Mit diesen 4 Innovationen könnte die Blockchain die digitale Welt verändern

Felix Klingel

Am Samstag fand in der Uni Freiburg das Blockchain Symposium statt: 14 Redner sprachen vor 400 Zuhörenden, wie die Blockchain-Technologie die Welt verändern könnte. fudder hat die vier wichtigsten Innovationen zusammengefasst.



1. Wie die Blockchain Universitätsabschlüsse fälschungssicher machen kann

Für eine Universität bietet die Blockchain-Technologie einerseits viel Forschungsstoff. Grundlagenforschung ist wichtig, um die Blockchain überhaupt zu verstehen. "Es gibt nur wenige Leute, die die Technologie komplett durchblicken", sagt Peter Thiemann, Professor für Informatik in Freiburg, bei seinem Vortrag zur Funktionsweise einer Blockchain.

Außerdem ist die Technologie kein fertiges Produkt, sondern kann laufend weiterentwickelt werden. Fragen wie die der Effizienz können an der Uni erforscht und verbessert werden. Eine Bitcoin-Überweisung verbraucht momentan sehr viel Strom – ein Nachteil, der in der Technologie selbst verankert ist, da die Bestätigung einer Überweisung durch Rechenleistung erfolgt. Ein Problem, dass es zu lösen gilt, sollte sich die Blockchain durchsetzen.

"Die Forschung muss aber auch in die Anwendung blicken können", sagt Professor Fabian Schär, der in Basel über die Blockchain-Technologie forscht. Und dazu hat er gleich einen konkreten Anwendungsfall für die Uni zum Symposium in Freiburg mitgebracht. Mit Hilfe der Blockchain lässt sich das Verfahren, um die Echtheit eines Abschlusses zu prüfen, deutlich vereinfachen. "Aus Datenschutzgründen dauert die Bearbeitung so einer Anfrage momentan etwa zwei Wochen", so Schär. Bisher muss die Universität alles von Hand bearbeiten: Hat dieser Mensch bei uns einen Abschluss gemacht? Stimmt die Note auf dem Zeugnis? Dürfen wir die Daten weitergeben?

In einer Blockchain können dagegen alle Abschlüsse einer Uni dezentral nur mit ihrem Hash-Wert gespeichert werden. So kann jeder selbst die Anfrage vornehmen, und erfährt in Sekunden, ob es sich um ein echtes Zeugnis handelt oder um eine Fälschung – denn der Hash-Wert ist praktisch nicht fälschbar.
Wie funktioniert die Blockchain-Technologie?

Eine Blockchain besteht aus mehreren Blöcken, die aneinander gekettet sind. Ein Block enthält eine gewisse Information. Bei einer Kryptowährung wie Bitcoin etwa die Daten einer Überweisung, also Sender, Empfänger und Geldmenge. Außerdem hat jeder Block einen sogenannten Hash-Wert. Also einen Wert, durch den der Block eindeutig identifizierbar ist. In der Kette der Blöcke verweist ein Block immer auch auf den vorherigen Block, und zwar auf dessen Hash-Wert. Stimmt der Hash-Wert allerdings einmal nicht, so ist klar, dass jemand den Block mutwillig manipuliert hat. Da die Blockchain dezentral bei jedem Nutzer liegt und offen für jeden ist, lassen sich Manipulationen der Daten leicht ausfindig machen und verhindern. Um die Blockchain zu verfälschen, muss nicht nur eine Datenbank gehackt werden, sondern jeder einzelne Computer der Blockchain. Bei anderen Anwendungsgebieten, wie etwa dem der Smart Contracts, können die eigentlichen Verträge lokal auf dem Computer gespeichert sein, während nur die Unterschriften sicher in der Blockchain liegen. Die Blockchain-Technologie ermöglicht es also Informationen, Werte oder Besitzansprüche auszutauschen, ohne die Notwendigkeit einer zentralen Instanz. Die Blockchain ist außerdem eine Lösung zur Gewährleistung von Genauigkeit und Sicherheit, da Verschlüsselungstechnik sie bisher nicht knackbar macht.

2. Wie die Blockchain die öffentliche Verwaltung effizienter machen kann

Die Blockchain und der Staat – eigentlich steckt da schon ein Widerspruch in sich. Denn die Blockchain ist eine ausdrücklich dezentrale Technologie, welche eine zentrale Instanz wie den Staat gerade überflüssig machen soll. Dennoch bietet die Technologie auch für die öffentliche Verwaltung einige Vorteile, um effizienter zu arbeiten. "Blockchain ist kein Allheilmittel sondern nur eine neue Möglichkeit, bestimmte Einzelprobleme besser oder anderes zu lösen", sagt Michael Kolain von deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung in seinem Vortrag.

