es eine Ehre, Silat auszuüben, obwohl mehr und mehr Jugendliche Interesse an ausländischen Kampfsportarten wie Karate und Taek-wan-do finden.


In meinen früheren Blog-Einträgen hatte ich ja schon erwähnt, dass ich mit Silat begonnen habe: Mittlerweile trainiere ich nicht mehr nur einmal pro Woche, sondern täglich! Der Grund: In nur einem Monat steht ein Turnier an, auf das wir uns vorbereiten sollen.

Ihr könnt' euch nicht vorstellen, wie anstrengend es ist, an einem Morgen in der prallen Sonne Malaysias ein paar Runden im Schulhof zu laufen. Das Aufwärmen war anfangs reine Schweißarbeit, doch von Tag zu Tag wurde es leichter. Jeden Tag wurde uns eine neue Technik beigebracht um den Gegner so schnell wie möglich zu Boden zu reißen. Schließlich erhält man die meisten Punkte, wenn es gelingt, den Gegner zu Fall zu bringen.

Nach einer Woche Training kam unser Trainer mit der Ausrüstung an, die man während des Kampfes tragen muss.

Pro Kämpfer sind das:
  • Schienbeinschoner, die robuster sind als beim Fußball;
  • Unterarmschoner; und, am allerwichtigsten
  • ein Brustkorbschoner.



Dann rief der Trainer zum ersten Mal zum Wettkampf auf, immer paarweise gegeneinander. Erst als ich an der Reihe war, wurde mir klar, dass man nicht einfach drauf haut, sondern dass viel Strategie zu Silat gehört, und man auf den richtigen Moment wartet und dann zuschlägt. Pro Angriff sind nur vier Schläge erlaubt; Timing ist alles, denn es ist nicht erlaubt zu springen oder zu hüpfen, um den Angriffen des Gegeners auszuweichen.
Ebenfalls verboten sind Schläge ins Gesicht: Man darf mit seinen Schlägen und Tritten nur auf den geschützten Brustkorb und die geschützten Schienbeine zielen.

Jedes Mal wenn der Schiedsrichter einen Kampf abbricht, muß man "tanzen"; Dabei ist es jedem selber überlassen, was er vortanzt.
Als mir das das erste Mal passierte, und der Schiedrichter "Silat!" "Sedia, mula" - ready, go, sagte, entschied ich mich einfach, einen Moonwalk vorzuführen. Das Gelächter war groß, klar.

Ich versuchte, meinen Gegener so oft wie möglich im Brustbereich zu treffen, sowohl mit Schlägen, für die es einen Punkt gibt, als auch mit Tritten, für die man zwei Punkte kriegt. 

Und, tatsächlich: Ich gewann.

Zugegeben, es hört sich kompliziert oder gar schwachsinnig an, in einer Sportart soviele Verbote zu haben, doch für mich bekommt Silat dadurch etwas einzigartiges. Neben dem "Eins gegen Eins" gibt es im Silat noch viele andere Wettbewerbsarten; Neben dem Kampf ist der Tanz die bekannteste Richtung. Beim Tanz gilt es, eine Choreographie einzustudieren und sie mit seinem Partner fehlerfrei vorzuführen. Man kämpft eigentlich gegeneinander, aber es sieht aus wie ein artistischer Tanz. Nach einem Monat Vorbereitung war es dann so weit: Das Turnier stand an! Das ganze Spektakel dauerte drei Tage; Es machten so viele Leute mit, dass man pro Tag nur eine Runde von jeder Wettbewerbsart machen konnte. Beim Turnier war alles ganz anders als im Training, denn nun ertönte während der Wettkämpfe die Silatmusik. Sie ist instrumental und wird fast nur mit Schlaginstrumenten erzeugt. Alle Teilnehmer erscheinen in ihrer schwarzen Silat-Uniform. Wer am Tanz teilnahm, trug das traditionelle "baju melayu" - eine Art Kleid. Ich kam mir vor wie von Paradiesvögeln umgeben: Jede einzelne Gruppe war einzigartig gekleidet. Sie waren einfach kunterbunt!



Zuerst waren die Kämpfe dran, bei denen es eins gegen eins geht: Rot gegen Blau.

Vor dem Kampf wurden noch einmal Ratschläge gegeben und einer von vier Schiedsrichtern, die in weißer Uniform mit gelben Gürtel gekleidet waren, erklärte noch einmal die Regeln. Die vier Schiedsrichter waren so aufgeteilt, dass drei an den Seiten saßen und einer im Ring war.
Insgesamt durte man zwei Mal wegen Fehlern ermahnt werden; Beim dritten mal wurde man disqualifiziert.

Jeder Kampf bestand aus 2 Runden; Jede Runde ging vier Minuten, doch in einer Runde wurde mehrmals abgebrochen und es hiess immer wieder "Silat!" "Sedia, mula". Falls der Ringrichter sich bei einer Entscheidung nicht sicher war, brach er ab, schickte die Kämpfer in ihre jeweiligen Ecken und rief die drei anderen Richter zu sich.

Einer nach dem anderen flüsterte ihm seine Entscheidung ins Ohr, worauf er dann eine Gesamt-Entscheidung bekannt gab.
Am Ende jedes Kampfes hissten die drei jeweils Richter entweder eine rote oder eine blaue Fahne.

Beim "Tanz" grüßte das Paar, das entweder aus zwei Jungs oder zwei Mädchen bestand, die Richter bevor sie ihre Anfangsstellung einnahmen. Dann setzten sie sich voreinander gegenüber hin und beteten.
Als ich das das erste Mal sah, wurde mir bewusst, wie ernsthaft, religiös und wichtig das alles für die Teilnehmer war. Die Choreographien gingen meist um die drei bis vier Minuten.

Bei einem Paar, das aus zwei Mädchen bestand, löste sich bei einer der Teilnehmerinnen aus Versehen ihr Schleier und das Publikum brach in Entsetzen aus. Das gleiche Entsetzen würde wohl eine entblöste Brust bei uns auslösen. Falls ihr euch nun fragt wie mein Kampf gelaufen ist: Das kann ich euch nicht beantworten, denn ich durfte nicht kämpfen. Ich war für eine Gewichtsklasse, Klasse G, zu leicht, und für eine andere Gewichtsklasse, Klasse C, zu schwer. Es waren 500g.

Aber bis Ende des Jahres habe ich noch Zeit um zuzunehmen. Dann findet wieder ein Turnier stattf.

Mfg Muesluem

Mehr dazu:

Silat: Wikipedia