Mode 2.0: Stil aus dem Netz

Carolin Buchheim

H&M, Zara, Esprit, Vero Moda, Mango: Eine handvoll Bekleidungsfirmen liefert nicht nur deutschland- sondern weltweit die gleichen Kollektionen aus. Und alle ziehen sie an. Abhilfe vom Einheitsbrei im Kleiderschrank schafft das Internet. Caro verschafft Euch den Überblick über die Modeseiten des Netzes.



Social Shopping

Im Web 2.0 ist alles social, auch das Einkaufen. In Social Shopping Communities zeigen Nutzer, was sie schon gekauft haben und noch kaufen wollen.

Und ja, das hört sich – zugegeben - wenig spannend an.



Die lebendige Community von Polyvorezeigt allerdings, dass Social Shopping  äußert nützlich sein kann. Polyvore ist eine Art Flickrzum Shoppen. Dort können Nutzer mit Bildern von Shopping-Seiten aus dem gesamten Internet ihre eigenen Style-Collagen aus Klamotten, Schuhen, Make-Up und Accessoires erstellen und mit anderen Nutzern teilen und sich von ihnen inspirieren lassen. Die Polyvore-Collagen sehen genau so aus wie die Shopping-Empfehlungsseiten in Modemagazinen, haben aber zwei Vorteile: zum einen gibt es hier keine Stilgrenzen, zum anderen kann man mit einem Klick bei den Original-Websites einkaufen gehen.

Diverse Social-Shopping-Seiten orientieren sich an Polyvore. Und hinken hinterher; so wie Fashmatch und Shopstylezum Beispiel.

Der meisten anderen Social-Shopping-Seiten sind eher funktions- und userarm und entsprechen spezialisierten Bookmarking-Diensten. Stylehive, ein Bookmarking-Service mit einem vollwertigen Social Network und Empfehlungsfunktion, hebt sich da positiv ab. Auch Kaboodleist ein einigermaßen hübscher Shopping-Listen-Dienst.

Der beste Style-Listen-Service ist das britische Osoyou. Dort kann man als Nutzer so genannte Stylefiles aus Kleidungstücken, die einem gefallen, anlegen. Mehrere große Modeketten Englands, wie Marks & Spencer und Miss Selfridges und diverse kleine Spezialläden wie die Agent Provocateur Dessous-Shops, haben direkt auf Osoyou Shop-Profile; das macht das Shoppen auf der Seite sehr bequem. Auch der redaktionelle Teil der Seite ist gut gemacht. Osoyou kommt dem Idealbild einer komplett beshoppbaren Modezeitschrift ziemlich nah.

Virtuelle Kleiderschränke



„Zeig her was Du hast“ ist das Motto der Virtueller-Kleiderschrank-Webseiten.

Die Hübscheste ist Pikkee. Dort erstellt man als Nutzer auf einer virtuellen Pinwand Outfits mit Fotos der Klamotten, die man bereits im Schrank hängen hat oder die man noch kaufen möchte. Die Pikee-Kontakte können dann beratend tätig werden, wenn man sich nicht zwischen mehreren Kleidungsstücken oder ihrer Kombination entscheiden kann.

Bei MyClosetkann man den Inhalt seines gesamten Kleiderschranks fotografisch präsentieren und mit Hilfe von Tags sortieren. Im redaktionellen Bereich der Community gibt es die meist randvollen Kleiderschränke von Halb-Promis, Designern und Community-Mitgliedern zu begucken.



Weardrobeist eine weitere Kleiderschrank-Community mit wenig zusätzlichen Features aber guten Fotos.

Einzelteile



Bei akuter Langeweile im Kleiderschrank hilft Etsy. Etsy ist nicht ein Shop, sondern tausende Shops in einem, ein bisschen so wie Ebay. Auf Etsy gibt  es ausschließlich Handgemachtes, neben jeder Art von Mode auch Accessoires und Einrichtungsgegenstände.

Vom bedruckten Kapuzenulli über außergewöhnlichen Schmuck und lustige Strickwaren für Kinder bis hin zu maßgeschneiderten Fifties-Kleidern und Designer-Stücken wird so ziemlich jeder Modewunsch erfüllt.

