Mehr Mitbestimmung an der Uni: Der Asta erfindet sich neu

Christina Fortwängler

Die Verfasste Studierendenschaft ist zurück! Den U-Asta gibt es nicht mehr, dafür mehr studentisches Mitspracherecht und einen mündigen Allgemeinen Studierendenausschuss. Die 22-jährigen Studenten Julian Zimmer und Matthias Gornik bilden seit Oktober den neuen Vorstand des Asta, der sich wieder politisch äußern darf – und noch eine Frau braucht:



36 Jahre lang durften sich die Allgemeinen Studierendenausschüsse (Asten) in Baden-Württemberg nur zu musischen, kulturellen und sportlichen Themen äußern. Um diese Regelung zu umgehen, gab es an der Uni Freiburg einen unabhängigen Asta. Seit diesem Wintersemester ist alles anders. Mit der Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft  kam auch das Mitspracherecht des Asta zurück. Die Arbeit im Asta-Vorstand der Uni Freiburg machen seit Oktober die 22-jährigen Studenten Julian Zimmer und Matthias Gornik.


Die Neuordnung der Studierendenvertretung an der Uni Freiburg ist noch im vollen Gange. „Wir sind gerade hauptsächlich damit beschäftigt, die Verfasste Studierendenschaft auf die Beine zu stellen“, sagt Julian Zimmer. Der 22-jährige Soziologie- und Psychologie-Student ist seit Semesterbeginn Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Zimmer ist zur Zeit der einzige offiziell vom  Studierendenrat (Stura) gewählte Vorstand. Allein muss er die Vorstandsarbeit nicht leisten, unterstützt wird er von Matthias Gornik, der Mathematik und Informatik im siebten Semester studiert. Matthias' Amt stehen momentan noch Satzungsvorgaben im Wege – denn  im Vorstand muss mindestens eine Frau vertreten sein. Das heißt: Matthias kann erst dann als Vorstand aufgestellt und gewählt werden, wenn ein drittes, weibliches Vorstandsmitglied gefunden worden ist.  Doch die Suche gestaltet sich schwierig. „Es gibt tendenziell wenig Interessentinnen für das Amt“, sagt Julian Zimmer. „Frauen wagen sich wahrscheinlich weniger in Führungspositionen wie Männer. Genau deswegen haben wir ja die Quote.“

Zimmer und Gornik arbeiten im Asta-Büro in der Belfortstraße 24 jeweils bis zu 45 Stunden pro Woche. „Es ist zu viel Arbeit für eine Person. Bisher war der Vorstand eigentlich immer zu dritt“, sagt Zimmer.  Viel Zeit bleibt da nicht für das Studium. Zwischen 1977 und 2012 gab es in Baden-Württemberg keine Verfasste Studierendenschaft (VS). In dieser Zeit entschied der Hochschulsenat mit professoraler Mehrheit über die Satzung und Mittel des Asta, politisch äußern durfte der sich nicht. Durch die rot-grüne Landesregierung hat sich das nun geändert, die VS wurde wieder im Hochschulgesetz verankert. Den U-Asta, der sich bis dahin für die Belange der Freiburger Studierenden einsetzte, gibt es nicht mehr. Seine Referate sind in den Asta übergegangen. Seit Juli ist der Asta die Exekutive im Neuen Mischmodell, das als Satzung der VS gewählt wurde. „Wir kümmern uns darum, dass die Beschlüsse des Studierendenrats auch tatsächlich ausgeführt werden“, sagt Matthias Gornik.

Konkret verbringen die beiden Vorstände ihre Zeit nicht nur in der direkten Arbeit mit Studierenden, sondern auch mit reichlich Bürokratie und Planung. Dank der neu geschaffenen Finanzautonomie kann der Asta nun Beiträge von den Studierenden einziehen. „Wir müssen keine Angst mehr haben, dass uns irgendein Budget gestrichen oder uns eine Auszahlung nicht genehmigt wird“, sagt Julian Zimmer. Bisher habe das Rektorat alle Ausgaben absegnen müssen. Vom Sommersemester an werden Beiträge erhoben, die genaue Höhe stehe aber  noch nicht fest. „Für den einzelnen wird das keine große Menge Geld sein, für den Asta aber Arbeitsermöglichung und Autonomie von der Uni bedeuten“, sagt Matthias Gornik.

Beide Vorstände sind schon lange in der Hochschulpolitik aktiv. Julian Zimmer engagierte sich bereits in seiner Fachschaft und im U-Asta. Matthias Gornik war neben der Fachschaftsarbeit auch in der Studienkommission und als Stellvertreter im Fakultätsrat tätig. Studierende am politischen Geschehen in der Uni mehr direkt zu beteiligen – das sei ihr gemeinsames Ziel. Als größte Gruppe an der Universität seien Studierende in den universitären Gremien immer noch unterrepräsentiert – das wollen beide ändern. „Damit wir immer näher an eine Universität kommen, in der alle gleichberechtigt mitentscheiden können“, so Gornik.

Als Thema hat der Asta im Moment auch die Novellierung des Landeshochschulgesetzes im Blick, das neue Gebühren für bestimmte Gruppen Studierender vorsehe – etwa für ausländische Studierende außerhalb der EU oder bei starker Überschreitung der Regelstudienzeit. „Das sind studienabschreckende Maßnahmen, die speziell sozial Schwächere extrem treffen können“, sagt Gornik. „Wir wollen, dass mehr Leute die Möglichkeit bekommen, zu studieren und das kann ganz sicher nicht von den finanziellen Möglichkeiten abhängen.“

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[Bild: Ingo Schneider]