Selbstversuch

Mit 8 Euro pro Tag in Freiburg überleben – ohne zu kochen

Simona Eftimova

Laut Statistik geben Studierende in Freiburg etwa 171 Euro im Monat für Essen aus. Das macht ungefähr 8, 55 Euro pro Tag. Wie überlebt man damit, ohne zu kochen? fudder-Autorin Simona Eftimova hat es eine Woche lang getestet.

Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes von 2017 zeigt, dass die monatlichen Ausgaben für Lebensmittel von Studierenden in Freiburg etwa 171 Euro betragen. Das macht ungefähr 43 Euro wöchentliche Kosten und genau 8,55 Euro pro Tag für Essen. Wie kriegt man es aber hin, mit nur acht Euro dreimal am Tag zu essen, ohne sich nur von Döner und Pommes zu ernähren? Für was gibt man am meisten Geld aus, wenn man unterwegs ist? fudder-Mitarbeiterin Simona hat es getestet.

Die Regeln
  • 8 Euro pro Tag für Frühstück, Mittagessen und Abendessen
  • Nicht einkaufen gehen
  • Nicht kochen
  • Jeden Tag in die Mensa gehen zählt nicht
  • Fast Food bei McDonald’s, Burger King und Co. scheidet aus

Montagmorgen: Auf Sparmodus drücken

Ich wache wie immer früh auf und nach den üblichen Morgenritualen will ich schnell mein Frühstück vorbereiten. Doch dann fällt mir ein: Ich kann es nicht, weil ich nämlich ab heute für fünf Tage auf meine Koch-Fähigkeiten verzichten muss. Dabei muss ich auf Sparmodus drücken, da ich jeden Tag nur acht Euro zur Verfügung habe. "Ich kaufe mir einfach einen Brezel", entscheide ich spontan und mache mich auf den Weg zum Praktikum. Die Butterbrezel von der Bäckerei ist schön mit zarter Butter beschmiert, aber etwas kalt und trocken – die 1,20 Euro haben sich nicht wirklich gelohnt.

Noch 6,80 Euro

Mit nur noch 6,80 Euro im Geldbeutel und komplett ahnungslos, was ich essen werde, muss ich den Rest des Tages planen. Die Entscheidung ist schwer zu treffen – wenn ich mir jetzt eine warme Suppe hole, dann muss ich die nächsten Stunden von zwei Scheiben Brot und einer Banane überleben. Deswegen gebe ich die Idee mit der Suppe auf und gehe direkt zum Metzger für ein Fleischkäsebrötchen. Dazu kommt ein Curry-Quinoa-Salat vom Supermarkt, der super aussieht, aber wegen der übertriebenen Menge Gewürzen nicht so gut schmeckt. "Kreativer muss ich sein", denke ich auf dem Weg zum Café Michelangelo, wo ich die letzten drei Euro meines Budgets für eine klassische Pizza Margherita ausgebe.

Dienstag: Besser vorbereitet

Für den Dienstag bin ich deutlich besser vorbereitet und habe die ersten zwei Mahlzeiten zu dem Preis von 4,94 Euro besorgt. Obwohl ich auf Kuhmilchprodukte verzichte, esse ich zum Frühstück zu meiner Banane einen normalen Joghurt – für einen Sojajoghurt hätte das Geld nicht gereicht. Opfern muss man schon. Das Mittagessen bekomme ich bei Edeka in Form eines grünen Salates mit Ziegenkäse, drei Stückchen Apfel und viereinhalb Walnüssen. Nun muss ich mich nur noch um das Abendmenü kümmern.

3, 46 Euro fürs Abendessen

Am späten Nachmittag kriege ich die ersten Hungersignale, dabei fällt mir ein, dass ich noch einen Apfel im Rucksack habe. Er war für gestern als Nachtisch nach meinem köstlichen Mittagessen geplant. Heute ist er der super Snack für Zwischendurch – gesünder geht’s nicht. Das Abendessen besteht aus Hummus, einem Brötchen, einer Gurke und Cup Nudeln. Insgesamt bezahlt: 3,46 Euro. Das Budget wurde mit 58 Cent überschritten, aber die Hälfte von Gurke und Hummus liegen noch im Kühlschrank und werden an einem anderen Tag konsumiert. Der zweite Tag wird von Erfolg gekrönt.

