Meine Meinung: Hört endlich auf, mich zu dünn zu finden!

Melanie Killenberger

Nicht nur Dicke werden gehänselt - auch Dünne kriegen regelmäßig ihr Fett weg. Das jedenfalls empfindet fudder-Autorin Melanie Killenberger so. Sie ist 1,67 Meter groß, 49 Kilogramm schwer und fordert: Hört endlich auf, mich zu dünn zu finden!



Auf Facebook-Seiten wie Mr. Goodlife lese ich sie ständig, Kommentare wie „Gib ihr 'nen Burger! Die fällt ja fast auseinander!". Unter nahezu jedem Bild mit einer schlanken Frau gibt es diese Vorwürfe, die mich einfach sprachlos machen. Vorwürfe in Form von Beleidigungen, die von „Knochengerüst“ bis hin zu „Ein Windstoß, und sie kann sich die Flugtickets sparen“ reichen. Es scheint mir, als würden sich immer mehr Menschen gegen uns Schlanke stellen. Wir, die einfach von Natur aus so sind. Von Geburt an. Gottgegeben.


Besonders hervorheben möchte ich eine ganz eigene Sparte von Facebook-Kommentaren. Und zwar diejenigen, die Begriffe wie „Magersucht“ oder „Anorexie“ beinhalten. An meine Mitmenschen da draußen, die sich geneigt fühlen, solche Äußerungen nicht bei sich behalten zu können: Google hilft. Und zwar dabei, sich mal darüber schlau zu machen, was das überhaupt ist. Ansonsten gilt wie immer: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.

Denn nicht jede Frau, die einfach nur schlank ist und eine durchtrainierte Figur hat, sollte gleich als magersüchtig abgestempelt werden. Wir sind dünne Frauen, wir ernähren uns, wie wir wollen und nehmen trotzdem nicht zu. Ich bin der Meinung, dass man nicht nur aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes darüber urteilen sollte, ob man magersüchtig ist oder nicht. Denn da spielen zusätzlich noch viele andere Faktoren eine Rolle. Es gibt nun mal Frauen, die genetisch bedingt sehr schlank sind, einen guten Stoffwechsel haben und essen können, so viel sie wollen und trotzdem nicht zunehmen, so wie bei mir.

Dieses Anderssein zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Es fing schon zu Schulzeiten an, als mein Mathelehrer mich dezent darauf hinwies, dass ich doch mal mehr Suppe essen sollte. Nett umschrieben, dachte ich mir. Selbst bei Besuchen bei Omi musste ich mir erst mal zur Begrüßung Sprüche anhören wie „Mensch, bisch du wieder mager gworde im Gsicht“. Als ich im Sommer mit knappen Shorts und T-Shirt durch die KaJo lief und 'ne Meute Mädels an mir vorbeilief, ertönte kurz darauf ein Aufschrei „Skelett!“, gefolgt von Kotz- und Würggeräuschen. Solche oder so ähnliche Vorfälle habe ich schon so oft erlebt, dass ich aufgehört habe, sie zu zählen.

Heute bin ich 1,67 Meter groß und wiege immer etwas um die 49 Kilogramm. Zugegeben, das ist nicht gerade viel. Aber wie bereits erwähnt, ich esse ganz normal. Wenn ich Hunger habe, esse ich. Wenn nicht, dann eben nicht. Kürzlich veranstaltete ich einen Burger-Abend. Ich hab ein paar Freunde zu mir nach Hause eingeladen und Hamburger gemacht. Als wir am Tisch saßen und ich mir die Salatsoße auf den Burger gekippt habe, sind einigen am Tisch die Kinnladen runtergeklappt. An Wochenenden sieht man mich gerne mal zwischen 3 und 4 Uhr nachts im McDonald's, das sogenannte „After-Party-ich-bin-ja-so-voll-und-hab-solchen-Hunger-Meal“ essen. Ich bin also definitiv keine Kalorienzählerin. Und werd's auch nie werden. Und schon gar nicht magersüchtig. Ich will einfach nur, dass diese dummen Kommentare endlich aufhören. Es nervt.

Zur Person

Melanie Killenberger (Foto oben) ist 23 Jahre alt, kommt aus Denzlingen und studiert im ersten Semester Europäische Ethnologie und Sprachwissenschaft des Deutschen. Wenn sie nicht gerade in der fudder-Redaktion sitzt, trifft sie sich mit Freunden, klickt sich durch interessante Mode-und Kunstblogs und treibt hier und da ein wenig Sport.
 

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