Meine Meinung: Der Popbeauftragte soll sich nicht nur um Proberäume kümmern

Bernhard Amelung

Tilo Buchholz, ein Bekannter aus der Freiburger Musik-Szene, übernimmt die Stelle des Popbeauftragten. Doch er muss sich um mehr kümmern als um Proberäume, sagt unser Autor. Vor allem das Nachtleben sei ein Stiefkind der Kommunalpolitik.

Die Stadt Freiburg hat ihren ersten Popbeauftragten. Seit Mittwoch steht fest, dass Tilo Buchholz diese Stelle zum 1. Oktober antreten wird. Der Freiburger ist selbst Musiker ("The Brothers"). Von Juni 2011 bis Juli 2014 war er Stadtrat (Grüne) und Mitglied des Kulturausschusses. Er ist gleichermaßen in der Kultur und Politikszene der Stadt Freiburg verwurzelt. Ein großer Erfahrungsvorteil.




Gleichzeitig bergen Stelle und Personalie ein Risiko. Es steht zu befürchten, dass sich der Fokus des Popbeauftragten auf die Themen Bands, Proberäume und Popmusik verengten wird. Die FWTM schreibt unter anderem in ihrer Pressemitteilung, der Popbeauftragte solle Proberäume und Auftrittsorte entwickeln. Das ist jedoch nur ein einzelner Baustein des hochkomplexen Themenfeldes Subkultur. Zumal die Bandszene inzwischen in jedem Gastronomen einen Lobbyisten gefunden hat. Keine Neueröffnung, ohne dass sich ein Wirt auch "Konzertle" in seinem Lokal vorstellen kann.

Nachtleben und Clubkultur werden stiefkindlich behandelt

Die Themen und Ziele der IG Subkultur sind weiter gefasst. Sie beinhalten neben der freien Tanz- und Theaterszene vor allem auch das Nachtleben und die Clubkultur in Freiburg. Besonders Letzteres wird seit jeher auch von der Kommunalpolitik stiefkindlich behandelt. Ein (kultur)politisches Agenda-Setting fehlt.

An diesem Status Quo muss sich etwas ändern. Es bedarf jetzt eines offenen und transparenten Austausches zwischen dem Popbeauftragten Tilo Buchholz und den Akteuren der Kulturszene in Freiburg. Die IG Subkultur, die diesem Thema zu politischer Sichtbarkeit und Relevanz verholfen hat, wird ihr bisheriges Engagement weiterführen müssen. Erst recht, da die Stelle des Popbeauftragten bei der FWTM angesiedelt ist. Was nämlich nicht sein darf: Dass die Subkultur nun von ihrem Erfolg her gedacht, mithin an Besucherzahlen gemessen wird.

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