Meine Meinung: Lasst uns mit Pegida reden!

Stefanie Sturm

Pegida ist scheiße, rechts und fremdenfeindlich - mit den Demonstranten reden sollten wir dennoch, findet Stefanie Sturm. Warum? Pegida hat Argumente, die wir mit besseren entkräften können - wenn wir endlich das hohe Ross der Besserbürger verlassen:



Ich finde Pegida scheiße und peinlich und ich will, dass wir alle gegen sie demonstrieren. Dennoch will ich, dass man mit ihnen redet. Zehntausende Bürger gehen auf die Straße um zu protestieren - das muss ernst genommen werden, und da muss man sich auf Diskussionen einlassen, auf die man eigentlich keine Lust hat.


Die Demonstranten von Pegida haben ein Anliegen. Wir sollten es uns anhören, ob es uns gefällt, oder nicht. Wir sollten auf Augenhöhe mit ihnen diskutieren, anstatt ihre Forderungen als "dumm", "rückständig" oder "rechts" abzutun. Diese Bezeichnungen treffen meiner Meinung nach alle zu - dennoch darf man in einer funktionierenden Demokratie die Diskussion nicht verweigern und nicht gleich aufgeben, nur weil der Dialog mit diesen Menschen frustrierend sein kann.

Ich habe natürlich auch keine Lust, mit jemandem zu diskutieren, der behauptet, man müsse unsere Herrenrasse schützen. Aber in der heterogenen Masse der Pegida-Anhänger scheint es davon gar nicht so viele zu geben. Wer von einem Einwanderungsgesetz nach dem Vorbild der Schweiz spricht, dem sollte mit Inhalten widersprochen werden, nicht mit anti-rechts-Parolen.

Es darf keine Tabu-Themen geben. In einem Artikel auf tagesschau.de heißt es, dass wir klare Regeln für den Dialog mit Pegida brauchen, und dazu gehört, dass der "tolerante, weltoffene Charakter der Bundesrepublik […] nicht zur Debatte stehen" darf. So kann man das nicht angehen! Ich will auch nicht im Bundestag mit denen darüber abstimmen, ob wir Flüchtlingsheime weiterhin aufrechterhalten sollten, aber man muss die Diskussion außerhalb des Bundestags dennoch zulassen, damit die Argumente der Pegida-Anhänger öffentlichkeitswirksam entkräftet werden können! Alles andere schürt nur deren Wut!

Mit Inhalten kontern!

Die Berichterstattung in den Medien drückt Pegida an den rechten Rand. Alles, was in den Medien als "rechts" bezeichnet wird, ist per se böse, und das muss scheinbar überhaupt nicht mehr begründet werden. "Das ist rechts" oder "das ist fremdenfeindlich" sind keine ausreichenden Argumente. Es wäre schön, wenn diese Dinge selbstverständlich wären, aber das sind sie ganz offensichtlich nicht.

Deswegen muss mit starken Inhalten gekontert werden! Und manchmal muss man sich eben dazu herablassen, das scheinbar offensichtliche nochmal zu wiederholen. Auch wenn es wehtut, jemandem die Wichtigkeit der Menschenrechte zu erklären.

Die fehlende Dialogbereitschaft der linken bis zentrumsnahen Parteien spielt der NPD und der AfD in die Hände. Ich kann schon verstehen, dass manche sagen, sie wollen keine offizielle politische Debatte über diese Themen, da sie ihnen keine größere Plattform verschaffen wollen, aber man sollte nicht aus Angst, eine Debatte zu verlieren, gar nicht erst zur Debatte antreten. Wir verlieren sie schon nicht! Die Vertreter von Pegida lehnen den Dialog ab? Nicht aufgeben! Trotzdem weiter dazu auffordern!

Die Demonstranten haben sich ihre Probleme nicht einfach ausgedacht, sie sind real. Nur der Sündenbock, den sie sich dafür gesucht haben, der ist ein Märchen. Altersarmut, Arbeitslosigkeit und fehlende Bildung müssen angegangen werden, und man muss den Pegida-Demonstranten erklären, dass man für all das nicht die Kriegsflüchtlinge aus Syrien verantwortlich machen kann. Auch wenn sie das eigentlich schon wissen sollten. Mittlerweile scheinen einige Politiker zu ähnlichen Schlüssen gekommen zu sein. Mit Intelligenz gegen rechts, nicht nur mit Parolen, bitte.
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[Foto: dpa Picture Alliance]