Umsonst und draußen

Mit einem Reggae-Festival feiert das Offenburger Jugendzentrum "Kessel" seinen 40. Geburtstag

Moritz Lehmann

Jah bless: Mit einem großen Open-Air Festival im Offenburger Bürgerpark feiert das Jugendzentrum "Kessel" am Samstag seinen 40. Geburtstag. Der Eintritt ist frei.

Das selbstverwaltete Jugendzentrum "Kessel" feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag. Diesen Samstag wird das mit einem besonderen Highlight gefeiert: einem großen Open-Air Festival im Bürgerpark und Reggae-Musik. Das Fest beginnt am frühen Nachmittag, der Eintritt ist frei.


40 Jahre in sind ein stolzes Alter für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. Gefeiert wird das schon das ganze Jahr über mit einem üppigen Programm. Dabei haben sich die jungen Organisatoren viel Mühe gegeben, möglichst viele jugendkulturelle Szenen abzudecken: im Mai mit einem zweitägigen Punk- und Metal Festival, im Juni mit einem großen HipHop-Event.

Fünf Künstler spielen ab 14 Uhr im Bürgerpark

Beide Veranstaltungen fanden im Jugendzentrum unter dem Technischen Rathaus statt. Jetzt kommt der Kessel erstmals in den Bürgerpark – mit einem Reggae-Festival. Losgehen soll es am Samstag gegen 14 Uhr. So soll auch dem ganz jungen Publikum ermöglicht werden, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Fünf Künstler treten auf, es wird Essstände geben, unter anderem mit afrikanischem Essen. Das Beste an der Sache: Der Eintritt ist frei. Dafür hat der Kessel eifrig gespart, finanzielle Unterstützung gibt es über Sozialarbeiter Marcel Karow zudem von der Stadt Offenburg.

Headliner sind die Freiburger "Steinregen Dubsystem"

"Wir wollen möglichst viele Leute erreichen", sagt Karow, Ansprechpartner für die im Kessel engagierten jungen Menschen ist. Er fügt hinzu: "Wir, das sind in erster Linie die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Damit reicht er das Wort weiter an die sieben jungen Menschen zwischen 19 und dreißig Jahren, die zum Pressegespräch eingeladen haben, um das Open Air vorzustellen.



Als Headliner spielt die Freiburger Band "Steinregen Dubsystem", die sich den Organisatoren zufolge bei zahlreichen Festivals einen Namen gemacht hat. Ein weiteres Highlight sei die Band "Jah Screechy", die aus Großbritannien anreist und deren Hit "Walk&Skank" zum Repertoire zahlreicher Dancehall-Djs gehöre. Die Offenburger Band "Slona" spielt deutschsprachigem Dancehall. Und eigens fürs Kessel-Jubiläum habe sich die Band "Headphonemusic" aus Vaihingen/Enz wieder zusammengefunden. Auch der Offenburger "DJ Missionary", der eigentlich "in Rente" sei, greife für den Kessel wieder zum Mischpult.



Schon am Freitag gibt es Ska im Kessel

Gefeiert wird bereits am Freitag, gegen 21 Uhr im Kessel, mit zwei Ska-Bands und zum üblichen Eintrittspreis von fünf Euro. Es spielen die Bands "No Authority" aus Lahr sowie die Band "The Mercenaries" aus Paris. Im Anschluss gibt es Musik vom Straßburger DJ "Captain ACAB".

Bei allzu schlechtem Wetter am Samstagmittag greift Plan B – dann wird spontan in den Kessel umgezogen, mit leicht abgespecktem Programm. Aktuelle Infos geben die Veranstalter auf ihrer Facebook-Seite bekannt. Läuft alles wie geplant, ist dennoch gegen 20.30 Uhr Schluss im Bürgerpark, den Anwohnern zuliebe.

Eine Parade zieht zur Aftershow-Party

Diese hatten die Kessel-Mitarbeiter übrigens schon im Vorfeld zum Gespräch eingeladen – leider habe nur eine Person das Angebot angenommen, und diese habe eindeutig auf der Seite der jungen Leute gestanden.

Schluss ist mit dem Ende des Festivals aber noch lange nicht: Eine Parade zieht – ohne politischen Hintergrund, dafür mit musikalischer Begleitung – weiter in den Kessel zur Aftershow-Party. Dort sorgen insgesamt acht DJ-Formationen aus der regionalen und überregionalen Reggae- und Dancehall-Szene für Stimmung, der Eintritt kostet wieder fünf Euro.

40 Jahre Selbstverwaltung im Jugendzentrum

Beim Pressegespräch geht es aber um mehr als das Festival. Es geht um den Kessel als Ort, der jungen Menschen Raum für Eigenverantwortung und Gestaltung lässt. Raphael Fekter, der das Festival mit organisiert, sagt: "Die Selbstverwaltung ist essenziell wichtig. Entscheidungen werden im Team getroffen. So haben wir gegenseitigen Respekt ebenso gelernt, wie Verantwortung zu übernehmen."

Diese Form der selbstverwalteten Jugendarbeit sei leider selten geworden. "Aber es funktioniert und macht großen Spaß", so Fekter. Über die Jahre hat sich der Kessel natürlich verändert, sagt Sozialarbeiter Marcel Karow, der seit 14 Jahren Ansprechpartner im Kessel ist: "Er ist auch immer ein Spiegel der Entwicklung der Jugendkultur."

Mehr zum Thema:

Hintergrund: Die Ehrenamtlichen des Jugendzentrums "Kessel" haben im Januar 2017 die Offenburger Bürgermedaille erhalten