Interview

Madeline Juno: "Es macht mir Spaß, in meinen Texten mit doppelten Böden zu spielen"

Luisa Joa

Am Montag spielt Madeline Juno im Jazzhaus in Freiburg. fudder-Autorin Luisa Joa sprach mit der Künstlerin aus Südbaden über ihr neues Album "Was bleibt" – und über die Unsicherheit über das, was kommt.

Wie bist Du Singer-Songwriterin geworden? Was war Dein erster Berührungspunkt mit Musik?

Madeline Juno: Für mich gab es eigentlich keinen ersten Berührungspunkt, weil die Musik immer da war. Meine Eltern waren damals beide in einer Band. Meine Mama als Pianistin und Sängerin, mein Papa als Schlagzeuger. Ich bin damit groß geworden, dass sie jeden Sonntag mit ihrer Band in unserem Keller geprobt haben. Ich habe immer schon gerne Texte und Gedichte geschrieben. Mit zwölf habe ich dann gelernt, Gitarre zu spielen und meine ersten eigenen Songs geschrieben. Das war sozusagen der Beginn von Allem.

Wann hattest Du das erste Mal das Gefühl, dass Deine Musik von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird?

Das klingt vielleicht krass, aber es war von Beginn an alles relativ kalkuliert. Mit 13, 14 hatte ich einen YouTube-Kanal und fing an, meine ersten Songs hochzuladen. Als Leute aus meiner Schule mich auf meine Musik angesprochen haben, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich damit Leute erreichen kann. Und dann hat mich tatsächlich das Produzententeam von Tokio Hotel entdeckt.



Ich habe über Jahre, während ich noch zur Schule ging, mein erstes Album fertiggeschrieben, aufgenommen und hab dann so eine Art Doppelleben geführt. Nach der Schule hatte ich schon einen Plattenvertrag unterschrieben und dann kam das erste Ding raus. Dann ging alles ganz, ganz schnell. Und mir ist plötzlich aufgegangen: Krass, das ist jetzt mein Leben! Klar hatte ich damals auch Angst davor, ob alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, aber ich hatte ja ein tolles Team um mich und war sehr dankbar für diese Möglichkeit.

Dieses Jahr hast Du Dein viertes Album "Was bleibt" veröffentlicht. Wie unterscheidet es sich von Deinen früheren Alben?

Das aktuelle Album ist sehr bunt. Für mich ist es ein Album, das ganz viele große Fragen stellt, die ich an das Leben habe und gleichzeitig mit wenigen Antworten. Ich habe darin ganz viel verarbeitet, was mich über Jahre beschäftigt hat. Es gibt Themen wie meinen eigenen Glauben und meine Beziehung zu Gott. Das Album heißt ja auch "Was bleibt", weil ganz viele Songs davon handeln, was alles kommt und was alles geht. Im Vergleich zu den anderen Alben beinhaltet dieses recht wenige Liebesthemen.



Meine aktuelle Single "Grund genug", die ich über die Musikindustrie geschrieben habe, klingt wie ein Breakup-Song, obwohl ich ihn gar nicht über einen klassischen Herzschmerz geschrieben habe. So ist es auch mit meinem Song "Automatisch", in dem ich meine Depression wie einen Menschen beschreibe, zu dem ich eine ungesunde Beziehung habe. Es macht mir Spaß, in meinen Texten mit doppelten Böden zu spielen. Mir ist es wichtig, den Leuten die Freiheit zu überlassen, meine Musik so zu interpretieren, wie sie es gerade brauchen.

Der Song "Was bleibt" thematisiert unter anderem auch die Ungewissheit über das, was noch kommen wird. Hat sich dieses Gefühl seit dem Schreiben des Albums verändert?

Ich weiß eigentlich genau, wo ich hin will. Man ist immer auf einer Reise. Ich habe zwar meine Pläne, aber die werden oft einfach umgeworfen. Die Musikindustrie macht sich oft nichts aus Plänen. Aber das ist auch das Schöne am Leben, dass, wenn man mit Gelassenheit und wenig Druck an sich selbst und das Universum lebt, überrascht werden kann. Ich als Kontrollmensch mag es, eine Ahnung davon zu haben, was ich mache und wo ich hinwill. Trotzdem glaube ich, dass es auch fantastische Seiten des Nicht-Wissens gibt. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Dieses Gefühl der Ungewissheit hat sich für mich nicht verändert, schließlich können wir nicht in die Zukunft sehen. Es kommt halt darauf an, wie wir damit umgehen.

Hast Du schon Ideen, was Du nach Deiner Tour machen möchtest?

Im nächsten Jahr werde ich auf jeden Fall kein Album schreiben. Ich werde direkt nach der Tour für mehrere Monate nach LA gehen und mich darauf konzentrieren, für andere Künstlerinnen und Künstler zu schreiben. In Deutschland habe ich für Künstler*innen wie Elif oder Mathea geschrieben. Im englischen Sprachraum ist das ein bisschen anders.

Man schreibt dann Songs und die werden von Interessierten entweder genommen – oder auch nicht. Ich merke auch, dass ich es brauche, mich auf das Schreiben anderer Projekte konzentrieren und mal den Fokus außerhalb von mir selbst zu legen. Das ist jetzt das vierte Album und ich bin bereit, mich nicht immer nur zu 100 Prozent auf mich zu konzentrieren. Es ist mir halt auch super wichtig, meine Schreibarriere weiter anzutreiben. Ich würde sagen, dass das mein nächstes Abenteuer ist.
  • Was: Madeline Juno, Konzert
  • Wann: 4. November 2019, 20.00 Uhr
  • Wo: Jazzhaus
  • Eintritt: 28,10 Euro