meinNachbar.net wird kostenpflichtig - heimlich

Christian Deker

Nachdem das Studenten-Netzwerk studiVZ seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in der vergangenen Woche änderte, hat nun auch das Online-Netzwerk meinNachbar.net die Vorweihnachtszeit genutzt, um neue Nutzungsbedingungen einzuführen. Ab dem 29. Dezember müssen alle Nutzer neun Euro im Monat bezahlen – und das mindestens zwei Jahre lang.



Oft kennen sich die Menschen gar nicht persönlich, die Tür an Tür wohnen. Dabei sind sie sich doch ständig so nah. Auf diesen Umstand der modernen Zivilisation baut das soziale Netzwerk meinNachbar.net, indem es Beziehungen herstellen will zwischen Gleichgesinnten jeder Alters- und Interessensgruppe, die in unmittelbarer Nähe wohnen und trotzdem noch nichts voneinander wissen (fudder berichtete).


Was bisher völlig kostenlos und web-zwei-nullig war, soll im Neuen Jahr zum profitablen Geschäftsmodell mutieren. Offenbar erhielten alle meinNachbar-Nutzer am 14. Dezember eine E-Mail, in der es vordergründig um die Themen Weihnachten und Jahresende ging. Versteckt im vierten Absatz war allerdings zu lesen, dass das Portal ab 29. Dezember kostenpflichtig werde. Neun Euro pro Monat, die halbjährlich im Voraus zu entrichten seien. Laut AGB sollen die neuen Verträge eine Laufzeit von zwei Jahren haben – somit summieren sich die Kosten einer Mitgliedschaft auf satte 216 Euro.

Warum das Online-Netzwerk plötzlich Geld von den Nutzern verlangt und die Kostenpflichtigkeit darüber hinaus so heimlich einführt, muss vorerst im Reich der Spekulationen bleiben. meinNachbar.net reagierte auf mehrere Anfragen von fudder nicht. Der Betreiber ist eine Firma namens „netsolution FZE“ mit Postfachadresse in Dubai. Serviceanfragen sollen laut Impressum in die Schweiz geschickt werden. „netsolution“ sorge seit zwei Monaten mit der Seite nachbarschaft24.net für Beschwerden von Verbrauchern, berichtet Augsblog.de. Die Firma verschicke nämlich Rechnungen für angeblich abgeschlossene, kostenpflichtige Mitgliedschaften.

In der Blogosphäre wird zudem vermutet, dass ein Passus in den AGB zur Folge haben könnte, dass das Widerrufsrecht für meinNachbar-Nutzer faktisch nicht mehr existiert. Laut AGB erlösche das Widerrufsrecht nämlich sofort, sofern man die bereitgestellten Leistungen in Anspruch nehme (z.B. Downloads) oder Informationen übermittle, die zur Ausführung der Dienstleistung benötigt werden. „Im Prinzip erlischt das Widerrufsrecht also mit dem ersten Klick nach der Registrierung“, schreibt zweinull.cc. Es gebe nur einen sicheren Weg, sich die neun Euro im Monat zu sparen: das Profil komplett zu löschen.

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