Meine Meinung: Ich wünsche mir einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Platz der Alten Synagoge

Bernhard Amelung

Der Platz der Alten Synagoge ist ein guter Ort, vor allem zum Innehalten und Andenken, findet fudder-Autor Bernhard Amelung. Was ihn stört: Die Einstellung der Stadt Freiburg und ihr Umgang mit der jüdischen Gemeinde.

Ich finde den Platz der Alten Synagoge gut. Er ist hell, offen, schafft optisch mehr Raum in der Innenstadt. Auch im Zusammenwirken mit der Spiegelglas-Fassade der Universitätsbibliothek. Deren architektonischer Stil gefällt mir auch gut. Wem’s nicht gefällt: Mit dem Platz der Alten Synagoge hat Freiburg nun wieder einen Ort bekommen, an dem Spontan- oder Eilversammlungen möglich sind. Das erleichtert die Ausübung von Versammlungsfreiheit und die aktive Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess. Ein Guter Ort für Abschlusskundgebungen mitten in der Stadt.





Ginge es nach mir, könnte die Stadt Freiburg noch mehr solcher Räume schaffen. Dann wäre vielleicht auch Platz für eine Hundekotwiese, der jetzt so viele Menschen in der Stadt nachweinen. Ich frage mich allerdings, warum keiner der Nachweiner in den vergangenen 18 Jahren, in denen ich in Freiburg lebe, einmal zu mir gesagt hat: "Lass ma' Bierchen trinken vor'm KG II".

Mein 16 Jahre altes Ich allerdings, das durchaus noch in die Gegenwart reicht, fährt an einem Sommertag wie diesem längst mit dem Skateboard über den Platz der Alten Synagoge, zieht das T-Shirt aus und kühlt den verschwitzten Oberkörper an einer Wasserfontäne der Springbrunnen.

Für mich ist der Platz der Alten Synagoge auch ein Ort zum Andenken und Innehalten.


Apropos Brunnen: Mir gefällt auch der dem Umriss der alten Synagoge nachgestaltete Brunnen. Ich selbst werde dort zwar meine Füße nicht reinhängen. Für mich ist der Platz der Alten Synagoge auch ein Ort zum Andenken und Innehalten.

Ich kann allerdings nichts ethisch Verwerfliches erkennen, wenn auch dieser Ort nun von Kindern und anderen Menschen bevölkert, belebt wird. Der Brunnen ist zunächst Erinnerungssymbol. Er ist nicht als Mahnmal gewidmet. Dennoch wünsche ich mir einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Ort. Um an die Schrecken des Jahres 1938 zu erinnern, muss man die Vergangenheit zwar nicht rekonstruieren. Erinnerung setzt allerdings Bewusstsein voraus.

Ich finde, es die Aufgabe der Stadt Freiburg, ein Bewusstsein für die Bedeutung des Ortes zu schaffen und das Verständnis zu wecken für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihm. Dazu gehört auch Information und Aufklärung. Eine in das Brunnenbecken eingelassene Tafel genügt dazu nicht. Das ist nur wenig erinnerungstauglich. Die Stadt Freiburg bleibt da hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Eine in das Brunnenbecken eingelassene Tafel ist nur wenig erinnerungstauglich.


Und das hat mich schon immer gestört im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge: Die Einstellung der Stadt Freiburg zur und ihr Umgang mit der jüdischen Geschichte und Gemeinde in Freiburg.

Erst das - meiner Ansicht nach - gespielte Erstaunen, dass man tatsächlich noch Reste der alten Synagoge gefunden hat. Zweitens die Diskussion um eine Umbenennung des Platzes, in die die jüdische Gemeinde nicht gleichgeordnet miteinbezogen wird, sondern nur nachgeordnet informiert wird. Schließlich noch der Termin, an dem die offizielle Einweihung stattfindet. Ein Samstag, für die jüdische Gemeinde der Schabbat. Weniger Feingefühl und Takt geht nicht.

Ich bin weder wütend noch enttäuscht über die Entscheidung(en) der Stadt Freiburg. Für mich steigert die Stadtspitze ihr - in dieser Angelegenheit auch sonst - mechanistisches Auftreten damit allerdings ins Groteske. Das macht mich fassungslos.

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