Sucht man etwas ganz bestimmtes, das nicht gelistet ist, kann man auf Etsy Alchemy einen Suchauftrag erstellen. Dann findet sich vielleicht jemanden, der das gewünschte Stück als Maßanfertigung herstellt. Wie zum Beispiel schwarz-rote Rüschenunterhosen, die pro Stück 15$ kosten dürfen und in vier Wochen fertig sein müssen.

Dank der guten Organisation der Seite und vielfältigen Such- und Herumguckmöglichkeiten (zum Beispiel nach Farbeoder Produktstandort) kann man mit dem Durchklicken von Etsy mit Leichtigkeit Stunden verbringen. Die deutsche Etsy-Kopie Dawanda kann da nicht mithalten.



Smashingdarling ist eine Art Etsy für Designerklamotten. Dort verkaufen Jung-Designer ihre ersten Kollektionen in selbständigen Shops. Für Schnäppchen etablierter Designer ist Net-a-porter noch immer die erste Adresse.

T-Shirts! T-Shirts! T-Shirts!



Wenige Dinge sind so langweilig wie Druck-T-Shirts von H&M und Co.  Ausgefallene T-Shits findet man im Netz zum Beispiel auf Design-Contest-Seiten, die Shirts in limitierter Auflage verkaufen.

Grafik-Designer – und alle, die sich dazu berufen fühlen – reichen dort Designs ein, die Nutzer diskutieren über die Entwürfe und stimmen ab, welche Shirts gedruckt werden. Gute T-Shirt-Contest-Seiten sind A better tomorrow, Threadlessund Design by humans.



Sollte auf diesen Seiten noch kein gutes Shirt dabei gewesen sein, könnte der T-Shirt-Aggregator Rumplohelfen. Dort sammeln User Bilder und Links zu schönen T-Shirts im gesamten Netz.

Unikate für die Massen



Unter dem Begriff “Mass Customization“ fasst man Websites zusammen, die es dem Nutzer ermöglichen, Produkte nach seiner Vorliebe zu designen oder anzupassen.

Das geht bei Spreadshirtund Cafepressmit diversen T-Shirts, bei Zazzleneuerdings auch auch mit Keds-Turnschuhen.



Die englische Seite Styleshakegeht noch weiter: dort kann man Kleider, Tops und Röcke designen, die dann innerhalb von zehn Tagen maßgeschneidert werden. Der Startpreis für ein Kleid liegt bei wenig mehr als 100 Euro.

Selbtgemachtes



Wem ein Kleid von Styleshake noch nicht individuell genug ist, der kann seine Sachen natürlich auch selbst schneidern.

Dass das nicht altbacken sein muss, zeigen Seiten wie Burdastyle. Dort kann man meist kostenlose Schnittmuster herunterladen und sich mit fast 100.000 Nutzern darüber austauschen, wie man auf deren Basis eigene Kleidungsstücke designen kann.

Strickseiten gibt es im Internet hunderttausende, besonders schön sind die ausgefallenen Strickmuster auf Knitty.

Mode-Blogs



In Mode-Blogs gibt es Inspirationfutter und Link-Tipps. Zum Beispiel beim netten deutschen Style-BlogLes Mads oder dem österreichischen Cooloutfit; Hide your armsbefasst sich ausschließlich mit T-Shirts und Hoodies. Lady Melbourne dokumentiert in ihrem Blog ihre Vorliebe für Vintage-Kleider und Gala Darlingaus Neuseeland gibt nicht nur Style-, sondern auch Lebensführungstipps und zeigt, wie man Designer-Klamotten mit Highstreet-Fashion, bunten Haaren und Tattoos kombinieren kann.

Was überraschend ist: es gibt eine ganze Reihe guter Fashionblogs, deren Betreiberinnen noch sehr jung sind: Jane, die zusammen mit ihrer Mutter (!) das zugleich irritierende und faszinierende Designer-Schuh-Blog Sea of Shoes betreibt, ist 16 Jahre alt, Camille von Childhood Flames ist 15, Stephanie vonFashion Robot ist 16 und Tavi von Style Rookie gerade einmal 12 Jahre alt. Kein Witz.



