London: Wie eine Freiburgerin die Krawalle erlebt

Michael Neubauer

Brennende Häuser. Krawalle. Plünderungen. Londons Polizei kämpft gegen die Gewalt von Randalierern. Die Freiburgerin Lisa Rubsamen (26, l.) lebt seit 2009 in London und hat die Ereignisse mit eigenen Augen beobachtet. Ein Interview.





Wie hast Du die Krawalle erlebt?

Lisa Rubsamen: Ich lebe eigentlich in dem sehr ruhigen Stadtteil East Dulwich. Es gibt aber bei mir ganz in der Nähe einen Tesco-Supermarkt. Der wurde am Montagabend geplündert. Ich habe gesehen, wie Jugendliche mit Einkaufskörben voller gestohlener Lebensmittel, Alkohol und Zigaretten die Straße entlang liefen. Manche riefen: Bring Zigaretten mit und Alkohol! Einige trugen Kapuzenpullis, viele waren höchsten 12 Jahre alt. Der Supermarkt liegt auf dem Weg in das Problemviertel Peckham, wo es die schlimmen Krawalle gab. Die haben vermutlich in Peckham angefangen, und bei ihrem Rückzug haben sie in East Dulwich weitergemacht.

Wer sind diese Randalierer?

Lisa Rubsamen: Das sind vermutlich ärmere Jugendliche aus den Vorstadtghettos. Diese Banden haben im Fernsehen gesehen, was in Peckham los ist und denken jetzt, sie könnten sich jetzt in den Geschäften nehmen, was sie wollen. Das hat nichts mehr zu tun mit dem Ursprung der Gewalt in Tottenham, die wohl als Rache für einen erschossenen Familienvater begonnen hat. Das sind keine Protestierer mehr, das sind kriminelle Plünderer. Sie rauben auch aus Hifi- und Computergeschäften Sachen, die sie weiterverkaufen.  

Wie verändert sich Ihr Alltag durch die Ereignisse?


Lisa Rubsamen:
Ich habe vor allem am Abend Angst, rauszugehen. Ich bleibe zu Hause und schaue ständig Nachrichten. Ich habe Tourismusmanagement studiert und arbeite jetzt im Business development - mein Chef hat die ganze Belegschaft heute bereits früher nach Hause geschickt, damit wir rechtzeitig vor dem Abend sicher nach Hause kommen.

Video:



Die Polizei in London wird jetzt verstärkt.

Lisa Rubsamen: Ja, 16000 Polizisten aus dem ganzen Land sollen heute Nacht in London für Sicherheit sorgen. Mein Freund arbeitet ehrenamtlich bei der Polizei. Er hat eine Mail bekommen, ob er helfen kann – und hat sich einziehen lassen. Die Polizei hat einfach nicht damit gerechnet, dass die Krawalle so ausarten. Das Schlimme ist, dass wir nicht wissen, was als Nächstes passiert: Sie haben Häuser, Busse und Geschäfte angezündet – was kommt noch?

Mehr dazu:

[Das Interview mit Lisa Rusamen wurde heute initial auf badische-zeitung.de veröffentlicht]

Video: