Mit Reamonn nach Irland: Die Gewinner sind glücklich, SWR3 aber auch

Bianca Fritz

Wer hat eigentlich mehr davon, wenn SWR3 eine Reise mit Reamonn nach Irland verlost? Die Gewinner, oder der Sender selbst?



Es war schwierig zu ignorieren. Selbst für diejenigen, die nie bei SWR3 reinschalten. Denn der Radiosender hatte auch großflächig Plakate verteilt, die auf sein neuestes Gewinnspiel hinwiesen. Ein Irlandtrip mit der Band Reamonn war der exklusive Preis. Und die Vorabwerbung wirkte: Jede Stunde haben in der Morning Show 50 000 Hörer angerufen – 150 000 am Tag. „Das war auch für uns ein Experiment – würden die Hörer bei einer Reise eher schüchtern sein oder die Band belagern?“, sagt Grazyna Bornholdt, Pressesprecherin des Radiosenders.


Die Hörer waren schließlich ganz brav. Fragten sogar vorher vorsichtig bei der SWR3-Crew an, ob sie auch wirklich hingehen und  Autogramme holen dürften. Myriam Schmidt aus Grenzach-Wyhlen hatte diese Berührungsängste nicht. „Die Jungs waren total super –  mit dem Uwe hab ich mich ganz viel unterhalten“, sagt sie. Sie war einer der Konzert-erfahrenen Fans, die tatsächlich wegen der Band nach Irland wollten. „Die Hälfte der Leute kannte Reamonn gar nicht, weil wir zufällig ausgewählt haben“, sagt Bornholdt.

Was der Sender aber nicht dem Schicksal überlassen hat, war die Vermarktung. Allein 321 Fotos der dreitägigen Reise sind online. Dazu kommen viele Radiobeiträge und kurze Filme. „Die Kameras und Mikros waren immer mit dabei. Anfangs war das etwas seltsam, man hat sich Sorgen gemacht, wie man auf den Bildern aussieht – aber ich hab mich schnell dran gewöhnt und es gar nicht mehr gemerkt“, sagt Myriam. Auch Sandra Moritz (20) aus Kandern meint: „Mit sowas rechnet man ja, wenn man beim Radio gewinnt.“



Bevor die Reise angetreten wird, unterschrieben alle 50 Gewinner auch eine Einverständniserklärung, was die Veröffentlichung ihrer Fotos und Audiofetzen angeht. Und wenn das mal jemand nicht will? „Dann können wir ihn leider nicht mitnehmen“, sagt die SWR 3-Sprecherin Bornholdt. Vorgekommen sei das aber noch nie. Die meisten Mitreisenden würden sich über diese Art von Souvenir  freuen. „Außerdem reisen die Gewinner ja auch nicht nur für sich, sondern stellvertretend für alle Hörer“, so Bornholdt.

Und wohl auch ein bisschen für den Sender selbst, denn natürlich lockt ein so ungewöhnliches Gewinnspiel auch neue Hörer. Auch für die Band rührte die Werbetrommel offenbar krägtig genug – laut Bornholdt haben sie ohne Gehalt mitgemacht. Aber wenn trotz all der Vermarktungsstrategien die Gewinner noch so begeistert sind wie Myriam und Sandra, dann hat der Sender wohl eine Win-Win-Situation geschaffen.

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