Mal Meeresrauschen, mal Donnerwetter: The Brew im Jazzhaus

Jens Grosskreuz

Schlagzeug, Bass, Gitarre - mehr braucht das Classic-Rock-Trio The Brew aus der englischen Küstenstadt Grimsby nicht, um das Jazzhaus mal mit Meeresrauschen, mal mit Donnerwetter zu beglücken. fudder-Autor Jens Grosskreuz war dabei:



„Wie entsteht die Live-Energie, für die wir bekannt sind?“, fragte sich Sänger und Gitarrist Jason Barwick von The Brew, als man ihn in einem Interview auf das Geheimrezept ihrer neuen Platte Control anspricht. Schlagzeug, Bass und Gitarre stehen im Mittelpunkt, ohne das ganze Drumherum!


Man möchte sagen, dass das Trio aus der Küstenstadt Grimsby (UK) mittlerweile alte Bekannte sind, immerhin rocken sie Freiburg jährlich. Ein bisschen ist es auch Heimspiel, da das Label Jazzhaus Records Mutterschiff ist. Sie beherrschen ihr Handwerk wie alte Hasen, müssen sie auch, denn bei der Freisetzung dieser gewaltigen Energie, ist Taktgefühl unabdingbar.

Dass das Gang und Gäbe ist, beweist der Drummer Kurtis Smith in einem überragenden Solo. Überragend deshalb, weil er die bis dahin gekannten Solonummern mit einer Originalität durchboxt, so dass einem die Ohren schlackern. Er schmeißt die Sticks weg, jetzt braucht's nur noch die Hände. Ein Uhrwerk, eine Maschine. Vergesst die Drum-Computer! Smith ist authentisch.



Im Vergleich zum fliegenden Classic-Rock-Trio kommt die Vorband Kamchatka eher gesetzter daher. Mit Rauschebart, Halfbeat und Balladen frönen sie rollendem Blues. Die älteren Sympathie-Bolzen aus Schweden verbinden den Boogie schon mal mit Schlepprock. Dann aber jagt die helle und hoffnungsvolle Stimme des Sängers Thomas Andersson die Gitarre, oder war es andersherum?

Starke Einflüsse namens Hendrix, Lynyrd-Skynyrd, späte 60er und 70er aber auch Stoner-Rock wie Kyuss ergeben einen dynamischen Breitwand-Sound. Sie überzeugen mit mehr Eigenwilligkeit und Charakter als die Hauptband. Ein Glück sie als Vorband gesehen zu haben.

Thomas Andersson kommt während der Zugabe von The Brew nochmal mit Beck's in der Hand auf die Bühne und bedankt sich beim Sänger Barwick mit Umarmung, dem Publikum lässt er verlauten: „Thank you so much Freiburg, thank you so much you Brew-guys for opening our wings.“ Es geht um ein gute Nachbarschaft, auch wenn sie laut ist.



Einer der Knaller heißt „Every gig has a neighbour“, was soviel bedeuten mag: Dreht den Sound so laut auf wie ihr könnt, es gibt immer einen, dem es nicht passt. Barwick schreit ins Mic: „Fuck off!“ Ansage. So geht’s dann auch weiter. Diese Band findet keine Ruhe, nicht einmal in Schmusestücken, dort prescht irgendwann einmal die Gitarre durch.

Highlights sind die ausladenden, verzweigten Instrumental-Stücke. Barwick nimmt den lädierten Geigenbogen und entlockt seinem Schmuckstück mal Meeresrauschen, mal Donnerwetter. Rückkopplung und Applaus geben sich die Hand. Das Publikum schäumt, es ist bockheiß vorne, es wird getanzt, eine kräftige Stimme meldet sich, während die Wucht ausnahmsweise mal ausklingt, mit „Vollgas!“.

Barwick geht vom Wasser über in Weißwein. Auf ex versteht sich. Jetzt kommt ihre große Stärke, ihr Ursprung zutage. „This is for you Freiburg!“ Die Band bedankt sich mit „Whole lotta love“ und weiteren Interpretationen von Led Zeppelin. Man wird entlassen mit Ohrwurm. Ausgestattet mit Metronom. Vor drei Jahren ging ich davon aus, dass sie musikalisch-künstlerisch ihren Zenith erreicht haben. Im Jazzhaus wurde ich des besseren belehrt. Nach oben hin ist immer Platz.



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