Leute und Listen

Monika Stein, Grüne Alternative Freiburg: "Straßensozialarbeit statt KOD"

Manuel Fritsch

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Monika Stein, Spitzenkandidatin der Grünen Alternative Freiburg.

BZ: Bei der OB-Wahl hat ein Viertel der Wähler für Sie gestimmt. Ist die Kommunalwahl jetzt ein Kinderspiel?

Stein: Das wäre schön. Aber durch die 18 Listen wird sich das Ergebnis wohl mehr aufsplitten als bei den schließlich drei Kandidaten letztes Jahr.


BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Stein: Für eine offene und tolerante Stadt, die sozial und ökologisch gleichzeitig ist und in der sich alle wohlfühlen können.
"Wir dürfen aber keine Nullverschuldungsstrategie ausrufen, die die jetzige Gesellschaft sozial spaltet."

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Stein: Wir müssen bezahlbaren Wohnraum bekommen und den vorhandenen schützen – durch konsequente Durchsetzung der Zweckentfremdungssatzung.

BZ: Soll Freiburg weiterwachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Stein: Das entscheiden die Menschen, die nach Freiburg ziehen und die hier wohnen. Ich gehe davon aus, dass Freiburg wächst und ich finde das auch nicht schlimm. Fatal wäre es, über eine Mauer um Freiburg nachzudenken, wie das manche Politiker hier tun.
Monika Stein, 49, ist Lehrerin an einer Haupt- und Werkrealschule, Gleichstellungsbeauftragte und Vertrauensfrau der Lehrergewerkschaft GEW. Sie wohnt im Stühlinger und ist mit dem Vater einer erwachsenen Tochter verheiratet.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Stein: Wir hatten einige Einsparvorschläge, die nicht angenommen wurden. Unter den aktuellen Mehrheitsverhältnissen und dem neuen OB war mehr nicht drin. Wir dürfen aber keine Nullverschuldungsstrategie ausrufen, die die jetzige Gesellschaft sozial spaltet.

BZ: Was wäre Ihre Traumveranstaltung fürs Stadtjubiläum?
Stein: Wenn der Dreisamboulevard ein, zwei Wochen gesperrt würde, inklusive mindestens ein autofreier Tag. Damit die Menschen merken, wie viel wir gewinnen, wenn wir die Autos aus der Innenstadt verdrängen. Lieber als ein Großevent wäre mir allerdings, wenn wir schauen: Wo kommt Freiburg her, wo sind wir heute und wo wollen wir Freiburg hinentwickeln.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Stein: ... völlig überflüssig. Polizei ist Aufgabe des Landes. Besser wären Straßensozialarbeit, mehr Mülleimer und mehr öffentliche Toiletten.
"Wir haben im Gemeinderat zu viele nichtöffentliche Sitzungen."
BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Stein: Indem wir Transparenz herstellen. Wir haben im Gemeinderat zu viele nichtöffentliche Sitzungen. Die Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich anzuschauen, wie Beschlüsse gefasst werden. Das würde das Bild von "die da oben" gar nicht erst möglich machen.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Stein: Mit allen, die auf dem demokratischen Boden stehen. Damit schließe ich eine Liste ganz klar aus. Ich bin sehr glücklich mit der Fraktionsgemeinschaft JPG, aber jetzt müssen wir erst mal die Wahl abwarten.
BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war top, welcher war der größte Flop?
Stein: Top war die 50-Prozent-Quote. Flop war die Wiedereinführung des kommunalen Ordnungsdienstes unter neuem Namen.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter:Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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