Mädchenattacke im Hauptbahnhof: Warum griff niemand ein?

David Weigend

Am Dienstagabend gegen 18.25 Uhr haben im Freiburger Hauptbahnhof drei Mädchen zwei 14-Jährige beleidigt und zu Boden geworfen. Danach traktierten sie die Köpfe der Opfer mit Faustschlägen. Trotz der Hilferufe der Attackierten griff niemand ein. Dazu drei Fragen an Helmut Mutter, Pressesprecher der Bundespolizei.



Ursprüngliche Polizeimeldung

Zu einer brutalen Körperverletzung kam es am Dienstagabend (4. August 2009) gegen 18.25 Uhr im Freiburger Hauptbahnhof. Zwei 14-jährige Mädchen aus einer Kaiserstühler Umlandgemeinde hielten sich im Untergeschoss des Hauptbahnhofs auf, bei den Telefonzellen und dem Fotofixautomaten. Eine Gruppe von drei Mädchen, die ihnen unbekannt waren, gingen auf sie zu und beleidigten sie zunächst verbal mit Kraftausdrücken wie "Schlampe" etc. Unvermittelt wurden die beiden Mädchen geschubst, an den Haaren gerissen und auf den Boden geworfen. Dann traktierten die drei Jugendlichen sie mit Faustschlägen. Als eine der Geschädigten einen Passanten aufforderte, ihnen zu helfen, kam die Antwort "Hilf dir selbst!"

Das Ganze wurde von einem männlichen Jugendlichen, der vermutlich zu der Gruppe gehörte, mit seinem Handy gefilmt beziehungsweise fotografiert. Anschließend flüchtete die Gruppe durch die Unterführung in Richtung Eisenbahnstraße/Innenstadt. Die Fahndungsmaßnahmen nach den Tätern im Bahnhofsumfeld und in der Innenstadt verliefen ergebnislos.

Die beiden Mädchen wurden, nachdem die Eltern verständigt waren, von diesen zur ärztlichen Untersuchung zur Uni-Kinderklinik gebracht, da sie über Kopfschmerzen klagten. Sie wurden zur Beobachtung über Nacht stationär aufgenommen (und sind inzwischen wieder zu Hause, Anm. d. Red.)



Bei den drei Täterinnen handelt es sich um zirka 14-  bis 16-jährige Mädchen, alle zirka 160 Zentimeter groß und blond. Eine Täterin war mit einem pinkfarbenen Oberteil bekleidet. Die zweite trug ein gelbes Oberteil und hatte ein Piercing an der linken Oberlippe. Die dritte war mit einem grauen Oberteil bekleidet und hatte ein Mund- und Nasenpiercing.

Offensichtlich wurden die beiden geschädigten Schülerinnen in "Happy Slapping-Manier" grundlos angegriffen und die ganze Sache mit dem Handy gefilmt, um sich damit zu brüsten oder die Sequenz ins Internet zu stellen.

Zeugen des Vorfalls oder Personen, denen die beschriebene Dreiergruppe bekannt ist, werden gebeten, sich unter Tel. 0761/20273-0 mit dem Bundespolizeirevier Freiburg in Verbindung zu setzen.



Drei Fragen an Helmut Mutter, Pressesprecher der Bundespolizei


Herr Mutter, während des Übergriffs gingen zahlreiche Passanten an den Opfern vorbei. Die Mädchen lagen am Boden und baten um Hilfe. Wie erklären Sie sich, dass niemand eingriff?

Was wir hier sehen, ist das typische Wegschauphänomen. Die Passanten helfen nicht, weil sie Angst haben, selbst zum Opfer zu werden. Anstatt anzuhalten und irgendwie einzugreifen, laufen sie zu. Wenn sich dieses Verhalten verbreitet, haben wir hier bald das Faustrecht. Ein kräftigerer Mann hätte normalerweise die drei jungen Angreiferinnen abhalten können.

Die Bahnhofsunterführung wird von zahlreichen Videokameras überwacht. Warum sind auf den Kameraufzeichnungen die Täterinnen nicht zu erkennen?

Die Kameras sind drehbar. Der Bereich, in dem der Angriff stattfand, liegt außerhalb des Schwenkbereichs der Kameras. In der Passage, durch die die Täterinnen geflüchtet sind, hängt eine weitere Kamera. Doch die Aufzeichnung dieser Kamera reicht nicht aus, um die Mädchen zu identifizieren. Allerdings haben wir inzwischen einen Hinweis bekommen. Es kann gut sein, dass sich da heute noch was tut.

Warum war keine Sicherheitsstreife vor Ort?

Es ist in der Regel immer eine Streife im Bahnhof unterwegs. Aber der ist groß. Gegen 18.25 Uhr soll der Angriff stattgefunden haben, gehen wir mal davon aus, dass er etwa zwei Minuten dauerte. Um 18.30 Uhr wurde der Polizeinotruf verständigt. Um 18.33 Uhr waren die Kollegen vor Ort. Weit weg waren sie also nicht.

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