Meine Meinung: Eine Ode an den Caipi

Jule Markwald

Cachaça, Limettensaft, Rohrzucker und Eis – eine ziemlich gute Kombination, findet unsere Autorin Jule Markwald. Trotzdem ist es irgendwie peinlich, einen Caipirinha zu bestellen. Jule findet: Das muss wieder anders werden.

Es gibt Getränke, die assoziieren wir mit ganz bestimmten Menschengruppen. Ich war zum Beispiel nie ein Weißweinschorle-Mädchen. Ich war ein Bier-aus-der-Flasche-Mädchen. Nicht nur, weil ich von Weißwein höllisches Sodbrennen kriege, sondern weil der Drink in meiner Hand meine Visitenkarte für den jeweiligen Abend war.


Caipis waren irgendwann ok – jetzt sind sie peinlich

Ich wollte sagen "Hier, schau, meine Lederjacke, meine abgerockten Boots und meine Astra-Flasche in der Hand. Wenn ich nicht Rock’n’Roll bin, dann weiß ich aber auch nicht!" Wenn Junggesellinnenabschiede ein Getränk wären – sie wären ein Caipirinha. Caipis zu trinken ist nicht cool. Caipis bestellen Leute, die heimlich Tickets für Mario Barth kaufen und Plüscheinhörner besitzen. Es ist der Drink für Menschen, die eigentlich nicht besonders gerne trinken. Der Drink mit dem rapidesten Imageverlust des letzten Jahrzehnts.

Caipirinhas sind das alkoholische Pendant zu "Keep Calm And Carry On"- Postern. Eine ganze Weile lang waren sie okay und dann – quasi über Nacht – nur noch peinlich.

Der Caipirinha braucht eine Imagekampagne!

Das Problem ist: Caipirinhas sind unfassbar lecker. Ein gut gemachter Caipirinha schmeckt nach Sommerurlaub und Sand zwischen den Zehen, nach durchtanzten Nächten und einem Ferienflirt, der einen aus den Flip-Flops knutscht. Auch deshalb nötige ich meine allercoolsten Freunde gerne, mit mir zusammen Caipirinhas zu bestellen. Der Caipi braucht dringend eine Imagekampagne. Denn das Leben ist einfach zu kurz für freudlose Drinks.