Massenzappeln an der Uni: Fitnessgymnastik mit Musik

Philipp Breitbart & Fabian Vögtle

Die Körper schwitzen, der Hallenboden bebt. Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden zappeln massenhaft zu 90er-Jahre-Beats. Ort der Szenerie ist aber keine Studi-Party, sondern die höchst beliebte "Fitnessgymnastik mit Musik" des Hochschulsports der Uni Freiburg a.k.a. "Massenzappeln". Luschensport? Von wegen!



Rund 100 Studentinnen und genau acht Studenten sind heute zum Massenzappeln gekommen. Sabine Schlegel hat schon eine CD eingelegt und befestigt gerade noch ihr Headset. Gleich wird sie die Teilnehmer lautstark durch ihr Mikro motivieren. Dieses Semester leitet sie den Kurs am Montag. Seit sechs Jahren ist die Sportdoktorandin als Übungsleiterin dabei.


Die Teilnehmer trudeln peu à peu ein, einige gönnen sich eine akademische Viertelstunde Verspätung und sparen sich so Kraft für das schweißtreibende Training. Mit lautstarker Musik geht’s los. Ein bunt gemischtes Uni-Volk rennt durch die große Halle. Sportliche Studentinnen treffen auf weniger sportliche, Erstsemester auf Doktoranden. Nach fünf Minuten nehmen die ersten Teilnehmer einen guten Schluck aus der Pulle.



Auch Alex Schmidt braucht was zum Trinken. „Der Kurs ist ziemlich hart“, sagt die Studentin der Pädagogischen Hochschule, die einmal im Monat vorbeischaut. Trainerin Sabine legt beim Konditionstraining aber auch ein ordentliches Tempo vor. Ralf Wimmer kennt das schon. „Bei Sabine ist es immer anstrengend“, sagt er zu ihrem Fitnesstraining. Der Informatiker ist nicht nur einer der wenigen männlichen Teilnehmer, er gehört mit seinen 31 Jahren auch zu den älteren Semestern des Kurses. Er kommt schon seit sieben Jahren zum Massenzappeln und ist auch nach Studium und Doktorandenzeit hängen geblieben.

Zu den Kniebeugen läuft Paul Kalkbrenners „Sky And Sand“. Der Song lässt den ein oder anderen zu Höchstform auflaufen. Auch Lara Kasper ist voll dabei. Sie findet einige Übungen im Kurs zwar anstrengend, gerade die Kombination aus Sport und Musik macht der 25-jährigen Medizinstudentin aber viel Spaß. Zusammen mit ihren Mitbewohnerrinnen kommt sie zweimal die Woche ins Massenzappeln.



Die Fitnessgymnastik für Anfänger findet während des Semesters montags und mittwochs sowie am Wochenende statt. Am Mittwoch sind immer zwei Übungsgleiter da, um die Teilnehmer bei den Gymnastikübungen besser betreuen zu können. Die fehlende individuelle Hilfestellung ist das einzige Manko an den anderen Tagen. Wer sich noch mehr auspowern möchte und fit fühlt, der ist wohl bei den Fortgeschrittenen-Kursen genau richtig. Diese finden vier Mal die Woche, von Dienstag bis Freitag statt.

Nachdem es unter dem Beat von 90er-Hits einige Aerobic-Übungen gibt und rund 100 Leute mit ihren Skippings den Hallenboden zum Beben bringen, beginnt nach einer guten halbe Stunde die zweite Halbzeit des Massenzappelns: Bodengymnastik. Die Musik wird etwas ruhiger, die Teilnehmer sitzen und legen sich auf ihre mitgebrachten Handtücher. Sabine Schlegel ist in der Mitte der Halle. Sie macht die Kräftigungsübungen für Beine- und Armmuskulatur vor und motiviert die Teilnehmer zum Mitmachen.



Für Katharina Zumstein gehört das Krafttraining immer wieder zum härtesten Teil des Massenzappelns. Die 24-jährige Studentin ist dennoch hochmotiviert und will keine Sekunde der Trainingsstunde verpassen. Zwar geht sie im Sommer lieber draußen Joggen, doch zwei Mal die Woche kommt sie zum Zappeln, oft auch bei den Fortgeschrittenen am Dienstag oder Freitag.

„Im Winter kommen an einem Abend regelmäßig 180 bis 200 Leute“, sagt Sabine Schlegel, die 2009 ihr Sportstudium an der Uni Freiburg abgeschlossen hat und gerade an ihrer Doktorarbeit über Sporttherapie bei Essstörungen schreibt. Das wöchentliche Zappeln braucht sie genauso als Ausgleich wie viele der Teilnehmer. Das Beste sei, dass sie den Leuten einfach was Gutes tue.

Dass das kostenlose Sportprogramm bei den Studis super ankommt ist offensichtlich. „Kein anderes Angebot im Hochschulsport wird von so vielen Leute angenommen“, sagt die Trainerin und düst zu ihrem nächsten Kurs. Für die meisten Teilnehmer ist der Abend gelaufen. Nass geschwitzt und keuchend geht es unter die Dusche oder sofort nach Hause. Massenzappeln ist eben kein Rumhüpfen für Kinder sondern eine Power-Stunde mit Konditions- und Krafttraining für zukünftige Akademiker.