Lords of the Blog: Englische Lords bloggen

Aljoscha Harmsen

Einblicke in das House of Lords, gegeben von den Aristokraten höchst selbst in Form eines Blogs - und dann noch ein Name, der offensichtlich von Lord of the Rings inspiriert ist. Das klingt nach einem verspäteten Aprilscherz, ist aber Tatsache. In Lords of the Blog erklären die Lords, wer sie sind und was sie machen. Das ist auch nötig, weil es in Großbritannien die wenigsten wissen.



Das House of Lords, um das es geht, gehört zum britischen Parlament, wird auch Oberhaus genannt und besteht aus rund 750 weltlichen und geistlichen Lords. Dabei bleiben die Adeligen sogar auf Lebenszeit im Amt. Sie haben heute weniger Befugnisse als das Unterhaus und sind grob vergleichbar mit dem deutschen Bundesrat.


Eine Auswahl von zehn Lords bloggt nun seit rund drei Monaten auf Lords of the Blog. Dabei haben die Lords eine noch strengere Netiquette als fudder, denn dort darf weder geflucht, vulgär, noch obszön oder in einer anderen unflätigen Schreibweise kommentiert werden, es wird Respekt verlangt, es darf nur in englischer Sprache geschrieben werden und wer unter 16 Jahren alt ist, braucht die Erlaubnis seiner Eltern.

Mit Bild und Lebenslauf stellen sich die fürstlichen Blogger vor und erklären Aufbau und Funktion des Oberhauses, reden über politische Themen und aktuell gerade über Unterordnung unter das Unterhaus und darüber, dass die gewählten Volksvertreter mehr Macht erhalten sollen. Die Lords gehen sogar auf Kommentare so ein, dass sie ein neues Blog-Thema eröffnen. Allerdings wurden viele Beiträge der Lords überhaupt nicht kommentiert, besonders in der Anfangsphase.



In den Kommentaren wird die Idee des Blogs gelobt. Trotzdem gehen die Blog-Kommentatoren auch kritisch mit den Lords und dem Oberhaus als Institution um. MythMaker fasst in einem Kommentar ein grundlegendes Problem zusammen: "They have to explain who they are because the public doesn't know. A semi-democratic country where half of the legislature are people that no one has any control over, or knows who they are. Madness."

Die Idee, ein Parlamentsorgan der Regierung in Form eines Blogs für eine größere Öffentlichkeit verstehbar zu machen und seine Politiker mit einem Kommentar anzusprechen, auf den sie tatsächlich auch reagieren, ist den Mitgliedern des Bundesrates bislang leider noch nicht gekommen.

Mehr dazu:

Blog: Lords of the Blog

[via MeFi]