Meine Meinung: Macht Party, statt auf eure Handys zu glotzen!

Alexandra Riffel

Partygäste am Handy, virtuelle Megafeten im Netz: fudder-Autorin Alexandra Riffel findet, dass das Smartphone Partys kaputt macht und fordert: Leute, lebt wieder in der Realität!



Am Freitag war ich auf einer Party in Freiburg. Die war so langweilig, dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Umso überraschter war ich, als ich am nächsten Morgen meine Facebook-Timeline gecheckt habe: Auf derselben Party waren danach zu urteilen nämlich nur gutgelaunte, feierlustige und attraktive Menschen. Alle Makel wurden retuschiert, und die miesgelaunten Gesichter (unter anderem meins) mit Tiefenunschärfe unsichtbar gemacht.


Darunter Kommentare wie diese: „Das war ein suuuupertoller Abend!“  und „Ich liiiieb’ dich für die geile Party Party ihres Lebens gewesen. Noch schlimmer finde ich da nur, wenn Partygäste, sogar während sie auf einer Party sind, auf dem Smartphone Bilder von anderen Partys anschauen. Leute, lasst das!

Für viele ist die virtuelle Party aber viel wichtiger geworden als die echte: einmal lächeln, fotografieren, posten und sich dann wieder genervt hinter dem Smartphone verstecken. Manche Leute gehen sogar ernsthaft nur zu Partys oder Events, weil man dort ein tolles Fotoshooting machen kann. Und zwar nur für die Bilder, denn wozu in Wirklichkeit feiern, wenn es bearbeitet  viel besser aussieht? Fassadenglück, könnte man dazu wohl sagen. Neue Leute lernen virtuelle Partygäste so leider nie kennen – wahrscheinlich reichen ihnen aber auch ihre 530 Facebookfreunde.

Die Sucht nach virtueller Aufmerksamkeit

An was das alles liegt, kann ich nur vermuten: Vielleicht ändern sich einfach die Statussymbole. Das Smartphone ist zentraler Bestandteil unseres Lifestyles, sowie es der Walkman für die 80er oder Markenklamotten für die 90er war. Also müssen wir es herzeigen.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Sucht nach virtueller Aufmerksamkeit nur so groß ist, weil wir einfach die Möglichkeit haben, uns dort zu präsentieren. Auch die 70er hätten ihre eventuell Partybilder bei Instagram geteilt, wenn sie es gekonnt hätten.

Vielleicht liegt es aber auch in der menschlichen Natur, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen – und statt sich auf einer Party etwas zu trauen, also tanzen zu gehen und Leute anzusprechen, hinter dem Smartphone zu verstecken.

Diese virtuelle Partykultur macht mir Angst. Wir dürfen doch nicht verlernen, wie man richtig tanzt, wie man den Moment lebt und wie man Geschichten schreibt. Geschichten, die wir dann später unseren Enkelkindern erzählen können. Daher: Lernt euch bitte offline kennen, traut euch den Moment zu nutzen und erlebt echte Gefühle – in der Realität!

Zur Person


Alexandra Riffel
ist 17 Jahre alt und geht in die Kursstufe der Staudinger-Gesamtschule. Diese Woche hat sie ein BOGY- Praktikum bei fudder absolviert. Wenn sie keine Texte schreibt, spielt sie Klavier, liest (alles), ist viel draußen und chillt mit ihren Freunden.



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