Meine Meinung: "Nazi-chic" ist geschmacklos und untragbar

Nadja Röll

Hakenkreuze auf Handtaschen, Streifen-Leibchen mit gelbem Stern und jetzt noch Runen auf Blusen. Huch, sagen da Modekonzerne wie Zara und Mango, an Nazi-Symbole haben wir gar nicht gedacht. fudder-Autorin Nadja Röll fragt sich: Wollen die uns für dumm verkaufen?



Das "Hemd mit Blitzmuster" bietet eine Menge Stoff sich aufzuregen: "Wieso hat Mango dieses Modell nur für Damen - es gibt doch auch männliche Nazis…?", schreibt Satiriker Martin Sonneborn auf Facebook. Auf Twitter kommentiert jemand: "Eva-Braun-Kollektion", ein anderer: "Warum gibt es diese Bluse nicht in SS?" Kein Wunder, bleiben da auch Gegenreaktionen nicht aus: "Die Linken suchen wieder einen fadenscheinigen Grund sich zu empören!"


Zugegeben, auf den ersten Blick sieht Mangos neues Blüschen unauffällig artig aus. Bei dem Blitzmuster kann man an Runen denken, muss man aber nicht. Und eine Doppelrune, - Symbol der SS - ist nur zu erkennen, wenn der Kragen so aufliegt, dass das darauf gedruckte Muster und das auf der Brust einen doppelten Blitz ergeben.



Darüber könnte ich noch hinwegsehen. Dass der spanische Modekonzern das Kombi-Paket aus Hemd, Hose und Stiefeln im Online-Shop aber als "Der totale Look" anbietet, das regt mich auf. Vor meinem inneren Auge erscheint unwillkürlich ein Propaganda-Designer, der vom Laufsteg in eine kaufberauschte Masse ruft: "Wollt ihr den totalen Look?"

Über Geschmack lässt sich streiten, darüber nicht: Das Design ist dumm gewählt. Zumal eine andere Modefirma, Zara, im Sommer bereits wegen Nazi-Symbolik in der Kritik stand. Ein Streifenhemdchen mit aufgenähtem gelbem Stern erinnerte an die Kleidung von KZ-Häftlingen. Huch, auf diese Idee sind die Designer nicht gekommen, heißt es aus dem spanischen Unternehmen. Kaum zu glauben.



Und dann war da noch das Kreuz mit dem Hakenkreuz, das zwischen allerlei anderen bunten Mustern auf Handtaschen von Zara gedruckt war. Die Taschen wurden in Indien produziert, rechtfertigte sich das Unternehmen, da stehe das sogenannte Swastika-Symbol für Glück. In Indien, denke ich. Hierzulande symbolisiert es aber das wohl größte Unglück, die größte Tragödie in unserer Geschichte.

Was haben sich die Firmen dabei gedacht? Ganz augenscheinlich wenig. Genauso wenig, wie H&M bei dem Overall, der an die Kampfanzüge kurdischer Soldatinnen erinnert. Oder Urban Outfitters, als sie einen Amoklauf-Pullover auf den Markt geschmissen haben: Um den Schriftzug "Kent State University" waren Blutflecken gedruckt. Eine makabre Anspielung auf eine Schießerei, die 1970 an der Uni stattgefunden hat.

Wer kauft so etwas? In anderen Ländern mag "Nazi-chic" der letzte Schrei sein, statt wie hier für Aufschrei zu sorgen: Das Anstößige, Verbotene muss immer mal wieder herhalten um Aufsehen zu erregen, um achso brave Bürger zu provozieren. Das nennt sich in der  Wikipedia dann Subkultur. Aber in Deutschland? Kaufen Nazis jetzt bei Zara und Mango, statt Boy London? Wohl kaum.

Für mich ist die einzige Erklärung: Für die Modefirmen zahlt es sich aus, von sich reden zu machen. Um jeden Preis. Auch um den, die Gefühle vieler Menschen zu verletzen, indem Symbole des Grauens zu modischen Accessoires werden. Das ist ein Grund sich aufzuregen, sich zu empören!

Und sollte es stimmen, dass die Mode-Konzerne nicht daran gedacht haben, was sie mit diesen Kleidungsstücken bewirken, muss ich sagen: Solche Fehler dürfen nicht passieren. Im Unternehmen muss es doch zumindest einen geben, der nicht nur modebewusst, sondern auch geschichtsbewusst ist. Und der damit verantwortungsvoll umgeht.

Zur Person

Nadja Röll studierte Literaturwissenschaften und Deutsch-Französische Journalistik. Zu dem Diplom in der Tasche kommt Geld durch die Arbeit als Online-Redakteurin: erst für arte, jetzt für das Schweizer Radio und Fernsehen.

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[Foto: Ivan Montero/Fotolia, privat]