"As an almost 30 year old style blogger myself, I have to ask: Who will i envy nect? Kindergardeners?" schrieb New-York-Times-Journalistin Elizabeth Spiridakis kürzlich in einem Artikel über die jugendlichen Style-Bloggerinnen. Gute Frage.

Ein Blog mit hohem Nutzwert ist das lebhafte Fatshionista Community-Blog auf Livejournal. Dort tauschen sich modebewusste Mädels jenseits der Kleidergröße 44 aus. Wie fallen die Größen in diversen Online-Shops aus? Wo bekomme ich ein Kleid für einen besonderen Anlass? Welche Jeans passen um einen üppigen Hintern und um breite Hüften? Außerdem sammeln die Fatshionistas Links zu Online-Shops mit Übergrößen-Mode, Discount-Codes und tauschen und verkaufen untereinander Klamotten.

Straßentrends



Klamotten kaufen kann jeder. Das eigentlich Schwierige ist das richtige Kombinieren von Kleidungsstücken und Accessoires. Eine tolle Inspiration sind da Street-Style-Blogs. Auf der ganzen Welt treiben sich Fotografen und Mode-Freaks auf den Straßen der Städte herum und fotografieren das, was die Menschen tatsächlich tragen.

Einer der einflussreichsten Street-Style-Blogger ist The Sartorialist. Scott Schuman, ein echter Mode-Insider, der für Valentino gearbeitet und mehrere Jahre seinen eigenen Showroom betrieben hat, veröffentlicht die exzellenten Fotos seiner – zum Teil in der Modewelt berühmten – Straßenmodels aus der ganzen Welt fast ohne zusätzliche Anmerkungen. In den Kommentaren werden die gezeigten Styles ausgiebig – und erstaunlich sachlich – analysiert. Mittlerweile fotografiert Schuman für diverse Modezeitschriften und war selbst gerade Model in einer Anzeige von The Gap.

Hier ein paar tolle Street Style-Blogs aus der ganzen Welt:



Wirklich großartig ist die New-York-Times-Kolumne On the Street. Fotograf Bill Cunningham treibt sich auf den Straßen von New York herum und fotografiert Passanten – häufig unbemerkt – zu einem Style-Thema wie Bleistiftröckeoder tiefhängende Hosen. Er kommentiert seine Funde in wunderbarem Tonfall in Audio-Galerien, bei denen man stets auch etwas über Modegeschichte lernt.

Die tägliche Modenschau



In Street-Style-Blogs wird der tägliche Stil ganz normaler Menschen von Fotografen aufgespürt, dabei kann man genau das gleich selbst machen.

Manche Leute tun das bei recht leb- und lieblosen Outfit-Bewertungs-Seiten wie Style Ranking, Fashhhoder Stylemob, wo Nutzer, wie bei der in die Jahre gekommenen Flirt/Beleidigungs/Egopflege-Website Hot or Not, jedes Outfit mit Punkten bewerten.

Weitaus schöner sind da die Wardrobe-Remix-Gruppen auf der Foto-Sharing-Website Flickr. Dort posieren hunderte User täglich vor ihren eigenen Kameras und beschreiben die Sachen, die sie anhaben. Die Hauptgruppe, Wardrobe Remix, hat fast 10.000 Mitglieder mit knapp 50.000 hochgeladenen Outfit-Fotos.



Es gibt auf Flickr eine ganze Reihe spezialisierte Wardrobe-Remix-Gruppen: In The Working Closet geht es um Bürolooks, die Outfits in 100 % Thrifted stammen ausschließlich aus Second-Hand-Shops und von Flohmärkten und in der New-Vintage-Gruppe gibt es nur aus alten Stoffen oder nach alten Schnittmustern Selbstgenähtes und Gestricktes zu sehen. Und natürlich präsentieren auch fast 600 Fatshionistas in einer eigenen Gruppe ihre Outfits und beweisen, dass man auch als Übergrößen-Trägerin stylisch aussehen kann.

Mehr dazu:


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Breisgau-Brands

 
  • 3Freunde (T-Shirts mit Fußball-Motto)
[Mit Dank an Nici, Florian, Quantenimpuls, Karen und Titilaflorafür die Link-Tipps!]