Major Wear: Shirts als dreidimensionale Leinwand

Alexander Ochs

Wenn es um Mode geht, denkt man an Paris, London, Freiburg. Freiburg? Ja, denn hippe Streetwear kommt nicht nur aus den üblicherweise modeverdächtigen Weltstädten, sondern auch aus der Breisgau-Metropole. fudder stellt euch das Label Major Wear vor.


Tom Brane alias Thomas Knab aus Freiburg entwirft stylische T-Shirts und Kapuzenpullis mit Reißverschluss, auf Neudeutsch Hoodys mit Zipper. Sein Label nennt er Major Wear. „Das steht für besondere Klamotten“, meint er und verweist lachend auf das Wortspiel major we are!


Auf meist dunkle Pullis mit übergroßer Kapuze druckt er häufig gelbe oder goldene – ja, was eigentlich: Zeichen? Symbole? – sagen wir: Elemente. Linien, mal ganz fein, mal dick, mal kurz, mal lang, doch stets gerade, x-fach gebrochen, die sich zu geometrischen Mustern zusammensetzen, manchmal sternförmig, manchmal zerrissen, aber doch zusammenhängend. Er selbst beschreibt seinen Style als facettenhaft-zersetzt. „Er soll das zeitgemäße Leben abbilden.“

Eigens für seine Shirtkollektion hat er eine eigene Schrift entwickelt, die Elemente aus dem Lateinischen, Kyrillischen und Mandarin vereint. Für den 28-Jährigen sind Textilien eine dreidimensionale Leinwand, auf der er sich künstlerisch ausdrücken, austoben kann. Sogar sein selbst gewähltes Namenskürzel entgeht nicht einer grafischen Operation: „tom“ schreibt er „+om“.



Erstaunlich geradlinig verlief sein Werdegang. „Ich male schon, seitdem ich denken kann. Neulich habe ich eines meiner ersten Shirts ausgegraben, das habe ich gemacht, als ich 8, 9 Jahre alt war“, erzählt der sympathische Grafikdesigner. Mit 16 hat er bereits regelmäßig in einer Werbeagentur gejobbt. Anschließend hat er ein Grafikdesign-Studium durchgezogen.

Mittlerweile arbeitet er seit 5, 6 Jahren als Grafik-Designer. Nebenher organisiert er zusammen mit Matthias Wölfing Ausstellungen für die Freiburger Künstlergruppe Druxs bei denen er selbst auch Leinwände ausstellt (fudder berichtete), entwirft und bedruckt Textilien und arbeitet nun an seinem ersten Katalog. 50 bis 60 Motive umfasst sein Repertoire mittlerweile. Auch eine Skater-Linie mit etwas anderem Styling hat er im Programm.

Wie er darauf gekommen ist? „Was ich sonst an Klamotten in den Läden gesehen habe, hat mich gelangweilt. Wer nur mit irgendwelchen Logo-Klamotten rumläuft, repräsentiert nichts, das sagt nichts aus.“ Er kommt zwar auch nicht ohne ein Logo aus, ein Stern und eine Art Klammer nach oben. „Diese Spitze repräsentiert ein Hausdach also die Erde. Im Chinesischen steht das Zeichen auch für Mensch“, erklärt Tom.



Was seine Kleidungsstücke von der Masse des Einheitsbreis abhebt, ist die Art und Weise, wie er das Textil bespielt. Die von ihm gewählte Flexdruck-Technik bietet den Vorteil, dass sich ein Kleidungsstück von allen Seiten bedrucken lässt – und dabei noch bezahlbar bleibt. So sind auch die Ärmel der Longsleeves häufig bedruckt, ebenfalls der untere Kapuzenrand.

Sein „Material“ bekommt er von Continental Cloth aus Berlin, in der Regel 100 Prozent Baumwolle, allesamt Fair-Trade-Shirts. Bei der Damenkleidung obendrein noch bio. Seine Textilien vertreibt er über seine Website, aber auch in Geschäften wie dem be it!  und dem Boardshop sind sie erhältlich. Sonst verbreiten sie sich quasi per Mund-zu-Mund-Propaganda. „Neulich habe ich eine Anfrage aus Kanada bekommen, da habe ich 40 Shirts hingeschickt“, erzählt Tom. Mal sehen, was daraus wird. Denn, so Tom: „Mein Traum ist, davon zu leben.“



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