Christbaumverleih

Mieten statt kaufen: Wo Weihnachtsbäume eine zweite Chance bekommen

Sarah Beha

Als Kunden ihm sagten, sie wollen keine Baummörder mehr sein, hatte ein Freiburger Christbaumhändler eine Idee: Statt zu verkaufen, leiht er seine Tannen jetzt auch aus.

Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in Deutschland verkauft – und fast genauso viele landen nach den Feiertagen im Müll. Eine schöne Tradition finden die einen, eine große Verschwendung die anderen. Jürgen Rühlemann aus Freiburg verkauft schon seit Jahrzehnten Weihnachtsbäume. Seit mehr als vier Jahren versucht er, es beiden Seiten Recht zu machen.


In der Adventszeit sieht Rühlemann die Arbeit vor lauter Christbäumen nicht. Dicht an dicht liegen oder stehen sie auf seinem Verkaufsplatz an der Ecke von Paduaallee und Breisgauer Straße in Freiburg-Lehen und warten darauf, ihre letzten grünen Tage festlich geschmückt in einem Wohn- oder Esszimmer zu verbringen.

"Das ist ein Baum mit Anwachsgarantie" Jürgen Rühlemann
"In den letzten Jahren sind immer wieder Leute zu mir gekommen, die sowas sagten wie, sie wollen keine Baummörder sein", erzählt Rühlemann. Ein schlechtes Gewissen habe ihn deshalb zwar nicht geplagt, aber der erfahrende Christbaumverkäufer entdeckte einen neuen Geschäftszweig. Deshalb stehen auf dem großen Platz in einer kleinen Ecke neben dem Zelt für den Lehener Wochenmarkt ein paar kleine Bäumchen in schwarzen Töpfen. Nordmannstannen, die gemietet werden können.

"Das ist ein Baum mit Anwachsgarantie", sagt Rühlemann, zieht mit einem Schwung das Bäumchen aus dem Topf und zeigt die vielen kleinen Wurzeln, die die schwarze Erde zusammenhalten. Denn nach Weihnachten trifft den Baum nicht dasselbe Los wie seine abgehauenen Kollegen. Statt in die Tonne geht es für ihn in den Wald, beziehungsweise in die Baumparzelle oder in den Garten seiner Neubesitzer.



Stolze 39 Euro kostet das Bäumchen, das nicht von Rühlemann selbst, sondern von einer Firma im Topf großgezogen wird. Wird der Baum Mitte Januar zurück gebracht, bekommen die Kunden 10 Euro erstattet. "Rund ein Drittel geben den Baum zurück", erzählt er. Die restlichen Kunden pflanzten den Baum wohl selbst ein. Von den 150 Mietbäumen, die er in diesem Jahr angeschafft hat, hat er schon die meisten verkauft. "Die Nachfrage wird jedes Jahr größer."

Damit die neuen Baummieter auch gut mit der Tanne umgehen, erhalten sie mit dem Kauf eine kleine Anleitung. Denn nur gesunde Bäume werden nach Weihnachten wieder entgegengenommen. Wichtigste Regel? Auf keinen Fall die Spitze abschneiden! Natürlich muss der Baum auch regelmäßig gegossen werden, "und einen allzu schnellen Temperaturwechsel mag er auch nicht", warnt Rühlemann. Kleinere Schäden durch Wachskerzen würden sich aber wieder verwachsen.



"Denken Sie daran: Sie haben einen lebenden Freund erworben", heißt es in der Anleitung. Diesen Ratschlag beherzigten viele Kunden. "Manche Familien machen sogar eine kleine Schleife um die Tanne, wenn sie sie zurückbringen und fragen mich, ob sie den Baum auch mal besuchen dürfen", erzählt Rühlemann. In die Tat umgesetzt hätte das bisher aber noch niemand.

Ein Wiedersehen mit dem Bäumchen kann es nach ein paar Jahren allerdings schon geben. Nämlich dann, wenn aus ihm ein stattlicher Weihnachtsbaum geworden ist. Denn die Bäume, die Rühlemann in seiner Parzelle einpflanzt, verwendet er natürlich ein zweites Mal. Und spätestens dann wird der Baum gefällt.

Als einen Baummörder sieht sich Rühlemann deshalb trotzdem nicht. "In der Zeit, in der der Baum bei mir wächst, reinigt er die Luft. Außerdem pflanze ich ja immer wieder Bäume nach." So ein Weihnachtsbaum erhalte das ganze Jahr über sehr viel Pflege und Aufmerksamkeit, schließlich ist das Rühlemanns Hauptgeschäft.