Meine Meinung: Die Bundesjugendspiele müssen bleiben!

Marius Buhl

Die Konstanzer Bloggerin und Journalistin Christine Finke hat eine Petition gestartet: Sie will die Bundesjugendspiele abschaffen, weil ihr Sohn weinend davon nach Hause kam. Das ist vollkommener Quatsch, findet fudder-Redakteur Marius Buhl. Das Leben ist schließlich kein Scheiß-Småland:



Es gibt Eltern, die wollen das Beste für ihr Kind. Wenn die Kinder solcher Eltern nach den Bundesjugendspielen nach Hause kommen - und nur eine "Teilnehmerurkunde" in den Händen halten - lächeln die Eltern, kochen Spaghetti und üben danach Ballwerfen und Rennen.


Es gibt Eltern, die wollen das Allerbeste für ihr Kind. Wenn die Kinder solcher Eltern nach den Bundesjugendspielen von der Schule nach Hause kommen - und nur eine "Teilnehmerurkunde" in den Händen halten - schreiben die Eltern eine Petition: "Bundesjugendspiele abschaffen".

Christine Finke aus Konstanz gehört zu diesem Typ Eltern. Sie schrieb just exakt jene Petition. Begründung: "Warum muss man unsportliche Kinder so einer Demütigung aussetzen?"

Ich erinnere mich an eine Situation. 7. Klasse, Musikunterricht. Der Lehrer, ein passionierter Musiker, der bereits aussah wie eine Note (lang und dünn, mit einem dicken Kopf oben drauf), ließ jeden Schüler einzeln vorsingen. Direkt danch wurde beraten. War das gut? War das schlecht? Hat der Vorsänger die Töne getroffen?

Ich sang damals "The Reason" von Hoobastank, weil das gerade im Radio lief. Ein furchtbares Lied, mit einer noch furchtbareren, sauhohen Bridge in der Mitte. Ich krakeelte, ich kratzte, ich holperte. Die Klasse lachte sich kaputt, einer meiner besten Freunde zieht mich heute noch damit auf. Am Ende bekam ich eine drei, die Teilnehmerurkunde der Schulnoten.

Ich weiß nicht mehr genau, was meine Mutter sagte, als ich ihr beim Mittagessen davon erzählte. Ich bin mir aber sicher, dass sie gelacht hat. Und mein Vater? Der hat ganz sicher gelacht - und dann davon erzählt, wie der Männergesangverein ihn einmal verpflichten wollte (obwohl er ganz schrecklich singt).

Im Jahr darauf habe ich folgendes gemacht: Statt vorzusingen, habe ich eine kleine Okarina (eine Steinflöte) genommen, wochenlang geübt - und am Ende "Hänschen Klein" vorgepfiffen. Die Mitschüler lachten wieder, ich bekam eine zwei. Ehrenurkunde, wem Ehrenurkunde gebührt.

Was mich an der Petition der Frau Finke so nervt: Man kann die Welt für die eigenen Kinder nicht in ein kunterbuntes, zuckersüßes Småland verwandeln.

Ob Frühstücksei oder Cola, ob Bücher, Filme oder Freibadbesuch, ob Musik-Vorsingen oder Bundesjugendspiele - alles versuchen die Frau Finkes dieser Welt auf die kleinsten Restrisiken abzuklopfen, nur, damit der kleine Jan-Hinnerk und die kleine Sinje-Fee in ihrer Einhornwelt noch ein paar Tage länger verweilen können.

Die Schule soll die Kinder fürs Leben vorbereiten. Das Leben ist aber kein Scheiß-Småland, das Leben kennt auch Bundesjugendspiele. Das Leben kennt Wettkämpfe. Das Leben kennt Abschlussprüfungen, Niederschläge, Vorstellungsgespräche, Auseinandersetzungen, Streit, Kündigungen, Sitzenbleiben, Neid, Hass und Tod. Im Leben scheitert man. Und dann muss man neu beginnen. Alles andere ist Ikea.

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[Foto: photocase.de / manun]