Meine Meinung: Liebe Stadt, was du mit dem CSD machst, ist einfach saupeinlich

Felix Klingel

Erst eine Zusage für die Kajo, dann ein Absage, falsche Geschichten über betrunkene Fahrer und eine erfolgreiche Klage. Was sich dieses Jahr im Vorfeld des CSD abspielte, kann man sich nicht ausdenken. Unser Autor findet: ganz schön peinlich.

Spätestens seit dem turbulenten CSD 2017 ist klar: Die Stadtverwaltung und die Organisatoren des CSD werden keine Freunde mehr. Völlig in Ordnung. Auch, wenn es einer angeblich offenen Stadt wie Freiburg nicht gut zu Gesicht steht. Beide Seiten loten aus, was geht und was nicht, jeder hat seine Interessen – auch das ist völlig in Ordnung.


Unschön und peinlich ist allerdings die Stimmungsmache, die gegen die Parade gemacht wird. Bürgermeister Stefan Breiter erzählte die Mär vom betrunkenen Fahrer, der angeblich lieber tanzen ging, als weiter Lkw zu fahren. Die Geschichte stellt sich inzwischen anders dar: Es war eine Frau, und sie war nicht betrunken. Kein kleiner und schon gar kein feiner Unterschied. Der betrunkene Fahrer passt eben in das Narrativ der unkontrollierten Technoparty, mit dem schon nach dem CSD 2017 Stimmung gegen die Demo gemacht wurde.

Warum der CSD nicht wie eine Totenmesse durch die Straßen zieht

Welche Musik sich Menschen auf einer Demo um die Ohren ballern, ob sie dabei milde lächeln oder ekstatisch tanzen, sich ein Glas Sekt gönnen oder gleich die ganze Flasche – das hat ihnen niemand vorzuschreiben. Auch, wenn es einigen nicht passt. Das ist die Freiheit der anderen, die man ertragen muss. Und darum geht es beim CSD: Freiheit, Vielfalt und Toleranz. Deshalb wird er wild gefeiert, und kriecht nicht wie eine Totenmesse durch die Straßen.

Natürlich hat die Freiheit Grenzen und das Ordnungsamt muss dafür sorgen, dass Auflagen eingehalten werden. Und wo dies 2017 nicht geklappt hat, konnte 2018 nachgebessert werden. Die Gespräche zwischen Veranstalter und Stadt fanden statt – wenn auch erst im Mai. Die Zusage für den Zug durch die Kajo war sogar schon da, doch das Ordnungsamt nahm sie nach vier Tagen wieder zurück. Dann plötzlich die vorgeschobenen Sicherheitsbedenken, einige Tage vor der Parade.

Die ganzen Sperenzchen kosten Zeit – die man besser nutzen könnte

Damit lief alles extrem kurzfristig ab. Zeit die fehlt, um den Lauf von 6000 Menschen durch die Stadt ordentlich zu planen. Die Veranstalter mussten sich mit einer Klage rumschlagen, deren Ausgang sogar der Stadt vorher klar war. So können weitere Probleme bei der Organisation entstehen, die vermeidbar sind, und einer guten Sache weiter schaden können. Das ist eigentlich das Gemeine.

Mehr zum Thema: