Meine Meinung: Lest mehr gedruckte Bücher, statt E-Books!

Verena Niemann

Heute ist Weltbuchtag! fudder-Autorin Verena Niemann hat Angst, dass man in 10 Jahren den Welt-E-Book-Tag feiert und fordert deshalb: Lest wieder mehr gedruckte Bücher!



Kennt ihr den Amazon-Kindle-Werbespot? Nicht? Im Spot für den neuen Kindle Paperwhite lesen Menschen von diesem E-Book Texte in den verschiedensten Situationen der Behaglichkeit: gemütlich im Bett, entspannt am Strand, mobil im Flugzeug. Wenn ich selbst in diesen Situationen wäre, würde ich dem eBook immer ein Buch vorziehen. Leider stehe ich damit in meiner Generation ziemlich alleine da.


Ich bin 16 Jahre alt und gehöre damit zu einer Generation, die mit E-Books aufgewachsen sein müsste. Das Bücherregal sollte in meinem Zimmer den kleinsten Platz einnehmen – und die Buchhandlung ein Ort sein, den ich meide, schließlich könnte ich alternativ bequem in meinem E-Reader nach den neusten Angeboten suchen. Soweit das Klischee.

Entweder entspreche ich dem Klischee nicht, oder das Klischee ist eben nur ein Klischee – und weit entfernt von der Realität. Um ehrlich zu sein, hab ich in meinem ganzen Leben noch keinen E-Reader in die Hand genommen. Bücher auf einem Bildschirm? Nein, auch wenn die Authentizität des Bildschirms ins Unendliche steigt, ein Bildschirm und Bücher – das passt für mich einfach nicht zusammen.

Zugegeben: Wenn man die Vorteile des gedruckten Buches mit denen des E-Book vergleicht, gewinnt das E-Book um Längen: Der E-Reader ist eine moderne, mobile Bibliothek mit der Speicherkapazität für tausende Bücher. Praktisch, handlich, einfach zu bedienen. Gleichzeitig sind digitale Wörterbücher integriert, die es einem ermöglichen, unkompliziert parallel zum Lesen Fremdwörter nachzuschlagen. Nachteile... na ja. Sie verbrauchen natürlich Strom.

Gedruckte Bücher verlieren bei der Analyse also haushoch. Ich finde aber, dass diese Analyse nicht der Maßstab sein sollte. Sie beschreibt nämlich nicht, was für mich entscheidend ist: Ein Buch ist nur dann ein Buch, wenn ich es in der Hand halten und den Geruch von bedruckten Seiten einatmen kann. Ich liebe es, bis zu der Stelle zu blättern, an der ich gestern aufgehört habe zu lesen. Ich liebe es, in der Buchhandlung zu stöbern, die liebevoll arrangierten Aktionstische zu umrunden, an Buchrücken entlang zu streichen und mich mit einem Stapel Bücher hinzusetzen und nach Lust und Laune zu schmökern.

Gibt es denn nicht genug andere Branchen, die digitalisiert werden? Reicht es denn nicht, dass das Printmedium Zeitung vom Aussterben bedroht ist, dass Straßenkarten durch Google Maps ersetzt werden und dass die gute alte Langspielplatte erst von der CD und nun von Streaming-Diensten wie Spotify verdrängt wird?

Die Buchbranche sollte eine Branche des Printmediums bleiben, finde ich. Die Vorteile des eBooks kann man zwar kaum widerlegen. Trotzdem finde ich die Vorstellung, dass es irgendwann keine gedruckten Bücher mehr geben könnte, ganz schön grausam. Stellt euch vor, in nicht allzu ferner Zukunft sind Buchhandlungen vielleicht Geschichte – da würde doch wirklich was fehlen. Und ehe wir uns versehen, lächeln wir über die guten alten Zeiten, in denen wir stolz unsere prallgefüllten Bücherregale als Statussymbole präsentiert haben.

Deshalb finde ich, dass der heutige Weltbuchtag eine gute Gelegenheit ist, einmal über die Zukunft des Buchs nachzudenken. Meiner Meinung nach spielt es keine große Rolle, wie viele Argumente für ein gedrucktes Buch oder für das E-Book sprechen. Denn eBooks sind zwar definitiv eine nützliche Erfindung – aber es sind für mich nun mal keine Bücher.

Zur Person


Verena Niemann
ist 16 Jahre alt und genießt ihr letztes stressfreies Jahr am Goethe-Gymnasium, bald beginnt die Kursstufe. Sie schreibt Geschichten seit sie 6 ist und absolviert gerade ihr BOGY-Praktikum bei fudder. Aktuell spielt sie Chopins g-Moll-Balade auf dem Klavier und und reißt jeden Tag ein weiteres Blatt von ihrem Southside-Kalender ab.



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