Tatsächlich könnten bestimmte Register wie das Grundbuch, das KfZ- oder Melderegister in einer Blockchain dezentral gespeichert werden. Ebenso können Beglaubigungen über die Blockchain abgewickelt werden. Ein anderes Feld, dass den Staat Millionen kostet ist das Identitätsmanagement. Statt eines (fälschbaren) Ausweises zur Identifikation kann das Identitätsmanagement auch über eine digitale Blockchain ablaufen.

Allerdings gibt es in der öffentlichen Verwaltung einige Dinge, die dem entgegenstehen. Vor allem der Datenschutz ist ein Problem: "Wenn in einer Blockchain alle Transaktionen offenliegen, dann ist das kein Datenschutz", sagt Kolain. Denn für Datenschutz brauche es gerade die zentrale Instanz, die für die Daten verantwortlich ist.

3. Wie die Blockchain die E-Mobilität einfacher machen kann

Elektroautos sind die Zukunft auf der Straße – doch ohne eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens sind sie nicht zu haben. Im ganzen Land muss es sehr viele Ladestationen geben, damit E-Mobilität funktioniert. Denn momentan bedeutet ein E-Auto viel Stress: Wo kann ich es aufladen? Wie viel kostet das und wie bezahle in den Strom? Es gibt schon jetzt viele verschiedene Anbieter, und wenn der Markt weiter wächst, kommen neue dazu, der Bezahlvorgang wird noch komplizierter.

Christopher Burghahn von Share & Charge Foundation will das alles mit Hilfe der Blockchain vereinfachen. Statt von einer zentralen Instanz soll das Bezahlen direkt möglich sein. Der Vorteil: So können auch Privatpersonen oder Hotels Ladestationen betreiben. Burghahn beschreibt seine Vorstellung so: "Man fährt mit seinem Auto auf eine Induktionsplatte, um es aufzuladen, und es wird direkt automatisch bezahlt". Eine zentrale Instanz, die den Bezahlvorgang regelt, fällt weg. Das Geld fließt direkt vom Käufer zum Anbieter.

Dass die zentrale Instanz wegfällt, wurde für Share & Charge allerdings erst einmal zum Problem: "Ein Geschäftsmodell ist immer zentralisiert", sagt Christopher Burghan. Die junge Firma stand also vor dem Problem, wie sie mit ihrer Idee Geld verdienen kann – ein Problem, vor dem viele Blockchain-Innovationen stehen. Share & Charge verwandelte sich kurzerhand von einer GmbH in eine Stiftung, um das Problem der Gewinnorientierung zu umgehen.

4. Wie die Blockchain Start-Ups finanzieren kann

Junge Start-ups brauchen Geld, um ihre Ideen zu finanzieren. Und auch hier gibt es eine Lösung durch Kryptowährungen, das sogenannte Initial Coin Offering (ICO). Das Ganze ist ein Finanzierungsmodell, das dem Crowdfunding sehr nahe kommt. Nur eben über eine Blockchain. Eine Firma kann dabei eine eigene Kryptowährung "erfinden", um diese zu verkaufen. Der Verkauf funktioniert über andere Kryptowährungen, denn die neu erfundene Währung ist erst einmal nichts wert. Die Währung wird quasi als Wertanlage verkauft. Falls die Firma ihre Finanzierungsgrenze erreicht und erfolgreich am Markt wird, steigt auch der Wert der Währung.

Der Vorteil für die Start-Ups: Sie umgehen komplizierte Regularien der Kapitalaufnahme, wie sie bei klassischen Kapitalgebern wie Banken vorgeschrieben sind. Der Vorteil für die Investoren: Sollte die Firma erfolgreich sein, können sie mit großen Renditen rechnen. Allerdings gibt es immer auch die Möglichkeit, dass die Firma scheitert – dann ist auch das Geld futsch. Oder auch, dass die Firma von vornerein eine reine Abzocke war. Denn auf dem Bereich der ICO gibt es wenige Regularien. Es kann quasi jeder ein solches ICO starten, ohne dass dahinter überhaupt irgendeine Firma stehen muss.

Um diese Probleme zu minimieren, hat sich inzwischen die Firma Alethena gegründet, deren CEO Markus Hartmann auf dem Bitcoin Symposium sprach. Alethena ist eine unabhängige Rating-Agentur, die an Hand von 62 Faktoren prüft, ob ein ICO einer Firma vertrauenswürdig ist – oder aber nicht. Die Firma hat sich übrigens selbst mit so einem solchen ICO finanziert.
Über das Blockchain Symposium

Das Blockchain Symposium ist das Ergebnis einer studentischen Initiative. Beteiligt an der Organisation waren die Freiburger Wirtschaftswissenschaftler, der Foundersclub Freiburg, der Börsenverein Freiburg sowie die Stadt. Zur offenen Veranstaltung kamen über 300 Interessierte.



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