Antisemitischer Angriff

Mann beleidigt und bedroht Mitglieder der Israelitischen Gemeinde in Freiburg

Simone Lutz

Bei einem antisemitischen Vorfall sind die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde und andere Gemeindemitglieder bedroht und beleidigt worden. Die Polizei hat einen Tatverdächtigen verhaftet

Bei einem antisemitischen Vorfall sind Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, und andere Gemeindemitglieder bedroht und beleidigt worden. Eine Überwachungskamera der Neuen Synagoge an der Nussmannstraße hat den Vorfall vom 13. Juli aufgezeichnet.


"Es war Sabbat, das Wetter gut, alles friedlich und fröhlich", sagt Katz, die die Gemeindemitglieder morgens gegen 9.30 Uhr am Einlass zur Synagoge zum Gottesdienst begrüßte. Auf der Kamera ist zu sehen und zu hören, wie ein brüllender, aggressiv auftretender Mann die Stufen zum Eingang nimmt, gestikuliert und üble Beleidigungen und Drohungen ausstößt wie "Ich schlag’ dich tot".

Ein Gemeindemitglied eilt zu Katz und zieht sie in die Synagoge, eine Passantin, die mit dem Fahrrad vorbeifährt, kommt der Angegriffenen ebenfalls zur Hilfe. Irgendwann, nach etlichen antisemitischen Tiraden, dreht der Mann ab und verschwindet. "Er hatte nichts mit den Obdachlosen vor der Synagoge zu tun und betrunken war er auch nicht", so Katz. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und hat den Tatverdächtigen inzwischen festgenommen.

Bündnis aller Kräfte gegen Antisemitismus

"Im Umfeld der Synagoge sind wir ständig antisemitischen Angriffen ausgesetzt", sagt Irina Katz, "aber das war bisher der schlimmste. Ich war schockiert – die Angst kam hinterher." Vor einem Jahr hatte ein Mann, der sich auf die Stufen gesetzt hatte, gepöbelt: "Mich wundert es nicht, dass sie euch erschossen haben." Und ebenfalls vergangenes Jahr brannte morgens ein Feuer an der Synagoge.

"Ich wünsche mir, dass die Menschen durch solche Vorfälle sensibilisiert werden und nicht wegsehen." Irina Katz
Oberbürgermeister Martin Horn hat den antisemitischen Vorfall am Montag scharf verurteilt. "Die Aggression und Hetze gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger sind erschreckend. Hass und Diskriminierung gegen Andersgläubige dürfen und werden in unserer Stadt keinen Platz haben", sagte Horn. "Antisemitismus werden wir entschlossen entgegentreten."

Irina Katz hat sich nach dem Vorfall nochmals telefonisch bei der Passantin bedankt, die ihr zur Hilfe kam. Auch Horn lobte deren Eingreifen: "Diese Form der Zivilcourage war vorbildlich und ist 2019 dringend nötig."

"Ich wünsche mir, dass die Menschen durch solche Vorfälle sensibilisiert werden und nicht wegsehen", so Katz. "Ich finde, in Freiburg sollte sich ein Bündnis aller Kräfte zusammentun, die gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung arbeiten."