Meine Meinung: Wir müssen Social Media endlich in den Unterricht integrieren

Dejan Mihajlovic

Weniger Angst und Verschlossenheit, mehr Neugier und Integration wünscht sich Dejan Mihajilovic, wenn es um den Umgang mit Social Media in Schulen geht. Der Realschullehrer und Vater von vier Kindern ist in der Medienbildung aktiv - und lädt zur Podiumsdiskussion ein.



Die schlechte Nachricht zuerst

Mit zunehmender Nutzung sozialer Netzwerke stieg vor einigen Jahren auch die Verzweiflung in deutschen Wohn- und Lehrerzimmern. Man grübelte über die Frage, wie man damit umgehen soll. Eltern und Pädagogen waren um die Sicherheit und das Wohl ihrer Kinder besorgt. Die ersten Datenschutz-Debatten und Cybermobbing-Fälle zementierten letztendlich rasch ein Grundgefühl der Angst und Verschlossenheit, das sich bis heute hartnäckig gehalten hat.

Um mögliche Missverständnisse auszuräumen: Ja, auch ich wünsche mir ein gesundes Maß an Sicherheit für meine vier Kinder und kümmere mich auch um deren Wohl. Nur bin ich überzeugt, dass man beides weder mit Verboten noch mit Angst erreichen kann. Leider dominieren genau diese zwei Dinge das heutige Bild an Schulen (Baden-Württembergs): Smartphone- und Social Media-Restriktionen, die Sicherheit und Kontrolle vortäuschen, wohin man blickt.

Der aktuelle rechtliche Stand basiert auf einer Handreichung - Der Einsatz von "Sozialen Netzwerken" an Schulen -  des Kultusministeriums, die 2012 die Lehrerzimmer erreichte. Erleichtert las damals ein Großteil der Lehrkräfte, dass es verboten ist, mit Schülern und Kollegen über soziale Netzwerke zu kommunizieren. Man darf sie aber nutzen, um die Funktionsweise, Vorteile, Nachteile und Risiken pädagogisch aufzuarbeiten. Ich übersetze: Zeigt den Schülern, wie Wasser aussieht und übt im Trockenen, wie man schwimmt.

Das Problem war damit vom Tisch und wurde in die nicht moderierten heimischen Kinder- und Jugendzimmer outgesourct. Seitdem gibt es ab und zu mal einen Cybermobbing-Fall in einer WhatsApp-Klassengruppe oder einen problematischen Post bei Facebook, der sich ins Lehrerzimmer verirrt und zur Einladung von Experten führt, die in einem Vortrag an der Schule über die Gefahren und rechtlichen Folgen aufklären und gerne auch einschüchtern.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2016. Schüler konsumieren TV-Angebote über diverse Internet-Kanäle, kommunizieren bei WhatsApp lieber über Sprachnachrichten, snappen im Minutentakt und posten perfekt inszenierte Bilder bei Instagram. Das Smartphone und das Netz haben sich noch weiter aus dem Kenntnisfeld vieler Eltern und Lehrkräfte entfernt. Die damals erhoffte Kontrolle der Lage war trügerisch. Wie und wo das Leben der jungen Menschen stattfindet ist nun für die meisten Erwachsenen ein großes Fragezeichen.

Und jetzt? Wir stehen vor zwei Möglichkeiten. A.) Man macht weiter, wie bisher, und hofft, dass jemand das Internet löscht. B.) Man beginnt sich endlich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Welt der Jugendlichen in die Schule zu integrieren. Damit spreche ich nicht nur die Lehrkräfte an, sondern alle Akteure. Medienbildung und politische Bildung sind heute nicht mehr voneinander zu trennen und gehen daher jeden was an. Ich sehe hier eine gesellschaftliche Herausforderung, der wir uns, Lehrer, Eltern und Schüler, schon gestern hätten stellen sollen.

Die gute Nachricht

Falls ihr in Freiburg oder Umgebung wohnen solltet, habe ich eine gute Nachricht für euch. Es gibt bereits einige Lehrkräfte, die seit Jahren zeigen, wie man soziale Netzwerke erfolgreich im Unterricht einbinden und Medienbildung erreichen kann. Die Koryphäe in diesem Bereich, Philippe Wampfler, wird euch am Dienstag ab 19.30 Uhr im Grünhof, im Rahmen einer Podiumsdiskussion von D64, alle Fragen gerne beantworten und Einblicke in seine Arbeit geben. Grundsätzlich empfehle ich allen, die mehr Informationen zu dem Thema suchen, ihm beiFacebook und Twitter zu folgen oder seinem Blog zu abonnieren. Ihr habt nun die Wahl. Und falls ihr mich suchen solltet, findet ihr mich im Team B.

Zur Person



Dejan Mihajlovic (39) ist Lehrer an einer Realschule in Freiburg und Vater von vier Kindern. Die restliche Zeit verbringt er damit, sich politisch zu engagieren und die Digitalisierung im Bildungsbereich aktiv mitzugestalten. Er ist Mitglied bei D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt.

Mehr dazu:

Was: Social Media in der Schule - Impulsvortrag von Philippe Wampfler, anschließend Diskussion
Wann: Dienstag, 23. Februar, 19.30 Uhr
Wo: Grünhof Freiburg
Eintritt: frei
[Foto 1: Fionn Große / Foto 2: Rawpixel.com/Fotolia.com]