Zelt-Musik-Festival

Mit dem ZMF kommt der Dauerregen - stimmt die Freiburger Bauernregel?

Simone Höhl

Freiburgs Zelt-Musik-Festival geht los und damit der Dauerregen – oder doch nicht? Die BZ hat untersucht, was eigentlich dran ist an der städtischen Bauernregel.

Mitten im Sommer, wenn das Zelt-Musik-Festival beginnt, holen die Freiburger ihre Gummistiefel aus dem Keller. Mit dem ZMF wird das Wetter in der sonnigen Stadt schlagartig mies – das ist die städtische Bauernregel: Tönt auf dem Mundenhof der Bass, werden alle nass. Aber ist das ZMF-Wetter auch in Wahrheit so schlecht wie sein Ruf? Nein, lautet das überraschende Ergebnis einer Analyse.

1983 fand das ZMF zum ersten Mal statt, und selbst Festivalgründer Alexander Heisler erzählt, dass die erste Auflage die einzige war, die komplett trocken blieb. Mehr noch: Es soll so heiß gewesen sein, dass die Geige eines Berliner Philharmonikers litt und repariert werden musste. Und 1986 soll es so kalt gewesen sein, dass sich Pianist Vladimir Ashkenazy mit Handschuhen warmspielte. Das ZMF und sein Wetter. Darüber gibt es viele Geschichten, die meisten handeln von Regen. Und wie war’s echt?


Niederschlagsdaten der vergangenen 34 Jahre

Um dieses Frage zu beantworten, hat der Deutsche Wetterdienst für die BZ die Niederschlagsdaten in den Freiburger Sommern der vergangenen 34 Jahre herausgesucht. Die Daten zeigen, wie viele Liter am Tag pro Quadratmeter an der DWD-Messstation gefallen sind. "Über den ganzen Tag", erklärt Ulrich Kümmerle vom DWD Freiburg. Ob’s abends und auf dem Mundenhof regnete, geht aus der Tabelle nicht hervor, aber eins ist sicher: "Bei null Niederschlag war’s definitiv trocken."

Legt man die Festivaltage über die Datentabelle, werden Hochs und Tiefs deutlich: Bei den ZMF-Terminen, die – mal früher, mal später im Jahreskalender – stattfanden, und bei den Regenmengen. Tatsächlich konnte das Publikum 1983 nahezu trocken rocken, aber nicht ganz: In den 17 Tagen, an denen das Festival stieg, fielen insgesamt 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Das erste ZMF begann erst am 1. Juli. Das zweite schon Ende Mai und das vierte am frühesten – und beide mit einem Regentag, der sich gewaschen hatte: 36 und 18 Liter fielen auf den Quadratmeter. Es gab immer wieder nasse Starts, aber auch trockene und ganze regenarme ZMF-Saisons, aber vermutlich hatte das Festival seinen Ruf schon weg. Der wurde von ein paar Malen verfestigt, die wieder ins Wasser fielen – zum Beispiel die im Jahr 2001 mit dem Titel "Zeltsonne": Am ersten Tag goss es wie aus Kübeln – über 56 Liter, ein paar Tage später fegte Orkan Willi über die Stadt und bald darauf schüttete es wieder kübelweise.

Bisher gab’s kein ZMF, an dem es nicht geregnet hat

Doch nicht immer ist Sonne gut, der Hitzesommer zwei Jahre später sorgte für Brüten im Zelt. Als heißester Sommer aller ZMF gilt der 2015, der auch der bisher trockenste war: Es regnete nicht einmal 6 Liter und war Kontrastprogramm zum Vorjahr mit den nassesten Zelten der ZMF-Geschichte: 145 Liter. Das ist viel mehr als in einem ganzen durchschnittlichen Freiburger Sommermonat.

Die Analyse zeigt: Bisher gab’s kein ZMF, an dem es nicht geregnet hat. Dieter Pfaff schüttelt den Kopf. Er ist beim ZMF Technikchef und der Mann fürs Wetter. "Wir hatten im WM-Jahr 2006 keinen Regen während der Veranstaltungen", erinnert er sich. "Ich hatte das ganze Festival Sandalen an." Bis dahin trug er immer stabiles Schuhwerk. "Gummistiefel hab ich nie angehabt", stellt Pfaff klar. Ansonsten gelte: Das Festival dauere jedes Mal um die 20 Tage – "da regnet’s halt mal". Die meisten Regentage gab’s 1991, nämlich 14 von 18 Festivaltagen. In den ersten 15 Jahren fand das ZMF früher statt, sagt Pfaff. "Zum Teil schon im Mai, das ist die Regenzeit gewesen." In den vergangenen Jahren verschob sich die ZMF-Saison auf Juli – und wurde trockener, meint Pfaff: "Wir sind später, aber wir haben auch längere Trockenperioden." Stichwort Klimawandel. Allerdings war ausgerechnet die nasseste ZMF-Version die 2014, die am allerspätesten losging. Keine Regel ohne Ausnahme? "Bei uns draußen hat es in dem Jahr nicht so viel geregnet", ist Pfaff sicher. Tatsächlich wird’s ZMF nach 2001 tendenziell trockener. In den Regendaten für die kompletten Sommer sieht Meteorologe Kümmerle statistisches Grundrauschen. "Wenn man darin überhaupt was erkennen möchte, ist die Wahrscheinlichkeit für hohe Tagesniederschlagssummen im Frühsommer etwas höher und nimmt zum August hin langsam ab."

Pfaff hat Prognosen, Blitz- und Unwetterwarnungen fürs Festival immer fest im Blick. Der Bauingenieur weiß, dass es auch was Subjektives ist. Und was schätzt er, wie oft es beim ZMF in all der Zeit schlecht und recht war? "Halbe-halbe, wobei die ersten Jahre wirklich reingehauen haben."

Wie soll das Wetter diesmal ausfallen?

Tatsächlich ist das Ergebnis erstaunlich. Rechnet man die durchschnittliche Regenmenge der Freiburger Monate auf die jeweiligen Festivaltage um, fallen die meisten ZMF trockener aus: 21 Ausgaben waren weniger nass als sie im Schnitt hätten sein können, zwölf nasser und 2008 war Durchschnitt. Und was prognostiziert Wetterfan Pfaff für diesmal? "Wir haben ’ne typische Sommerwetterlage." Schön mit zunehmender Wärme und Feuchtigkeit. "Also mit Druck im Kessel." Der wird sich Richtung Wochenende mit Gewitter entladen, wobei das Festival über Blitzschutz verfügt, und dann geht’s von vorne los. Zu heiß soll’s nicht werden, sagt Pfaff: Also eigentlich optimales ZMF-Wetter.

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