Mittwoch: Wenn der Hunger ruft

Eineinhalb Monate später zahlt sich meine Entscheidung, Kaffee aufzugeben, endlich aus. Sonst wäre ein Drittel meines Taggeldes schon mit dem Sonnenaufgang weg. Für die Kaffeesüchtigen wäre es fast unmöglich, mit acht Euro am Tag auszukommen. Nach einer Stunde Buti-Yoga-Unterricht aber brauche ich den Wachmacher, sonst kann ich "Tschüss" zu meiner Produktivität sagen. Zum Glück bezahlt man in der fudder-Redaktion nur 30 Cent für eine Tasse Kaffee – die Rettung meines Budgets. Mit den übrigen 3 Euro gönne ich mir heute Abend etwas Besonderes.

3 Euro für die Studentenbox

Drei Stunden später sitze ich total erschöpft zu Hause und auf dem Tisch liegt die Studentenbox von Mekong, dem asiatischen Schnellrestaurant bei der Uni. Für genau drei Euro kriegt man dort eine kleine Box mit viel Reis, etwas Hühnchen und Gemüse – nichts Besonderes, aber lecker. Gerne hätte ich ein bisschen mehr, aber wenn der Hunger ruft, darf man sich nicht beschweren. Noch zwei Tage to go.

Donnerstag: Das Ende naht

Nach drei Tagen gewöhne ich mich langsam an das Experiment und habe meistens jede Mahlzeit geplant. Außerdem werde ich immer besser beim schnellen Rechnen, was eine riesige Errungenschaft ist. Der Donnerstag geht schnell und problemlos rum, aber abends stehe ich vor einem Dilemma im Supermarkt – Brot oder Getränk zu meinem Salat? Da ich tagsüber genug Teigwaren konsumiert habe, entscheide ich mich für die kleine Dose Saft, die in ihren 300 Millilitern etwas mehr als den täglichen Zuckerbedarf enthält. Darauf dürfen wir jetzt uns nicht konzentrieren – Hauptsache, der Donnerstag ist geschafft!

Freitag: In der Mensa

Am Freitag bin ich sehr dankbar für die riesige Portion Gemüselasagne und den luftigen Donut zum Nachtisch in der Mensa, die mich noch ein paar Stunden satt machen. Abends genieße ich das letzte Stück meiner Pizza zu Hause und denke, wie einfacher das ganze Experiment gewesen wäre, wenn ich jeden Tag in der Mensa gegessen hätte. Allerdings wäre auch viel langweiliger, wenn ich nur Fotos von dem Mensaessen gemacht hätte.

Fazit: Was habe ich gelernt?

Obwohl ich die kleinen Zwischenmahlzeiten vermisst und mit den ganzen Fragen nach Kassenzetteln die Verkäufer in der Bäckerei sicher genervt habe, halte ich den Versuch für mich persönlich sehr sinnvoll. Ich würde es tatsächlich empfehlen, ab und zu mit nur acht (oder fünf) Euro morgens rauszugehen und zu versuchen, das Beste daraus zu machen.

Klar, man vermisst das Ausgehen mit Freunden und die zweite Tasse Cappuccino, aber manchmal schadet es nicht, etwas sparsamer zu sein und das Verhältnis zum Essen wieder neu zu ordnen. So lernt man, die kleineren Sachen im Leben zu schätzen – den vergessenen Apfel im Rucksack, die Schokolade, die man vom Mitbewohner geschenkt bekommt, oder die Farbe des Himmels. Schnulzig, aber wahr.
Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2017 gibt Auskunft über die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland. Mehr Information zum Bericht findet man unter sozialerhebung.de.

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