Mobile Hilfe: Rollis für Afrika

Christoph Müller-Stoffels

Anna-Lena Kienzler ist 16 und kommt aus Schopfheim. Mit viel Engagement unterstützt sie das Projekt "Rollis für Afrika". Sie wird bald selbst nach Dakar reisen, um zu prüfen, ob die 260 gespendeten Rollstühle richtig verteilt werden.



Angefangen hat alles bei einem Konzert der Heidelberger Band Irie Révoltés. Als die Musiker auf der letzten Tour denjenigen freien Eintritt versprachen, die einen aussortierten Rollstuhl für das Projekt Rollis für Afrika mitbrachten, war Anna-Lena Kienzler sofort dabei.


Innerhalb von drei Wochen sammelte die  Schülerin aus Schopfheim zehn Rollstühle und Gehhilfen und brachte sie mit zum Konzert in Freiburg. Die Bandmitglieder, die sich seit 2003 für das Rollstuhl-Projekt einsetzen, waren vom Engagement der 16-Jährigen begeistert. Bandmitglied Mal Élevé und sein Kumpel Estevan, der selbst im Rollstuhl sitzt,  haben das Projekt „Rollis für Afrika“ ins Leben gerufen. Sie halten den Kontakt zu Behinderteneinrichtungen im Senegal und haben mit den bisher gesammelten Rollis und Gehhilfen schon vielen behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Ziel ist es, sie wieder am gesellschaftlichen Alltag und am Arbeitsleben teilhaben zu lassen.

Immer wieder reisen Bandmitglieder und andere freiwillige Helfer nach Afrika, um die Spenden dort selbst abzugeben. Und diesmal darf Anna-Lena mit. Sie ist Praktikantin und für die Pressearbeit zuständig, wird auch ein Reiseblog schreiben.

Gerade haben sie und andere Helfer den Container mit etwa 260 Rollstühlen, Rollatoren und Gehhilfen gepackt. Langsam steigt auch die Spannung. Am 1. März soll der Container in Dakar ankommen. Anna-Lena ist voller Vorfreude. Endlich mal aus Europa raus, nach Afrika.  „Rollis für Afrika“ verhilft Anna-Lena somit auch zu ihrer ersten Flugreise.



Und die Schule? Freut man sich dort über das soziale Engagement? Fehlanzeige. „Die waren anfangs überhaupt nicht begeistert“, sagt Anna-Lena. Ihre Eltern mussten sich um die Beurlaubung kümmern, schließlich will die Tochter fünf Wochen lang dem Unterricht fern bleiben. „Das war schon ein harter Kampf. Aber ich dachte mir, da lass’ ich mich nicht unterkriegen. Das wird eine einmalige Erfahrung, und fünf Wochen Schule sind  nicht die Welt.“

Die Elftklässlerin hat vorgesorgt. Ihre Mitschüler sammeln, was an Unterrichtsmaterial anfällt. Anna-Lena findet, dass sich auch andere engagieren sollten. Vor Kurzem habe sie bei einem Sanitätshaus angerufen, um nach Rollstühlen zu fragen. Die hatten gerade zehn Stück weggeworfen. „Die denken nicht nach“, beklagt die Schülerin. „Das Projekt muss bekannter werden.“



Für die Zukunft sind Anna-Lenas Pläne noch nicht konkret, aber sozial engagieren wird sie sich weiterhin. „Für Sozialpädagogik habe ich mich schon immer interessiert, ich kann mir schon etwas in die Richtung vorstellen.“ Ob sie dann wieder ins Ausland will? „Afrika hat so eine merkwürdige Anziehungskraft. Viele sagen, wenn man einmal da war, will man immer wieder hin.“ Wenn es für den guten Zweck ist, umso besser.

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