Meine Meinung: Zwölftklässlerin Jana findet, Schüler brauchen mehr Freizeit

Jana S.

"Die Schulzeit ist ein Lotterleben! Du wirst erst merken, wie toll sie ist, wenn du irgendwann richtig arbeiten musst." Wer kennt diese Behauptung nicht? Aber ist das Schulleben heutzutage wirklich so ein Klacks? fudder-Praktikantin Jana sagt als Betroffene: Nein! Und fordert mehr Freizeit für Schüler.



Den Tagesablauf kennt wahrscheinlich jeder. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, es wird sich fertig gemacht, ein schneller Kaffee getrunken und ab geht’s zum Bus. In der Schule angekommen, geht es auch schon los. 90 Minuten Frontalunterricht mit einer extrem motivierten aber wenig motivierenden Lehrerin. Zurück gibt es die Klausur, die mal wieder „ein bisschen enttäuschend“ ausgefallen ist. Dann wird sich abgerackert, beim Schreiben oder Rechnen.


Und so geht der Tag weiter, mit ein paar Pausen, in denen man aber zu kaputt ist, um irgendetwas Sinnvolles zu tun. Am späten Nachmittag endlich der erlösende Gong. Eine gute halbe Stunde Heimweg und zu Hause erstmal Hausaufgaben machen. Hobbys? Keine Zeit. Um halb sieben gibt es Abendessen, dann wird geduscht, 30 Vokabeln gelernt, eventuell noch ein Stündchen Fern geschaut und ab ins Bett.

Klingt nach einem gut strukturierten Tag. Aber was fällt auf? Ganz klar: keine Freizeit. Sicher, wir haben viele Pausen, aber mit Freizeit kann man das keinesfalls vergleichen. Und die Ferien hat man sich nach diesem Stress wirklich verdient. Natürlich könnte man mir jetzt vorwerfen, ich sei eine faule Schülerin, die sich mit nichts zufrieden gibt. Aber bedenkt man die Probleme, die mit dem Tagesablauf verbunden sind, versteht man mich vielleicht besser.

Schüler, besonders Gymnasiasten kurz vor dem Abi, stehen täglich unter großem Druck. Das wirkt sich auf die Laune aus. Die Eltern reden ungern mit ihren Kindern, weil diese nur patzige Antworten geben und ständig jammern. Auf der anderen Seite wünschen sie sich, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Denn nach der Schule verlassen viele ‚Kinder’ das „Hotel Mama“ und sind dann vielleicht weiter weg von zu Hause. Aus diesem Grund esse ich beispielsweise nicht in der Schulmensa. Das klingt banal, aber abgesehen davon, dass das Essen dort nicht schmeckt, möchte ich Abends auch mal Zeit mit meinen Eltern verbringen.

Leider machen diese zusätzlichen Druck, in dem sie uns bei jeder Beschwerde über die Schule predigen, wie früh sie damals ihre Ausbildung begonnen haben und dass sie in unserem Alter bereits vier Jahre gearbeitet haben. Aber: Kann man damals noch mit heute vergleichen? Ich finde nicht. Die Ansprüche sind heute viel höher und die Einstiegschancen viel geringer. Es ist wichtig, den bestmöglichen Notenschnitt zu haben. An Spitzen-Unis wie der unseren kommt man nicht weit, wenn man nicht mindestens 1,3 hat. Wenn ich aber trotzdem gerne Medizin oder Jura studieren will, habe ich schlechte Karten. Da hat man also ein super Abi, auf das man sich jahrelang vorbereitet hat, und es bringt nichts.

Die wichtigste Zeit verbringen wir mit Lernen. Und wenn alles vorbei ist, merken wir, dass wir eigentlich gar nicht richtig gelebt haben. Natürlich machen wir das, um später den größtmöglichen Erfolg im Beruf zu haben und eine Familie versorgen zu können. Aber ist das notwendig? Müssen wir wirklich all unsere Freizeit aufgeben? Und damit sind nicht Partys und Saufgelage gemeint, sondern selbstverständliche Dinge wie Hobbys und Familie. Wenn es den Schulsport nicht gäbe, würden sich viele junge Menschen gar nicht mehr bewegen. Viele Schulen bieten zwar Freizeitangebote an, aber man will ja auch mal Abstand haben vom Alltag.

Außerdem ist es wichtig, Freunde zu haben. „Soziale Kontakte pflegen“, wie es so schön heißt. Dafür sollte eigentlich am Wochenende Zeit sein. Da muss ich meine Freunde dann aber vertrösten. Entweder muss ich eine sogenannte Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen (GFS) zu Ende bringen oder ich bin zu müde, um die ganze Nacht lang zu tanzen. Oder ich kann es mir ganz einfach nicht leisten. Denn: Zeit für einen Nebenjob habe ich keine.

Wenn ich dann mal Zeit für meine Freunde finde, kann ich sie trotzdem nicht genießen. Im Hinterkopf ist immer etwas, das meine Laune abkühlen lässt. Zum Beispiel die anstehende Mathe-Klausur, für die ich eigentlich Nachhilfe bräuchte - aber durch den vollen Stundenplan ist das nicht machbar. Auch dafür geht das Wochenende drauf. Aber dann frag ich mich, ob es gesund ist, nur noch zu lernen. Ich bin meinen Eltern und Freunden jedenfalls sehr dankbar dafür, dass sie meine Launen ertragen.

Es gibt beinahe nichts mehr, was man wirklich als Freizeit bezeichnen kann, und allmählich vergessen Schüler, dass sie das Abi eigentlich nur für sich selbst machen. Natürlich gibt es während der Schulzeit auch besondere und schöne Erfahrungen. Man lernt viele neue Leute kennen und wird um einige Erfahrungen reicher. Würde mich allerdings in 30 Jahren jemand fragen, ob ich die Schulzeit vermisse, wäre die Antwort nicht direkt ein Ja. Denn: Es ist nicht die Schule, die man vermisst, es sind die Menschen, mit denen man dort ist.

Ich will mehr Freizeit! Und das im Sinne vom Vermeiden von Stress innerhalb der Schule durch weniger anspruchsvolle Lehrpläne, kleinere Klassen und mehr Verständnis für die Schüler. Übt die Schule keinen großen Druck mehr auf uns aus, sind wir zu Hause weniger gestresst und können uns voll und ganz um unsere Familie und Freunde kümmern. Und ganz besonders auch mal um uns selbst.

Zur Person

Jana (18) hat im März ein BOGY-Praktikum bei fudder absolviert. Sie ist Schülerin an einem Gymnasium in Freiburg und besucht die zwölfte Klasse.

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