Metallica in Basel: Rocken mit den Altstars

Alexander Ochs & Florian Forsbach

Die Godfathers des Metal waren gestern in Basel: Metallica. Mit dabei: fudder-Autor Alexander Ochs und Fotograf Florian Forsbach. Text & Fotos:

Jenseits der 50 noch rocken? Heute ganz normal, die Stones machen’s vor. Auch die Herren von Metallica nagelten im ausverkauften Joggeli ein Brett nach dem anderen an die Stadionwand oder wahlweise den Nachthimmel.

Wohl dem, der einen sitzen hat! Auf dem Fahrersitz, versteht sich. Denn die Veranstaltung mit vier Bands zieht sich auf, wenn man früh eintrifft, epische Maße von acht Stunden Länge. 40.000 sind gekommen, um ihren Heroen zu huldigen – Alt-Metall und Junggemüse. Wenn man bedenkt, dass die Band ihre besten und kreativsten Jahre etwa zwischen Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre hatte, haben erstaunlich viele jüngere Metalfans den verstopften Weg ins rappenvolle (sic!) Joggeli gefunden. Berappen für das Ticket musste man den helvetischen Pappenstiel von 130 bis 150 Franken, also über hundert Euro.

Alles andere als schwarz ist kleidungstechnisch fehl am Platz, dunkelbraune Schuhe vielleicht ausgenommen. Einige Mutige sprenkeln den Abend bunt mit einem Hauch Authentizität jenseits des branchenüblichen Dresscodes. Hoch im Kurs: T-Shirts von Iron Maiden, Sepultura und Black Sabbath; zur Not auch Volbeat. Im heißen Bratrohr des St. Jakobspark fließt das Bier (für sechs Stutz) in Strömen. Dafür bringt es ein Laufbursche brav an den eigenen Stehplatz.

Als die Band gegen neun dann loslegt, ist die Luft elektrisch geladen. Vergessen all die aggressiven Blicke, die heftigen Grasschwaden und die verschütteten Biere! Dass Rhythmusgitarrist und Sänger James Hetfield auch vom vorderen Stadiondrittel aus betrachtet nur etwa einen Millimeter groß wirkt, machen riesige LED-Leinwände (über 360 Quadratmeter) wett, über die er und seine Mitstreiter, aus vier Kamerapositionen gefilmt, bis ins hinterste Stadioneck flimmern.

Energiegeladen, druckvoll, auch mit 50 aufwärts noch vor Spielkraft strotzend, nagelt die Kult-Metalcombo erst Battery, dann Master Of Puppets und Welcome Home (Sanitarium) mit dermaßen lupenreiner Präzision an die Wand, dass etliche Nachwuchsbands sich vielleicht doch fürs spontan Verkriechen entscheiden. Spieltechnisch perfekt, da macht den vier Bühnenberserkern keiner was vor.

Die Setlist haben vorab die Fans festgelegt durch sogenanntes Voten, wobei sie einen guten Geschmack an den Tag legen: das volle Metallica-Paket eben. Auch wenn man sich kurz fragt: Verwalten die Musiker einfach nur ihr Erbe oder retten sie es hinüber in die Jetztzeit? Egal. Als Hetfield, Trujillo, Hammett und Ulrich „Ride The Lightning“ anstimmen, zucken erste Blitze vom Himmel. Schlagartig setzt der Regen das Stadion unter Wasser und zeichnet Uecker’sche Striche im Scheinwerferlicht. Von vorne zacken und zerlegen grellgrüne Stakkato-Laserstrahlen das Stadionrund in Punkte und Linien. Gigantisch! Mit raunendem „Wow!“ begleitete Blitze oben, das Laser- und Soundspektakel unten: eine perfekt aufeinander abgestimmte Show. Und der Jubel wird nasser.

Die reinste Mitgröl-Orgie. Creeping Death. Lords Of Summer. Whiskey In The Jar. Nothing else matters. Enter Sandman. Exit Metalmän. Als Zugabe serviert das Quartett St. Anger, das noch während des Gigs per SMS „votebare“ Orion und Seek & Destroy. Ein unvergesslicher Abend mit fast zweieinhalb Stunden purer Spielfreude.

Foto-Galerie: Florian Forsbach

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