Meine Meinung: Ronald Wendorf von "Freiburg ohne Papst" ärgert sich über den Papstbesuch

Regina Kleissler

Jetzt isser da: Seit Donnerstagmittag ist Papst Benedikt XVI. in Deutschland. Im Bundestag war er schon, am Abend wurde Messe im Olympiastadion gefeiert, am Freitag geht's nach Thüringen - und damit beginnt auch der Countdown für Freiburg. Welche Erwartungen, welche Gefühle stellen sich unmittelbar vor der Ankunft des Papstes in Freiburg ein? Ronald Wendorf von der Initiative "Papst ohne Freiburg" ärgert sich über den Besuch von Papst Benedikt XVI.

[Disclaimer: Dies ist weder Ronald Wendorfs T-Shirt, noch sein Anhänger]

Der Papst ist in Freiburg bei den Katholiken willkommen. Aber als Gastgeber muss man sich auch erlauben, kritisch zu sein, eine kritische Position zu vertreten und einen wirklichen Dialog zu führen. Der Papstbesuch schafft ein tiefes Bewusstsein für religiöse Fragen und führt dazu, dass man sensibel wird für Fragen nach Mitbestimmung und Demokratie. Und natürlich auch für philosophische Fragen: Wer bin ich? Was kann ich? Was sind Ethik und Moral? Das sind große Wörter, die jetzt wieder in den Mund genommen werden. Da ist Freiburg anscheinend sehr offen, und der Papstbesuch fördert den Dialog um solche großen Themen.


Die katholische Kirche ist ein schwieriger Dialogpartner, weil die Glaubensbekenntnisse an sich nicht zu diskutieren sind und die Welt der katholischen Kirche scheinbar unverhandelbar ist. Ich denke, dass die katholische Kirche keine gegenwartsbezogenen Dialoge mehr anbieten kann.

Seit zwei Monaten bin ich deshalb Unterstützer des nicht-konfessionellen, nicht-parteilichen Bündnisses „Freiburg ohne Papst“, das es sich zum Anliegen gemacht hat, eine kritische Position zur katholischen Kirche einzunehmen. Wir sind Dialogpartner und kritische Streiter in Bezug auf Themen wie Konfession und Trennung von Kirche und Staat. Wobei man mit Blick auf die Kirche zwischen zwei Kritikebenen unterscheiden muss. Erstens, die innerkirchliche Kritik: Das ist der Dialog, den die Kirche selbst für sich führen muss. Zweitens, eine gesellschaftliche Kritik: Die katholische Kirche befindet sich mit anderen Ideen in Konkurrenz und muss auf Sachargumente reagieren. Das tut sie aber nicht: Das ist ihre Trotzhaltung.

Freiburg wird als Bühne für die katholische Kirche genutzt. Die Katholiken sind aber nicht in der Anzahl, dass sie die ganze Stadt für sich vereinnahmen dürfen. Es gibt eine breite Öffentlichkeit, die den Papst gerne begrüßt. Ich sehe aber auch – gerade in diesem Bündnis – dass es eine breite, viel verzweigte Öffentlichkeit gibt, die den Papstbesuch nur mit Kritik bis hin zur Ablehnung ertragen beziehungsweise begleiten möchte.

Wir haben bei weitem mehr Unterschriften gesammelt und Bündnispartner gefunden, als wir uns erhofft hatten. Ich bin deswegen einerseits stolz auf das, was die Rosa Hilfe geschafft hat. Andererseits bin ich erschrocken darüber, mit wie viel Distanz uns begegnet wird. Ich finde es unverschämt, dass das Rathaus auf uns abweisend reagiert hat und dass der Bürgermeister unverhohlen von einer breiten Freude spricht, die es so in Freiburg nicht gibt.

Für die gläubigen Katholiken ist das sicher ein bedeutendes Event, von dem sie zehren und Erinnerungen haben werden. Aber ich denke nicht, dass es eine breitere und tiefere Bedeutung für Freiburg selbst haben wird. Für die Zukunft wünsche ich mir eine größere Sensibilität im Umgang mit Staatsgästen, und dass der Bürgermeister kritische Dialoge mit den Gästen zulässt.



Zur Person

Ronald Wendorf ist 27 Jahre alt und studiert Geschichte und Kulturwissenschaft an der Universität Freiburg. Wenn er nicht gerade für "Freiburg ohne Papst" aktiv ist, berichtet er unter anderem auch als Wissenschaftsjournalist für den Osteuropakanal der Uni Freiburg.

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